Hurra, Hurra, das Schwesterherz ist da!

Hoppla, da verging wohl etwas Zeit ohne, dass Marius einen Blogbeitrag verfasst hat. Entschuldigen werde ich mich aber nicht, da es dem Einen oder Anderen sicher aufgefallen ist, dass die Posts auf Instagram und Facebook dafür länger und detaillierter geworden sind. Habe also den heißesten und neuesten Scheiß immer sofort veröffentlicht! So habt ihr nichts verpasst. Außerdem schulden wir ja auch niemandem etwas! Naja außer Lucas Mom, Beate, die uns mit dem geilsten Chilly Salz der Welt täglich versorgt. Ich pimpe jede Mahlzeit damit und es wertet jedes Essen mit mindestens einem Stern auf. Für die Mädels ist es noch etwas scharf, aber sie lieben den Geschmack auch, machen aber jedes Mal zu viel davon drauf und verbrennen sich ihre Göschle. Vielen vielen Dank nochmals liebe Beate, ein paar Hundefotos schicke ich dir, wie vereinbart, bald! 😉

Aber wenn wir schon dabei sind, müssen wir uns natürlich auch bei allen anderen bedanken die uns schon ein, zwei oder fünf Bier gespendet haben. Vielen Dank ihr wunderschönen Menschen, ihr haltet uns auf Kurs! Wer keine Ahnung hat von was ich spreche, sollte schleunigst hier klicken um uns ebenfalls ein Bierchen zu zahlen. Noch viel wichtiger als uns mit Alk zu versorgen (Wir sind gerade im Sudan wo Alkohol sowieso illegal ist), ist es die Kiddies von Pro Namibian Children zu supporten. Wir haben bereits, ebenfalls dank euch, 3.000 EUR an Spendengelder gesammelt. Da wir aber pro geradelten Kilometer gerne 1 EUR sammeln möchten (und bereits fast 6.000 km gefahren sind) sind wir ‚etwas’ hinter unser Ziel geraten. Also los: Spenden, spenden, spenden! In der Vorweihnachtszeit hat doch schließlich sowieso jeder ein offenes Herz und lockeres Portemonnaie 😉

Wer nun kein Instagram oder Facebook hat, was erklärt warum er sich mein Geschwafel hier durchliest, bekommt hier ein schnelles Update zu unserem Trip: Wir sind mittlerweile fast 6.000 km geradelt und waren bereits in 14 Ländern. Aktuell sind wir im Sudan und LIEBEN es. Zum einen liegt es sicher daran, dass wir in Ägypten eine ziemliche scheiß Zeit hatten (dazu später vielleicht mehr), zum anderen sind die Menschen hier aber auch wirklich unheimlich freundlich und welcoming. Man muss hier außerdem nicht bei 500% des eigentlichen Preises anfangen zu verhandeln, sondern kriegt meistens sofort den ehrlichen und fairen Preis. Oft kommt man beim Früchtekauf (ja Mama, wir ernähren uns ganz gesund!) ins Gespräch und die Leute wollen dann unser Geld gar nicht mehr annehmen. Außerdem wird man auch nicht von den Verkäufern gejagt und zu Tode belabert, was in den anderen Ländern unheimlich genervt hat. Am schlimmsten ist es wenn die Verkäufer einen bereits auf deutsch ansprechen. Auch das war in Ägypten SEHR anstrengend. Wenn einen die Kutscher, mit ihren abgemagerten Pferden, einem eine Kutschfahrt anschwatzen wollen, wir aber sowieso auf unseren Rädern sind und das einfach nicht möglich ist, kann man schon auch mal den Glauben an die Menschheit verlieren. Vor allem, weil sie nicht lockerlassen und so oft nachhaken bis man sie anschreien muss „NEIN, ICH WILL NIRGENDS HIN MIT DEINEM GAUL. ICH HABE MEINEN EIGENEN DRAHTESEL!!!“

Wir haben jetzt auch unseren Baby Baboon, Caro dabei. Falls sich hier einer außerhalb des Freundes- und Familienkreises verirrt hat: Caro ist meine 2 Jahre jüngere Schwester. Sie ist ne ziemlich coole Socke, da sie noch nie irgendwo backpacken war und sich jetzt dachte „ach dann radel ich halt mal durch Afrika“. Hut ab! Sie ist gerade mit dem Studium fertig und auch sie dachte sich „wenn nicht jetzt, wann dann?!“. Sie schlägt sich auch wirklich sehr gut! Nicht nur was die gefahrenen Kilometer angeht, sondern auch was das Wildcampen und vermeintliche Stresssituationen angeht: Vom Diskutieren mit der ägyptischen Polizei bis hin zum Verhandeln am Obststand nach 80 geradelten Kilometern. In den ersten Tagen gab es bei meinen zwei Mädels ein paar Zickereien, das haben wir aber alles überwunden und gemeistert. Mittlerweile sind wir schon seit einem Monat als Team unterwegs und wachsen von Tag zu Tag immer enger zusammen. Es läuft also!

Ansonsten läuft eigentlich auch alles. Ah, ne da war noch etwas… Mareiles Freilauf hat den Geist aufgegeben. Ein DHL Express Paket ist gerade auf dem Weg (Vielen vielen Dank Rose für die tolle Unterstützung und Zusammenarbeit) in die Hauptsadt vom Sudan: Khartoum. Es liegt jedoch schon seit 3 Tagen in Bahrain (bei Saudi-Arabien) herum. Ist jetzt nicht gerade der direkte Weg von Deutschland nach Sudan, aber wir müssen mit der Notreparatur auch noch 500 km bis zur Hauptstadt fahren, Inshallah (Wenn Gott es so will)! Dort wird es zu einem US-Botschafter geschickt, den wir über unseren Warmshower Host Andy aus Cairo kennengelernt haben. Bitte betet für uns, dass Elfie (Mareiles Rad) das alles noch packt!

