Unsere ersten (fast) 1000 km!

14:47 Uhr 27.06.19 797 km

20 km hinter Cortina, Italien

Es ist eine der heißesten Wochen, die es gefühlt wohl jemals gab in Europa. Wir machen unsere tägliche lange Mittagpause, die eigentlich, aufgrund der Temperaturen, erst für Afrika geplant war. Aber zwischen 13 und 17 Uhr hält man es gerade wirklich nicht auf der Straße aus. Wir haben ein schönes Schattenplätzchen an einem Wald mit Bach gefunden, es gibt also genug Holz um ein kleines Feuer zu machen um Nudeln zu kochen. Was will man(n) mehr?!

Es ist unglaublich aber wir sind tatsächlich schon seit über 3 Wochen unterwegs und mittlerweile schon in Land numero 3: Italia. Für mich fängt es trotzdem erst jetzt an sich wie das Ausland anzufühlen, da bisher überall noch deutsch geplappert wurde und es nicht so richtig wie fremde Länder angefühlt hat. Meine Deutschlandflagge hinten am Rad macht den Ansturm von Gleichsprachlern auch nicht besser: „Sind Se auch deutscher?!“

Aber wenn wir gerade schon dabei sind: Es ist wirklich faszinierend wie wir auf andere Menschen wirken mit unseren vollbepackten Rädern. So viele Leute kommen auf uns zu und möchten wissen wo es hingeht und von woher man kommt. Wie man so eine Reise plant und wie das nun mit dem Job funktioniert. Da kann ein kurzer Halt bei einem Brunnen, um die Wasserflaschen aufzufüllen, schnell zu einem halbstündigen Interview mit den verschiedensten Menschen entwicklen. So muss sich wohl ein Filmstar fühlen. Richtige VIPs!

Die meist gefragteste Frage ist wahrscheinlich wie wir das denn mit dem Aufladen des Elektromotors machen… „Elektromotor…? Ach das, ne ne, das ist unser Pinion Getriebe das uns wartungsfrei bis nach Namibia begleiten wird!“ Die ersten knappen 800 km hält es auch, was es verspricht, genau wie der Rest des Rose Rades. Vielen Dank nochmal an Rose und Pinion für das Sponsoring, wir sind immer noch überglücklich!

Für mich war von Anfang an klar, dass Deutschland, Österreich und die restlichen westeuropäischen Länder relativ unspektakulär werden. Fehlanzeige! Doch bevor wir zu den ganzen Storys kommen, rudern wir mal etwas zurück zu unserem aller ersten Radtag in Richtung Namibia.

Wer uns kennt, weiß, dass es mit der Pünktlichkeit immer nicht so ganz klappt. So ging es uns auch an unserem Abreisetag: Montag 04.06.2019. Da wir am Samstag unsere Abschiedsparty hatten (bei der wir übrigens 317 EUR für die Kiddies von Pro Namibian Children eingesammelt haben – vielen Dank nochmals an alle Freunde und Verwandte!), ging am Sonntag danach nicht so viel – es war Kater- statt Packstimmung angesagt. Aber wir sagten uns, dass das alles nicht so schlimm ist, wir hatten schließlich noch den ganzen Montag, da wir, aus gutem Grund und Selbstkenntnis, keine konkrete Abfahrtszeit festgelegt haben. Natürlich dauerte es dann doch nochmal den kompletten Montag mit der Packerei von unserem Equipment (Probepacken, was ist das denn?) und Verstauerei von unserem übrigen Krempel den wir bei Oma lagern.

GENAU in dem Moment als die Bikes komplett beladen waren (Ca. 17 Uhr) fing es an zu regnen. „Das ist jetzt nicht dein ernst da oben oder?!“ Letztendlich warteten wir noch eine halbe Stunde und mein Vater kam auch schon wieder von der Arbeit. Von ihm hatten wir uns eigentlich auch schon verabschiedet und er hatte uns spaßeshalber Mittags noch geschrieben ob er etwas länger bei der Arbeit bleiben muss bis wir das Chaos der letzten 4 Wochen beseitigt hatten. Hätte er mal machen sollen… „surprise surprise, wir sind noch daaaaaaa!“

Aber dann ging es letztendloch doch noch los! 17:30 Uhr, Namibia wir kommen! Meine kleine Schwester Emma und mein Papa begleiteten uns noch ein Stück, machten ein paar Bilder beim Ortsschild und dann fuhren wir in die große weite Welt hinaus… bis Rottenburg (Nächste Stadt von Wendelsheim und 5 km entfernt)! Dort gab es dann auch noch etwas zu erledigen das wir in den 4 Wochen nicht geschafft haben oder vielleicht auch etwas vor uns hergeschoben haben: Opas Grab besuchen.

