###Achtung Spoiler### Sie sind wieder da!

Liebe Landsleute*,

*so wurden wir jedes Mal vom auswärtigen Amt kontaktiert und so werde ich meine Blogeinträge in Zukunft ebenfalls beginnen.

Für die Meisten von euch dürfte das keine Überraschung sein, da wir uns mittlerweile schon wieder ein paar Wochen in der Heimat befinden. Auf Instagram wurde das ja auch alles brav dokumentiert, nur der Blog hinkt mal wieder etwas hinterher. Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch sagen, dass diese Hartzerei hier einen ganz schön auf Trapp hält! Noch schlimmer war es aber diese Story runterzuschreiben, da wir sie mittlerweile schon eine Million Mal erzählt haben. Ich kann deswegen auch nicht mehr einschätzen ob der Text wirklich langweilig ist oder ich diese Geschichte einfach satt gehört bzw. erzählt habe. Naja, ich raffe mich noch ein letztes Mal auf, rotz es irgendwie hin (da kriegt man doch richtig Bock das Teil zu lesen oder?) und kann dann endlich alle Fragenden auf diesen Artikel verweisen!

Wir sind eigentlich auch wieder ganz gut angekommen. Der Travelbart ist ab, bei den langen Haaren rebelliere ich noch. Aber nun zu Afrika und unserem (gescheiterten) Versuch das Ganze dort auszusitzen und die Reise erfolgreich in Namibia zu beenden. Bei unserem letzten Post waren wir gerade auf dem Weg nach Nairobi. Meine Schwester Caro hatte sich bereits entschlossen einen der Flieger der Rückholaktion zu nehmen und so erhielten wir (meistens) aktuelle Infos vom Auswärtigen Amt. Warum meistens? Nun ja, vieles wurde gar nicht per E-Mail kommuniziert und nur per Telefon weitergegeben, wenn man bei der Embassy Hotline mal durchkam. Abgesehen davon gab es drei verschiedene Listen wo man sich eintragen musste. Da die Server der Liste des Auswärtigen Amts es nicht mehr gepackt haben und komplett überlastet waren, griff SAP dem Vaterland unter die Arme und stellte eine neue Liste zur Verfügung. Aber auch diese schien von irgendwelchen dualen Studenten programmiert worden zu sein und lief nur so lala. Zuletzt stellte uns Condor on top auch noch eine eigene Liste zur Verfügung, wo wir uns doch bitte eintragen sollen. Über welche Liste wir letztendlich einen Flug bekommen haben ist nicht ganz klar. Ich will hier auch nicht, typisch deutsch, an dieser besonderen Situation herummeckern, jedoch war es auch für uns eine sehr verzwickte Lage. Neben den täglichen Hiobsbotschaften erreichten uns außerdem etliche Nachrichten und Anrufe von Freunden und Familie, dass wir doch bitte endlich nach Hause kommen.

Letztendlich hatten wir also keine Ahnung was wir machen sollen bzw. wohin wir überhaupt gehen sollen. Aktuell ging ja kein Flug, die Grenzen und Läden machten dicht und wir benötigten einen bezahlbaren Ort an dem wir eine Weile verharren können um die Situation zu beobachten. Von Nairobi rieten uns alle ab, da es dort schon bald richtig eskalieren könnte. Zum Glück fanden wir einen sehr netten Australier, der vor ein paar Jahren eine kleine Lodge renoviert hat. Er bat uns an umsonst zu wohnen, solange wir in seinem Restaurant aßen. So konnte er seine Mitarbeiter, nach wie vor, bezahlen und beschäftigen und musste sie nicht in die Arbeitslosigkeit schicken. Jetzt hatten wir wenigstens eine Base mit gutem WLAN. Caro versuchte herauszufinden wie sie nach Deutschland kommt, Mareile und ich haben sämtliche Workaways und soziale Projekte kontaktiert um ein paar Monate sinnvoll in Kenia zu überbrücken. Leider ohne Erfolg. Bereits damals war es allen schon zu heiß neue Leute in die engeren Kreise aufzunehmen. Die Angst war zu groß, dass wir die Kinder, Dorfbewohner, Mitarbeiter etc. anstecken könnten.