‚Inshallah’ und ein Aufruf zum Beten… heieiei! Ich wurde schon angesteckt von den ganzen Gläubigen hier. Der Sudan ist das am strengsten muslimisch geprägte Land durch das wir fahren werden. Danach geht es wieder zurück ins Christentum. Vorallem die Mädels freuen sich auf eine neue Religion. Sie können dann nicht nur wieder T-Shirts und kurze Hosen tragen, sondern werden hoffentlich auch wieder bei Gesprächen angeschaut. Sagen wir mal ganz vorsichtig: Wir sind mit der Rolle der Frau im Islam nicht so ganz d’accord. Und wenn Mareile einen Mann etwas fragt, der bei der Antwort aber nur mich anschaut und mit mir spricht, kann das sie schon mal auf die Palme treiben… auch verständlich…

Schon irgendwie witzig, wie uns die Religion auf der Reise begleitet:

Vom Christentum, zu den Orthodoxen Christen (Griechenland) zum Islam (Albanien und Türkei) durch das gelobte Land (Israel) und wieder zurück zum Islam (Jordanien, Ägypten, Sudan). Und natürlich sind alle sehr überzeugt von ihrer eigenen Religion. Was die anderen glauben und denken ist ja Humbuck! Der größte Religionsclash fand in Jerusalem statt. Wir waren während einem der höchsten jüdischen Feiertage (Sukkot) dort. Natürlich war die Stadt voll mit Juden. Auch die ganz streng gläubigen Orthodoxen, mit Löckchen und Hüten, waren da. Für sie etwas ganz Besonderes, da sie fast ausschließlich nur an den hohen Feiertagen reisen dürfen. Natürlich waren auch viele Christen und Muslime dort. Eine sehr verrückte Erfahrung. Es verlief alles friedlich, jedoch war trotzdem eine gewisse Spannung in der Luft. Ein ganz mulmiges Gefühl bekamen wir als wir Jesus Kreuzmarsch mit Mönchen und vielen anderen Touristen gegangen sind: Die Straßen sind sehr eng und wir hielten immer wieder an wo die Mönche ein paar Dinge erzählten (der einzige schwarze Mönch trug den Ghettoblaster, äh Lautsprecher, was ich als sehr funny fand). Als sich ein sehr großer Moslem mit seiner Entourage durch die Menge schob und dabei „Allahu Akbar!“ (Gott ist der größte) schrie, knisterte es in der Luft. Eine falsche Reaktion von einem der Christen und die Situation wäre sicher gekippt. Zum Glück blieben alle Pilger ganz cool und liesen ihren Gefühlen erst freien Lauf als sie das Grab von Jesu sahen und komplett durchdrehten (Ich weiß, dass es nicht das Grab von Jesus ist, jedoch sah es aus wie ein Sarg. Mein Internet ist hier leider viel zu schlecht es zu googlen…richtige fake news verbreite ich hier): Sie brachten Tütenweise Rosenkränze, Kerzen, Bibeln… um diese zu segnen. Manche verharrten über 20 Minuten auf dem ‚Grab’ und es gab immer wieder Zankereien, dass andere nun auch mal dran sind. Ein wirklich kurioses Schauspiel.

Oops, da bin ich kurz etwas abgeschweift, aber die Gedanken dazu schossen mir schon lange im Kopf herum. Ansonsten geht es uns aber wirklich gut. Wir radeln seit einer Weile mit einem Pärchen aus England, die gerade auf ihrem Honeymoon auf der gleichen Route sind. Die beiden sind eigentlich viel schneller als wir und wir hatten uns auch schon verabschiedet, jedoch stürzte Lucy und hat sich einen tiefen Cut unterhalb der Kniescheibe zugezogen. Alles halb so schlimm, aber jetzt heißt es erstmal Pause für die Beiden und Vorsprung für uns! Beim Radeln sollte man halt einfach keine Fotos schießen, was wir natürlich NIE machen! Mal schauen wann sie uns wieder einholen. Hoffentlich klappt es mit ihnen Weihnachten zusammen zu feiern! Vielleicht hilft uns das um etwas mehr in eine weihnachtliche Stimmung zu kommen, denn in Glühweinlaune sind wir überhaupt nicht. Wird auch schwierig bei 32 Grad in der Wüste. Euch allen trotzdem schöne Feiertage, ich versuche mich wie immer schon bald zu melden, aber ihr wisst ja wie das meistens klappt. Mareiles Eltern sagen aber immer „wenn man nichts von den Kindern hört, weiß man, dass es ihnen gut geht“ und genauso solltet ihr das auch sehen! Bis bald ihr lieben! :*

2 Antworten auf „Hurra, Hurra, das Schwesterherz ist da!“

  1. Klasse ihr drei, nur weiter so.
    Ich habe noch eine Bitte: ich will einen Wadenvergleich von euch gepostet. Als Beweis, dass ihr wirklich radelt und euch nicht von Eseln ziehen lasst.
    Passt auf euch auf und denkt daran: don’t eat yellow snow.

    In diesem Sinne,

    Frohe Weihnachten,

    Euer S. Slovak

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