Verrückte Vulkan Vanderungen

Hola cumpleanos (heißt doch Kumpels oder?),

Wie ihr sehen könnt läuft das Spanisch nach dem zweiwöchigen Intensivkurs so richtig! Ganze 10 Tage durften wir wieder waschechte Schulkinder sein. Der Schulweg vorbei an Shotgunbewaffneten Männern war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch haben sie immer freundlich gegrüßt. Der Unterricht war sehr anstrengend: 5h pro Tag alleine mit einer Lehrerin plus Hausis!

Wenn es gewackelt hat ist kein Schüler vom Stuhl gefallen sondern man hat ein kleines Erdbeben gespürt (Mareile hat nie etwas bemerkt… von wegen Männer sind nicht feinfühlig). Mein alter Franzlehrer und Mann der mich zum Klettern gebracht hat, Monsieur Zeidelhack, wäre stolz auf mich, dass ich doch keine Sprachenvollniete bin. Verrückt wie gut es auf einmal klappt, wenn man es wirklich will (Im Bouldern würde ich ihn trotzdem stolzer machen, irgendwie war da die Motivation größer, wenn man stärker als Markus sein musste).

Wir haben extra die Stadt Xela (bzw Quetzaltenango falls es einer googlen will) ausgesucht, da partymäßig abends nicht so ganz der Bär steppt. So konnten wir uns tatsächlich voll und ganz aufs Spanisch konzentrieren. Die Highlights abseits der neuen Sprache fanden dann an den 2 Wochenenden statt: Santa Maria und Tajamulco. Der höchste- und einer der schwierigsten zu besteigenden Vulkane von Zentralamerika.

Ich hoffe, dass ihr die Bilder bereits gesehen habt weil es ist unmöglich ist diese zwei Sonnenaufgänge in Worte zu fassen. Um Phipsie zu zitieren „des war de Wahnsenn!“.

Zuerst haben wir uns für den schwierigeren, Santa Maria, entschieden. Und da Guides auch für Mädchen sind, wollten wir es gemeinsam mit Steph und Jean aus unserem Homestay und Kathrien aus der Spanischschule ganz ohne fremde Hilfe schaffen.

Der Plan stand also: das Taxi holt uns nachts um 0 Uhr ab, wir fahren eine Stunde hin und spätestens um 6 sind wir dann oben (man liest alles zwischen 3 und 6h fürs Erklimmen, also haben wir einen kleinen großen Puffer miteinberechnet). Long story short: Taxi war pünktlich, wir haben verpennt aber zum Glück haben uns die zwei anderen um 11.57 Uhr geweckt. Doch das Dilemma fing dann erst an als wir ankamen: es stellte sich heraus, dass es gar nicht so leicht ist den eigentlichen Pfad zu finden. Von wegen ‚alle Wege führen nach oben‘. Nach 1h 15 min und einer Strecke die immer steiler und enger wurde kam auf einmal ein Tor mit Schild ‚propiedad privada‘. Also waren wir gezwungen umzudrehen und der Spaß fing erneut bei 0 an.

Da ihr aber ja die Bilder von oben schon gesehen habt, hat die Geschichte ein Happy End. Danke an die App Maps.me und eine andere Gruppe, die mit einem Führer hoch ist (solche Mädchen!). Der Weg hoch war hart wie Kruppstahl, aber wir haben es, trotz kleiner Detour, gerade so mit den ersten Sonnenstrahlen gepackt! Oben gab es 3 positive und 3 negative Highlights.

Zuerst die positiven, da Mama Natur ganz schön angegeben hat:

-unser Vulkan einen perfekten dreieckigen Schatten in die Wolken geworfen als die Sonne in unserem Rücken aufging

-ein paar meter weiter unten war der kleine aktive Bruder und alle 10 Minuten hat es gerumpelt und gepoltert und Rauchwolken stiegen empor

-natürlich war der Sonnenaufgang selbst, zusammen mit dem Vollmond, (es war die Nacht des Blutmondes, aber davon haben wir nichts  gesehen) ebenfalls atemberaubend

Die negativen Punkte waren vor allem die ekelhafte Kälte (wir sind für einen Sommerurlaub und nicht 4000m Bergtouren ausgestattet) und oben angekommen hatte ich auch Probleme  mit der Höhe: Schwindel und allgemeines Unwohlsein (was wir immer in unsere Abwesenheitsnotizen in der Schule geschrieben haben).