Für die, die es nicht wissen: Wir waren 8 Monate backpacken in Südamerika vor unserer Radreise und mein Opa starb solange wir on the road waren. Wir verabschiedeten uns zwar damals schon, wohlwissend, dass man sich nicht mehr sehen wird und hatten auch eine wunderschöne Trauerfeier mit großem Feuer direkt am Strand in Kolumbien. Trotzdem war der Besuch beim Grab wirklich nicht einfach. Ich bin mir aber sicher, dass Opa auf uns aufpasst. Wir haben ihm auch einen ‚Biking Baboons’ Sticker am Grab gelassen, den Oma jetzt sogar aufs Kreuz geklebt hat (das habe ich mich nicht getraut).

Danach waren wir quasi eh schon fast bei dem Grundstück von meinem Patenonkel und sind dort noch ‚schnell’ vorbei um sein riesiges Indianer Tippi zu bestaunen. Und dann wurde es auch schon wieder dunkel. Um 22:30 Uhr sind wir dann als Überraschung nochmal zu meiner Mommy gefahren und müssen zugeben, dass wir auch dort genächtigt haben. Nix wars mit Zelten. Was für ein anstrengender erster Tag! Nach 2 Colaweizen fielen wir dann völlig kaputt um 12 Uhr ins Stockbett. By the way war es auch noch der Welt Fahrradtag, das wussten wir natürlich von Anfang an und hatten es über Monate hinweg geplant… nicht.

Jetzt bin ich mal wieder etwas abgeschweift und das schon an Tag 1, wie soll das nur weitergehen?! Dann lasst mich vorerst ein paar Tage überspringen, die alles andere als langweilig waren, und direkt zu unserem ersten großen Meilenstein springen: Alpen- und Dolomitenüberquerung. WIR HABENS GESCHAFFT, BIIIIITCHES!

Schon bei der Planung der Reise hatten wir 2 große Sorgen: Unsere Popöchen und die Alpen. Nach 3 Wochen kann ich sagen, dass wir mit beidem wirklich sehr gut klarkommen! Zuerst aber zu den Alpen: Wir sind den Brennerpass gefahren und ich will nicht sagen, dass es ein Kinderspiel war, aber ich habe es mir persönlich schlimmer vorgestellt. Wir haben es auch ganz gut getimed, da uns mein Vater 3 Tage am Fuße des Brenners in Matrei besucht hat. So hatten wir nicht nur 3 Tage Pause, sondern konnten auch alles Unnötige, was wir zu viel dabeihatten, mit ihm nach Hause schicken. Klickschuhe und Mokkakocher good bye! Jetzt kann Mareile nicht mehr so einfach mitsamt dem Fahrrad umkippen. Blaue Flecken auf nimmer Wiedersehen! Undnein, mein Dad hat uns nicht hochgefahren, das sind wir alles selbst gestrampelt!

Außerdem muss man sagen, dass das Stück direkt nach Innsbruck bis zum Brenner eigentlich fast schlimmer war, da es wirklich super steil den Berg hochging. Den Brenner selbst waren wir in 1,5 Stunden oben, eine nicht so tolle Strecke direkt an der Straße. Wir hatten aber auch wirklich Glück, da es der letzte kühlere Tag war vor der vorher erwähnten Jahrhunderthitze. Sobald man oben und über der Grenze war, war es der Hammer. Hut ab an die Italiener vor ihren Radwegen (Update: zumindest in Südtirol)! Danach ging es auch erstmal eine halbe Ewigkeit den Berg hinab, wo wir auch endlich wieder ein paar der E-Bike Fahrer überholen konnten überhalb der 25 km/h Motor Unterstützung. Es ist ja wirklich toll, dass die Leute, dank E-Bikes, wieder mehr zum Radfahren und an die frische Luft kommen, aber trotzdem haben wir einen kleinen Hass gegen sie entwickelt wenn sie fröhlich und pfeifend im größten Gang an uns den Berg hochschlendern. Im besten Fall feuern sie einen dann noch an mit einem „Allez, auf geht’s!“.

