Ein typischer Tag im Leben der Biking Baboons Teil 1

Wir sind jetzt bereits seit 4 Monaten und über 4000 km unterwegs mit dem Fahrrad und uns erreicht sehr oft diese eine Frage: Was macht ihr eigentlich den lieben langen Tag in eurem Urlaub? Urlaub… wenn wir das schon hören. Mareile verdreht die Augen und berichtigt, dass das doch ein Adventure ist und uns nicht viel Zeit bleibt um die Füße hochzulegen. Aber was wir tatsächlich täglich machen, haben wir versucht hier darzustellen.

So richtig konnten wir uns diese Frage vor der Reise auch nicht beantworten, da man täglich nicht mehr als 5 Stunden auf dem Sattel sitzt. Und lasst es mich gleich vorab sagen: Nein, wir popeln nicht den Rest des Tages in der Nase. Deswegen haben wir versucht einen typischen Radtag zusammenzufassen. Die Zeiten sind natürlich nur für eine ungefähre Timeline für euch. Wer uns, bzw. vor allem Mareile, kennt weiß, dass ein solcher Zeitplan im Leben nicht funktionieren würde:

An diesem morgen kam Mareile etwas früher raus als sonst, da wir einige Besucher hatten…

7:30 Uhr – der Wecker klingelt. Guten morgen Marius! Mareile drückt nochmals den imaginären Snooze Button. Dieser wird so lange gedrückt, bis die Dame einen Kaffee in ihren Händen hält. Ohne die braune Wunderbrühe geht nämlich gar nichts. Wenn es schnell gehen muss, weil es z.B. ein sehr heißer Tag wird und wir die Morgenstunden nutzen möchten, kocht Marius das Wasser mit dem Primus Omnifuel Benzinkocher (aka Optimus Prime). Wenn es auch ein paar Minuten länger dauern kann, man keine 90 km vor sich hat und es Feuerholz gibt, ist der Hobo Stove seine erste Wahl.

Für die, die es nicht kennen: Hobo Stoves sind sehr simple, meist selbst gebaute, Kocher die aussehen wie die Kamine um Grillkohle schneller anzuzünden. Anstatt Kohle nimmt man kleine Holzscheite (die man vorher sammelt), macht ein Feuerchen und stellt den Topf oben in die Flammen. Marius und sein Dad haben ihren Hobo Stove aus einem Ikea Ording (Besteckabtropfbehälter) gemacht: Öffnung gesägt um Feuer nachzulegen, Füße dran geschraubt und fertig ist der Hobo!

Hier sieht man den Hobo direkt im Einsatz. Auf dem Bild haben wir ihn einfach direkt ins Feuer vom Vorabend gestellt.

Hört sich cool an? Ist es auch! Zumindest wenn man ein kleiner Feuerteufel ist wie Marius. Hexafuhr, Hexafuhr!

8:00 Uhr Wir sind zum Glück beide große Frühstücker, also fahren wir jeden Morgen auch ganz nach dem Motto: Morgens wie ein Kaiser! Unser Breakfast at Tiffanys findet, je nach Mosquitolage, draußen oder noch im Zelt statt. Unsere Frühstückskonstante sind Haferflocken. Bei den ‚add ons’ kann man sich so richtig ausspinnen:

Gewisses Mischmaterial haben wir immer dabei. Wichtig ist, dass es haltbar ist: Rosinen und sämtliche andere getrocknete Früchte, Chia Samen, Sesam Körner, verschiedene Nüsse, Kürbiskörner… Wenn wir Glück und Lust haben gehen wir am Abend zu vor noch zu einem (Super)Markt und kaufen dort frisches Obst ein. Oft fährt man auch an Obstbäumen vorbei (wo wir natürlich nicht klauen) oder kriegt etwas von den Menschen geschenkt.

Seit der Türkei sind wir richtig verwöhnt. Hier gibt es an jeder Ecke Joghurt. Dort kaufen wir täglich 750 g für 80 Cent, den wir am nächsten Morgen wegschlabbern. So kann man sich sogar das Abwaschen der Teller sparen, da alles direkt in den Joghurt geschnibbelt wird und wir den Eimer dann zu zweit angreifen.

