Fasnet in Äthiopien

Narri Narro, jetzt isch soweit, in Äthiopien isch koi Narre Zeit. Wahrscheinlich wird dieser Beitrag der am wenigsten gelesene, da alle Rottenburger Leser entweder total zerstört noch im Bett liegen oder schon wieder „uff dr Gass“ sind. Für die Leser die nur ‚Bahnhof’ in den letzten zwei Sätzen verstanden haben: Meine Heimatstadt Rottenburg ist eine schwäbisch-alemannische Fasnets (=Fastnacht/Fasching) Hochburg und dort steppt jedes Jahr in der fünften Jahreszeit der Bär.

Es ist bereits meine zweite Fasnet die ich verpasse und während dieser Zeit ist das Heimweh wohl am allergrößten. Irgendwie verrückt: Früher lag man zu dieser Uhrzeit komatös im Hexenwagen, heute liest man sich über irgendwelche ETFs und Aktienfonds ein. Macht Reisen etwas alt und spießig? Egal, ich bin mir ganz sicher, dass der eine oder andere eine Halbe für mich mit zischt und meine Räucherhexen ihren Besen schwingen werden. Hoffentlich dann nächstes Jahr wieder, iatz isch halt so!

Aber nun weg von Rottenburg und ab nach Äthiopien bzw. zuerst Südafrika. Wir haben unsere Radreise für zwei Wochen unterbrochen, da eine sehr gute Freundin von Mareile in Kapstadt geheiratet hat. Als Bridesmaid durfte sie da natürlich nicht fehlen. Also verbrachten wir die letzten 14 Tage in Südafrika, solange Caro auf die Räder in Äthiopien aufgepasst hat. Wir hatten eine unglaublich schöne Zeit in der Zivilisation: warme Dusche, ein weiches Bett und eine große Küche mit vollem Kühlschrank. Hört sich für euch nach Standard an, war für uns aber der reinste Luxus und wir haben jede Sekunde davon genossen. Zuerst mussten wir natürlich erstmal shoppen gehen, damit wir nicht zu arg in der Zivilisation auffallen: Ich bekam 3 Paar Unterhosen, ein T-Shirt und eine kurze Hose. Und auch Mareile wurde fündig. So sehr wir das einfache Leben on the road lieben, so sehr haben wir auch den Luxus genossen. Meinen Anzug konnte zum Glück eine Freundin aus Deutschland mitbringen, da er aber schon eine Weile bei Oma lag, hatte er ein paar Mottenlöcher, ist aber keinem aufgefallen!

In Deutschland war ich für den Großteil unseres sozialen Lebens verantwortlich. In Südafrika habe ich mich mal so richtig zurückgelehnt und ließ Mareile planen. So konnte sie ihre ganzen Mädels (auch mal gerne ohne mich) sehen und mir die Freunde vorstellen, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe. Neben der Hochzeit war ein besonderes Highlight einige Tage mit den Schwiegereltern zu verbringen (schleim schleim – Das musste ich jetzt so schreiben, Thodo und Anka schauen hier auch ab und zu vorbei. Liebe Grüße ihr zwei!). Die Hochzeit selbst war natürlich wunderschön. Sie fand auf einer riesen großen Farm von Freitag bis Sonntag statt. Auch ohne den Druck alles anschauen zu müssen, weil wir 1. Beide die Stadt kennen und 2. Sicher bald wieder dort sein werden, war sehr entspannend!

Zivilisierte Hochzeits Baboons

Der Abschied fiel uns tatsächlich recht schwer. Gar nicht weil man sich wieder so an den Luxus gewöhnt hat, sondern eher, weil man wusste in welche Sch****e man zurückkehrt. Vor allem weil jetzt die wohl schlimmsten 700 km des Landes uns bevorstehen. Wer unseren Instapost dazu gelesen hat, weiß, dass Äthiopien nicht gerade unser Lieblingsland ist. Und natürlich ging es im Ranzhostel auch gleich weiter wie es aufgehört hat: Kein Strom und Wasser nach einem 24h Flug (der Schwabe hat 12h Aufenthalt in Nairobi gebucht). Am nächsten Tag gab es dann wieder Strom und meistens Wasser, aber das Elend hatte kein Ende: Als ich aufwachte und mir ins Gesicht fasste, konnte ich meine eigene Visage nicht wiedererkennen. Vor allem rund um die Augen und Nase war alles angeschwollen. Mit etwas blauer Farbe wäre ich als Avatar Einsatzbereit für die Fasnet gewesen.

„Halb so schlimm, morgen ist das wieder weg und wir fahren endlich los!“. Tatsächlich war am nächsten morgen auch fast alles abgeschwollen… zumindest bei den Augen. Am zweiten Tag war meine komplette Oberlippe zugeschwollen. Also gut, noch ein weiterer Rest Day im schlimmsten Hostel in dem wir bisher hausten (Es gibt keine Alternative). Bed Bugs habe ich noch keine gefunden aber da muss irgendetwas in meiner Matratze wohnen, dass nachts so nen richtigen Mari Heißhunger kriegt… Aber man soll ja immer positiv denken (zumindest sagt mir Mareile immer so nen Quatsch): Jetzt kann ich hier nochmal ein paar Zeilen für euch Schnapsleichen schreiben und vielleicht geht es morgen dann endlich weiter… Wenn dann nicht die Ohren anschwellen. A Glückseelige wünsch i eich!

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