Trotzdem hat es sich sowas von gelohnt! Als wir aber fast unten waren und 3 unabhängige andere Gruppen  getroffen haben die sich auch verlaufen haben (und das bei Tag) wollte ich wirklich nicht  mit ihnen tauschen). Der Weg nach unten und dann nach Hause per Chickenbus war eine Tortur und der Kampf gegen die Müdigkeit schwer. Aber drauf geschissen, wir habens gepackt! BÄM!

Für Tajamulco, den anderen- und höchsten Punkt/Vulkan in Zentralamerika gibt es eine kürzere Zusammenfassung. Hier waren wir wieder zu viert, nur haben wir statt Kathrien Alex aus Genf mitgenommen. Danke Gott für ihn, denn er ist ein Profibergsteiger und top ausgerüstet: wir konnten einige Klamotten von ihm ausleihen und Mareile und ich durften sogar in seinem kleinen Zelt schlafen. Leider hatte er ein Handschuhpaar zu wenig, aber da haben Omis gestrickte Socken eine spitze Arbeit geleistet! Danke dafür Omilein! Tajamulco war etwa 4 Autostunden von unserem Homestay entfernt. Also wollten wir nicht abends losfahren und dann nach 4h Autofahrt loslaufen. Stattdessen sind wir tagsüber mit Stephs Auto (dass er eins hat, hat er uns die Woche zuvor verschwiegen und die anstrengende Heimfahrt mit dem Chickenbus wäre uns erspart geblieben) dort hingefahren und haben dann am Berg einen Schlafplatz gesucht. Die Karre war ein Familienvan mit nur 2 sitzen vorne. Mareile, der riesige Alex und ich lagen hinten auf den sitzen und Alex brachte uns Backgammon bei. Steph hat das Auto in Mexiko geschenkt bekommen als er ein paar Tage ein Boot restauriert hat. Ein richtiges Travellerauto mit Surfbretthalterung (innen), Wäscheleinen (ebenfalls innen) und einer super bequemen Matratze (natürlich auch innen).

Wir sind dieses Mal etwas später losgelaufen um mehr Schlaf zu kriegen um den Sonnenaufgang dieses Mal auch richtig genießen zu können. Es war perfektes Timing, denn wir waren gerade am Ende der Baumgrenze bei alten Bäumen als das Sonnenaufgangsspektakel begann. Für mich mit Abstand der verrückteste Sonnenaufgang den ich je gesehen habe (Siehe Bilder auf Insta): Die Stadt unten lag verdeckt unter den Wolken und die Sonne am Horizont bestrahlte die Bäumen in den skurrilsten Farben.

Ansonsten ging bei dem Berg FAST alles gut. Wir haben sofort den Weg gefunden und haben uns nicht verlaufen. Nur Alex, der etwas vorlief, fehlte als wir oben ankamen. Zu unserer Überraschung waren wir sogar die EINZIGEN Menschen oben an einem Samstagmorgen. Da der Vulkan mehr touristisch ist hat man sich das anders vorgestellt… Alex kam dann ca 50 Minuten später an und erzählte, dass er einmal falsch abgebogen ist und wir ihn überholt haben. Man konnte sich aber nicht sehen wegen dem Nebel. Dann war er oben, hat uns aber nicht gesehen, da wir etwas windgeschützt saßen um auf ihn zu warten. Danach ist er nochmal sehr weit nach unten gelaufen, da er dachte, dass wir umgedreht sind weil jemand verletzt ist. Wir haben uns letztendlich doch noch oben getroffen, doch es zeigt, dass die Berge nicht zu unterschätzen sind. Auch nicht ein mega Touri Vulkan auf 4220m Höhe. Wieder vereint sind wir oben eine halbe Stunde um den riesigen Krater gewandert und dann hat der Himmel komplett dicht gemacht und wir sind wieder abgestiegen. Ganz ohne Chickenbuses konnten wir dann entspannt in Stephs Auto liegen und schlafen.

Aber genug gelabert! Wir sind mittlerweile schon in Honduras und ja ich bin mal wieder hinterher mit der Schreiberei. Trotzdem müssen wir jetzt zum Tauchen! Ciao Muchachos!

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