Vor der Türkei haben wir die Haferflocken oft am Abend zuvor in Wasser eingeweicht, sodass man am nächsten Morgen eine richtig schöne Pampe hat. Diese kann man dann kalt Essen oder nochmal schnell aufwärmen. Und wenn man dazu noch Honig, Zimt und/oder Erdnussbutter hinzumischt hat man nicht nur ein gesundes und reichhaltiges Frühstück, sondern auch ein sehr abwechslungsreiches Festmahl. Wir lieben es!

Ein klassisches Haferflocken Frühstück mit Haferflocken.

Dann wird geschnickt (Schere, Stein, Papier) wer abwaschen muss. Schnicken ist übrigens die zweite Konstante. Nicht nur vom Frühstück, sondern von unserem Leben. Es wird um jeden Hennenfurz geschnickt: wer kriegt welchen Göffel (einer ist viel unbequemer an der Hand), wer darf in die Hängematte, wer schläft auf der unbequemeren Seite im Zelt..  

Während dem Frühstück wird besprochen wie weit man heute fahren möchte und ungefähr geschaut wo man am abend landet. Jedoch nicht zu genau, so viel haben wir mittlerweile gelernt: ein konkretes Ziel macht keinen Sinn bei uns, da jeden Tag so viel Unvorhersehbares passiert, dass es sowieso ganz anders kommt als ursprünglich geplant (aber dazu später mehr).

Dieses „in den Tag rein leben“ und morgens nicht zu wissen wo man abends landet, muss man erst mal lernen. Unser ganzes Leben werden wir darauf getrimmt, dass man immer unter Strom steht und 110% abliefert. Ob in der Schule, Uni oder später beim Job. Wir treffen oft andere Radfahrer die noch nicht so lange unterwegs sind und kaum Zeit für einen kurzen Smalltalk haben weil sie denken, dass sie weiter müssen. Aber wohin denn und warum? Schließlich nimmt man sich solch eine Auszeit um diesen Leistungsdruck, für eine Weile, loszuwerden. So denken wir zumindest. In der Realität ist es oft aber gar nicht so einfach, dieses Gefühl, dass man jetzt ‚dies und das’ machen MUSS, abzulegen. Wir möchten uns auch gar nicht als irgendwelche Lebens/Rad-Profis darstellen, sondern haben auch noch, nach wie vor, damit zu kämpfen.

Den ganzen Müll vom Abendessen und Frühstück sammeln wir immer in einer Tüte. Wir schleppen ihn dann mit bis zum nächsten Mülleimer. Es ist wirklich verrückt, wenn man täglich sieht wie viel Müll man eigentlich produziert. Und das obwohl wir sehr darauf achten und es z.B. geschafft haben bis 3500 km keine Wasserflasche zu kaufen. Außerdem kann man sagen: je weiter man sich von Deutschland entfernt, desto schlechter wird die Müllsituation und das Bewusstsein/Verständnis der Menschen für den Müll… leider.

Uncool!

Es wurde nicht nur einmal Müll direkt vor uns aus dem Autofenster geworfen. Man sieht und riecht auch etliche (brennende) Müllhalden wo Leute mitten in der Landschaft ihren Abfall hinkippen und ihn verbrennen. Oft sind auch unsere Wildcamp Spots verschmutzt. Wir räumen jedes Mal etwas auf und nehmen ein paar Tüten mit, aber damit wird das Problem natürlich nicht gelöst. Wir glauben, dass man dagegen nur mit Bildung und einer entsprechenden Gesetzgebung entgegenwirken kann.

8:30 Uhr – Die Sonne treibt uns bereits den Schweiß auf die Stirn und wir packen alles zusammen. Im Zeltauf- und –abbau sind wir mittlerweile Profis. Die ersten Tage waren, vor allem für Marius, nicht einfach. Das Tohuwabohu am Morgen war too much to handle und er wusste gar nicht mehr wo vorne und hinten ist. System overload. Mittlerweile hat aber alles seinen Platz und kommt in die jeweilige beschriftete Radtasche, sodass man es auch abends wieder findet. Zumindest fast immer, gell Mareile? So gefällt das dem strukturierten Schwaben.

9:00 Uhr – Unsere 50 kg Panzer ‚Elfie’ und ‚Kemal’ sind gepackt und endlich geht der Radfahr Spaß los! Andauernd werden wir nach einem Schnitt gefragt. Das ist sehr schwer zu sagen, da es hier einige beeinflussende Faktoren gibt: Wie ist der Straßenbelag: Schotterpiste oder Rennstrecke? Geht es hoch und runter oder fährt man auf der schnurgeraden Autobahn. Große Straßen versuchen wir zu meiden, da sie nicht nur stinklangweilig sind, sondern man auch keine Interaktion mit den Locals hat (außer, dass man andauernd angehupt wird). Trotzdem sind sie manchmal sehr praktisch, wenn man Strecke machen möchte.