Auch Caro hörte lange nichts, bis eines Dienstagmorgens eine E-Mail ins Postfach flatterte: Zu hoher Wahrscheinlichkeit wird ein Flieger am nächsten Tag Kenia verlassen. Wir waren noch über 300 km von Nairobi entfernt und es war gleich klar, dass es etwas eng wird diese Strecke an einem Tag zu radeln (die zwei Mädels hätten es locker gepackt, ich habe aber geschwächelt). Also trampten wir eine halbe Ewigkeit ehe wir es schafften einen Bus anzuhalten. Wir haben ja schon einige Male getrampt und es war immer super easy aber mit der Zuspitzung von Corona nahmen die Menschen Abstand von uns, da wir Europäer als Überbringer des Virus galten. Trotzdem hatten wir die beste Busfahrt auf unserem Trip bisher, da auch in Kenia strenge Corona Abstandsregelungen erlassen wurden. Abstand und Angst bedeutete mehr Platz für uns! Wir waren überglücklich, dass wir es bei Zeit nach Nairobi schaffen werden und bereits am nächsten Tag in einem Flieger nach Deutschland sitzen werden.

Pustekuchen! Die Stimmung war gleich wieder im Keller als wir endlich eine Dame der Botschaft erreichten: Der Flug wird am Mittwoch nicht gehen, eventuell am Donnerstag oder Freitag, dann aber sicher von Mombasa. Mombasa?! Vielleicht war es unser Fehler anzunehmen, dass ein Flug von der Hauptstadt Nairobi gehen wird, aber von Mombasa war wiederum auch nie die Rede. Dort waren jedenfalls die meisten der 1000 zurückgebliebenen deutschen und deswegen würde auch von dort der Flieger gehen. Mombasa, die Touristadt an der Küste. Nochmals 500 weitere Kilometer für uns. Jiha!

Der Stress ging also weiter. Noch eine Busfahrt wo man zuerst alle Räder halb auseinander bauen musste, dass man sie irgendwie verstaut kriegt und Stunden (wirklich!) über die Preise streitet was nun die Mitnahme der Räder extra kosten soll. All das nachdem man in der Nacht in Nairobi ankam (never again!) und erstmal noch ein Hotel mit zwei Frauen und 3 Rädern finden musste. Aber natürlich haben wir es dann auch nach Mombasa geschafft. Der Flug ging trotzdem nicht. Aber he hey, think positive (versucht Mareile zumindest immer dem negativen Schwaben beizubringen): Wir sind endlich am Meer! Oder auch nicht, der Strand ist nämlich auch bereits, dank Corona, geschlossen.

Immerhin haben wir nach ein paar Nächten in Mombasa das letzte offene Hostel und somit auch ein paar andere Traveler gefunden. Am Pool und der Bar lies es sich also erstmal ganz gut leben, während in Deutschland die Leute leicht durchgedreht sind. Es vergingen die Tage und man wusste einfach nicht wie oder wann es weitergeht. Von Mareile und mir war Zeit aber leider der größte Gegner, da wir ja immer noch weiterfahren wollten. Afrika war ja generell etwas hinter Europa mit dem Virus, aber dann kamen auch in Kenia immer mehr Maßnahmen: Der Flugverkehr wurde eingestellt und ab 19 Uhr gab es jeden Abend einen Lockdown. Die Leute wurden also in den ersten Tagen wortwörtlich in ihre Häuser geprügelt. Auch das Verhalten der Locals gegenüber uns wurde nicht besser. Auf dem Weg zum Einkauf wurde ich aus einem Minibus mit Desinfektionsmittel angespritzt. Außerdem wurden alle Grenzen rund um Kenia geschlossen.