Zurück zu den Bergen: dann kamen ‚nur’ noch die Dolomiten. Viele fragen sich jetzt „Warum denn noch die Dolomiten? Man könnte doch über Bozen fahren und könnte es quasi nur noch rollen lassen?“ Ganz einfache Antwort: Mareile hat sich die schönere- aber auch viel schwierigere Route ausgesucht. Bequem am PC zu Hause ist das immer so einfach, sich das größere Übel auszusuchen. Das kennt jeder wenn man mal wieder den 50 EUR günstigeren-, aber dafür 7h längeren, Flug auswählt. Anstatt wie beim Flug Geld zu sparen, wurden wir dann aber mit unglaublichen Berglandschaften belohnt. Solche Aussichten haben wir beide seltenst gesehen und würden die Route jedem ans Herz legen. Der Radweg ist meistens auch gut ausgeschildert (und das von München bis Venedig).

Oben angekommen, dachten wir dann aber wieder, dass es so schlimm eigentlich gar nicht war. Es ging halt ETLICHE Kilometer bergauf, dafür aber nicht sehr steil. Und nochmals war die Fahrt nach unten ein Highlight und wir sind sogar auf der Straße gefahren, da es schon relativ spät war und man es auf dem Schotter Radweg nicht so richtig laufen lassen konnte. Unten in Cortina angekommen belohnten wir uns dann mit Vino Blanco, 2 Pizzen und einer Dusche auf dem Campingplatz.

Erst am nächsten Morgen haben wir bemerkt wie zerstört unsere Körper sind und, dass die letzten Tage doch etwas anstrengend waren. Wir haben uns den ganzen Tag kaum bewegt, bzw. kaum bewegen können und mussten noch um einen weiteren Tag am Campingplatz verlängern. Aber es waren auch fast 4000 Höhenmeter und das alles untrainiert. Schließlich ist das Mareiles erstes Fahrrad…

An all die rennradelnden Grammzähler die sich jetzt ins Fäustchen lachen über die paar Bergkilometer: Wir tauschen gerne mal unsere 50kg Panzer (ohne Essen und Trinken) für einen Tag und dann reden wir nochmal 😉

Update 30.06.2019: Mittlerweile sind wir jetzt übrigens schon bei 939 km und nur noch 30 km vor Venedig! Wir haben uns nochmal ein Bed & Breakfast in Treviso gegönnt um:

1. Den Blog fertig zu schreiben und hochzuladen und
2. Eine waschechte italienische Stadt zu sehen, ohne die 3 Milliarden Touris in Venedig. Und wir lieben es! Unbedingt hingehen! Für meine lieben Schwabenfreunde: Pizza Margherita: 5,50 EUR direkt auf dem Marktplatz!

Biking Baboons Interview bei Stadtkind Stuttgart

Ihr kennt Stadtkind Stuttgart noch nicht? Dann wird’s aber höchste Eisenbahn!

„Von 0711 bis fünf Uhr morgens, von Musik und Kunst bis hin zu Mode: Stadtkind Stuttgart ist deine digitale Homebase für spannende Geschichten aus der Stadt. Wir stellen euch coole Köpfe aus dem Kessel vor, entdecken neue Bars und Kneipen, zeigen die schönsten Ecken Stuttgarts.“

Zwei besonders coole Köpfe aus- und mit dem Kessel wurden von Ina Schäfer interviewt. Wer das wirklich gut geschriebene-, mit vielen Bildern gestaltete Interview noch nicht gelesen hat, kann das hier tun.

Wir sind im Radio, Biking Baboons on air!

Bei Hitradio Antenne 1 läuft heute (12.03.19) zwei Mal (12 und 16 Uhr) unser Kurzinterview zu unserem Trip. Auch die Online Redaktion hat einen Artikel über uns verfasst. Wenn du ihn lesen möchtest, klicke hier.

Wenn du die 2 Interviews (nochmals) anhören willst findest du sie auf unserem YouTube Channel hier:

Biking Baboons – Interview Hitradio Antenne 1 – part 1
Biking Baboons – Interview Hitradio Antenne 1 – part 2