Der Wind ist eigentlich kein Faktor, da dieser eh IMMER von vorne kommt… 😉 Wenn dieser besonders stark ist wechseln wir uns alle 5 km ab, sodass man sich immer wieder im Windschatten etwas ausruhen kann. Aber da ihr eh nur einen Schnitt hören wollt: 12-20 km/h.

Ansonsten quatschen wir sehr viel, vor allem darüber wie es sein wird, wenn wir an unserem Ziel ankommen (nur darüber nachzudenken gibt uns Gänsehaut), aber auch sehr viel über unsere Pläne was wir nach der Reise machen und wie das Leben in der Zukunft ausschaut. Da kommen oft die verrücktesten Plände und Ideen raus. Wir sind so gespannt was wir dann tatsächlich in ein paar Jahren treiben. Bei großen Straßen pushen uns Marius legendäre Playlist und Podcasts wie Fest und Flauschig durch den Tag.

…auf dem besten Weg klatschnass zu werden…

An Bergen regt man sich auf über das ganze Gepäck auf. Man grübelt was man alles nach Hause schicken wird, doch geht es wieder bergab hat man schnell alles vergessen und genießt die Abfahrt. Abfahrten sind sowieso das Allerschönste: Man quält sich kilometerlang den Berg hinauf bis man endlich die Spitze sieht (oft denkt man es ist die Spitze, aber dann geht es nochmal um eine Kurve noch weiter hoch) und es nur noch ganz nach Svens Motto geht: „Laufa lau!“, was so viel heißt wie: „fass ja nicht deine Bremsen an, leg dich in die Kurven und lass es krachen!“

Pausen machen wir ca. alle 20 km. Das ist davon abhängig wo es Wasser gibt (Kaffees, Bars, Friedhöfe, Moscheen, Flüsse) um unsere 2 Trinkflaschen wieder aufzufüllen und wie anstrengend die letzten Kilometer waren. Ab und zu gibt es auch eine kalte Cola oder ein Eis. Wenn keine Tanke in der Nähe ist muss auch die gesunde Variante ausreichen: Nüsse und einen Apfel.

Viele Pausen sind jedoch unvorhersehbar: In der Türkei werden wir täglich zu etlichen Chais (Tee) eingeladen, in Griechenland war es Kaffee oder Pfirsiche und in Italien Espressi. Natürlich kommt man dann auch ins Gespräch mit den Leuten. Viele sind interessiert an unseren Rädern und dem Trip, einige haben ebenfalls sehr verrückte Geschichten zu erzählen. Solche Stopps können also zwischen 10 Minuten und einem Tag dauern, da man mit nach Hause zum Essen- oder sogar Schlafen eingeladen wird. Genau wegen solchen Aufeinandertreffen lieben wir unseren Trip, können die Tage aber auch nicht genauestens durchplanen.

Ein viel sinnloserer Zeitkiller ist WLAN. Unsere Reise hat sich sehr verändert, seit wir nicht mehr in der EU sind und ständig Internet haben. Wir haben uns auch bewusst dazu entschieden keine Simkarten in den jeweiligen Ländern zu kaufen um dieser ständigen Erreichbarkeit etwas zu entfliehen. Trotzdem ist in einem Cafe mit WLAN dann erstmal Funkstille, da jeder seine ganzen Whatsapps, Facebook und Instagram checkt. Es ist schon etwas krank, aber manchmal freut man sich richtig darauf mal wieder im World Wide Web sinnlos umherzusurfen. Aber trotzdem muss es sein, denn sonst könnte man solche Posts und Bilder nicht veröffentlichen. Außerdem möchte man ja auch schnell Zuhause Bescheid geben, dass man noch lebt. Oft wird auch die Route nochmals umgeplant, da man noch Spots findet an denen man vorbeifahren möchte oder eine Alternativroute geplant wo man weniger Höhenmeter vor sich hat. Aber das ist Mareiles Spezialgebiet.

Dir hat der erste Teil gefallen? Dann klicke hier für Teil 2.

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