Es war also auch zu spät um weiterzuradeln, um doch noch möglichst schnell nach Namibia zu kommen. Der Gedanke auf der Garbade Farm Onduno den Lockdown zu verbringen war eigentlich viel attraktiver als in Deutschland eingesperrt in einer kleinen Wohnung zu sein. Da aber Namibia die Grenzen ebenfalls geschlossen hatte, konnten wir, bzw. ich ohne namibischen Pass, gar nicht mehr ins Land einreisen. Also selbst ein Flug von Kenia nach Namibia war nicht mehr möglich. Sollten wir es also doch mit dem Rad bzw. Trampen versuchen und uns doch an den Grenzen vorbei mogeln? In Afrika sind die Regeln ja nicht immer schwarz-weiß… doch wie reagieren die Menschen auf uns wenn das Virus richtig ausbricht? Was machen wir, wenn wir an einer der drei letzten Grenzen scheitern? Was passiert wenn die anderen Traveller vom Hostel weg sind? Wie lange gibt es keine Flüge mehr? Was ist wenn einer von uns stürzt und die Krankenhäuser überfüllt sind? All diese Fragen trieben uns immer mehr zu dem Entschluss, dass ein Rückflug, leider Gottes, das Sinnvollste ist. Vor 2 Monaten wusste man ja noch viel weniger als wir es heute tun. Und selbst jetzt ist es noch fragwürdig wann eine solche Weiterreise möglich wäre.

Trotzdem wollten wir einfach nicht aufgeben und konnten uns auch nicht für eine Heimreise direkt entscheiden. Also ließen wir die BRD entscheiden. Gibt es einen Rückholflug für uns UND unsere Räder (Das konnte uns keiner bestätigen – zumal andere Radreisende ihre Räder im Abflugland hinterlassen mussten), dann fliegen wir back home. Wie diese Geschichte ausgeht wisst ihr ja mittlerweile alle, aber wir bibberten weiter bis hin zur Abgabe unseres Gepäcks am Flughafen:

  • Zuerst bekam nur Caro ein Ticket (wahrscheinlich, weil wir uns gar nicht mehr auf allen drei Listen registrieren konnten), nach etlichen Anrufen und Gesprächen konnten wir aber doch noch nachrücken.
  • dann wurde ich im Taxi mit den drei Fahrradkartons 500m vor dem Flughafen von der Polizei angehalten (Bestechungsversuch Numero uno), da das Auto nicht geeignet sei um drei Boxen zu transportieren (?!). Es handelte sich um einen normalen Transportwagen wo die hinteren Sitze umgeklappt waren. Die Mädels nahmen ein extra Taxi. Wir sollten aber nun zur Polizeistation fahren und dort umladen. Das war zeitlich alels unmöglich und das wusste die freundliche schnepfen Beamtin. Irgendwann ließen sie uns gehen, der Taxifahrer meinte aber, dass sie auf Swahili geklärt hätten, dass er sie beim Zurückfahren schmiert. Ob der Taxifahrer mit der Polizei unter einer Decke steckte…? Wir gaben ihm ein Trink- bzw. Schmiergeld für später.
  • Da der Flugverkehr in Kenia komplett gesperrt war, war der Flughafen auch geschlossen. Man durfte erst rein, nachdem ein deutscher Soldat den Namen von einer Liste vorgelesen hat. Puuuh, wir bekamen einen Zettel für den Recall (und das ganz ohne Bestechung)!
  • Beim zweiten Bestechungsversuch drohte der Security Scannertyp alle drei Kartons zu öffnen. Er flüsterte mir hinter seinem Mundschutz zu, dass ich ihm 100 USD dafür geben soll. Als ich es laut wiederholte, warum er denn nun 100 USD von mir wollte, winkten sie uns durch.
  • Zu guter Letzt, versuchte es der Herr am Check in auch noch. Ein Karton hatte 3 kg Übergewicht, die anderen zwei Räder lagen unter dem Limit. Wieder wurden die magischen 100 US Schmierungs-Dollar veranschlagt. Ich bin schon gar nicht mehr mit zum Schalter – die Nerven lagen blank. Aber die Mädels haben sich schön aus der Situation herausgeflirtet und sind dann einfach weggelaufen. Der gute Mann war so durch den Wind, dass er sein Schmiergeld komplett vergessen hatte.

Aber egal, wir haben es natürlich wieder geschafft. „Siehst du, es klappt doch immer alles irgendwie“, sagt Mareile jedes Mal. ABER MEINE NERVEN!!!! Es wird zwar immer besser, aber manchmal wünschte ich mir, ich hätte etwas mehr von dem afrikanischen „komm i heut net, komm i morga“.

Haben mittlerweile sogar ein Zimmerchen in einer WG gefunden und sind jetzt auf Jobsuche. Wir planen also erstmal nicht die Reise zu beenden. Das wäre zum einen etwas witzlos (in der Weltgeschichte umherfliegen, wenn man eigentlich ökofreundlich radeln möchte) und zum anderen wissen wir ja immer noch nicht wann dies überhaupt möglich wäre. Wir halten euch aber auf dem Laufenden!

PS: Für alle Schwaben die jetzt denken „ha so ein Flug umsonschd, hat doch au ebbes!“ Nix da! 800 EUR haben wir pro Person geblecht. Normalerweise kostet ein Flug zwischen 300 und 400 EUR…

PPS: Eine ordentliche Welcome Back Party wird auf jeden Fall nachgeholt!

PPPS: …und eine besser geschriebene Story kommt das nächste mal auch, tschuldi!

Kinderbuchempfehlung über Namibia ‚Feuerfreundschaft‘

Nach unserem Interview im Schwäbischen Tagblatt wurde Carmen Strölin aus Stuttgart auf uns und unser Vorhaben aufmerksam. Sie war 2017 mit ihrer Familie in Namibia und war vor der Reise auf der Suche nach geeigneter Literatur über das Land für ihre Kinder. Da sie hier nicht fündig wurde, entschied sie schnurstracks ein Buch selbst zu schreiben (Buchbeschreibung siehe unten).

Geld für sich verdienen möchte sie aber nicht und so entschied sich Carmen Strölin den Gewinn an den Pro Namibian Children e.V. zu spenden. Eine bockstarke Aktion, wir freuen uns riesig!

Das Buch kann entweder direkt über uns bestellt werden (Mail an: blogomotivetravel@gmail.com), über Namibia Favorites oder bei Amazon. Natürlich ist es besser bei uns per Mail zu bestellen, da der meiste Gewinn ansonsten an Amazon geht und nicht an die Kinder vom Waisenhaus. Bei der Bestellung im Kommentarfeld ‚Biking Baboons‘ erwähnen, sodass wir tracken können ob Bücher durch unseren Blog verkauft werden.

Aber von was handelt das Buch genau?

Im Mittelpunkt des Buchs steht die abenteuerliche Reise des dunkelhäutigen Mädchens Naomi durch ihr Heimatland Namibia. Sie hat die wichtige Aufgabe, ein Amulett von einem Ort zum anderen zu bringen, um auf diese Weise ihrer Familie zu helfen. Begleitet wird Naomi von Lara, einem weißen Touristenmädchen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg. Dabei lernen sie sich selbst und die Kulturen, von denen sie abstammen, immer besser kennen. Doch ihre Freundschaft muss so manches Abenteuer überstehen……

Die spannende Geschichte wird durch Interessantes und Wissenswertes zu Namibias Menschen, wilden Tieren und Kulturen ergänzt.

Buchdaten:

Preis: EUR 10
Paperback Taschenbuch, 156 Seiten, ISBN-13: 9783748149477
Verlag: Books on Demand, Erscheinungsdatum: 25.10.2018, 1.Auflage
Sprache: Deutsch, Umschlag farbig, Innenteil eine farbige Illustration, Text und weitere Illustrationen schwarz-weiß
empfohlenes Alter: 9 – 13 Jahre
Größe: 12,1 x 1,5 x 19,3 cm