###Achtung Spoiler### Sie sind wieder da!

Liebe Landsleute*,

*so wurden wir jedes Mal vom auswärtigen Amt kontaktiert und so werde ich meine Blogeinträge in Zukunft ebenfalls beginnen.

Für die Meisten von euch dürfte das keine Überraschung sein, da wir uns mittlerweile schon wieder ein paar Wochen in der Heimat befinden. Auf Instagram wurde das ja auch alles brav dokumentiert, nur der Blog hinkt mal wieder etwas hinterher. Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch sagen, dass diese Hartzerei hier einen ganz schön auf Trapp hält! Noch schlimmer war es aber diese Story runterzuschreiben, da wir sie mittlerweile schon eine Million Mal erzählt haben. Ich kann deswegen auch nicht mehr einschätzen ob der Text wirklich langweilig ist oder ich diese Geschichte einfach satt gehört bzw. erzählt habe. Naja, ich raffe mich noch ein letztes Mal auf, rotz es irgendwie hin (da kriegt man doch richtig Bock das Teil zu lesen oder?) und kann dann endlich alle Fragenden auf diesen Artikel verweisen!

Wir sind eigentlich auch wieder ganz gut angekommen. Der Travelbart ist ab, bei den langen Haaren rebelliere ich noch. Aber nun zu Afrika und unserem (gescheiterten) Versuch das Ganze dort auszusitzen und die Reise erfolgreich in Namibia zu beenden. Bei unserem letzten Post waren wir gerade auf dem Weg nach Nairobi. Meine Schwester Caro hatte sich bereits entschlossen einen der Flieger der Rückholaktion zu nehmen und so erhielten wir (meistens) aktuelle Infos vom Auswärtigen Amt. Warum meistens? Nun ja, vieles wurde gar nicht per E-Mail kommuniziert und nur per Telefon weitergegeben, wenn man bei der Embassy Hotline mal durchkam. Abgesehen davon gab es drei verschiedene Listen wo man sich eintragen musste. Da die Server der Liste des Auswärtigen Amts es nicht mehr gepackt haben und komplett überlastet waren, griff SAP dem Vaterland unter die Arme und stellte eine neue Liste zur Verfügung. Aber auch diese schien von irgendwelchen dualen Studenten programmiert worden zu sein und lief nur so lala. Zuletzt stellte uns Condor on top auch noch eine eigene Liste zur Verfügung, wo wir uns doch bitte eintragen sollen. Über welche Liste wir letztendlich einen Flug bekommen haben ist nicht ganz klar. Ich will hier auch nicht, typisch deutsch, an dieser besonderen Situation herummeckern, jedoch war es auch für uns eine sehr verzwickte Lage. Neben den täglichen Hiobsbotschaften erreichten uns außerdem etliche Nachrichten und Anrufe von Freunden und Familie, dass wir doch bitte endlich nach Hause kommen.

Letztendlich hatten wir also keine Ahnung was wir machen sollen bzw. wohin wir überhaupt gehen sollen. Aktuell ging ja kein Flug, die Grenzen und Läden machten dicht und wir benötigten einen bezahlbaren Ort an dem wir eine Weile verharren können um die Situation zu beobachten. Von Nairobi rieten uns alle ab, da es dort schon bald richtig eskalieren könnte. Zum Glück fanden wir einen sehr netten Australier, der vor ein paar Jahren eine kleine Lodge renoviert hat. Er bat uns an umsonst zu wohnen, solange wir in seinem Restaurant aßen. So konnte er seine Mitarbeiter, nach wie vor, bezahlen und beschäftigen und musste sie nicht in die Arbeitslosigkeit schicken. Jetzt hatten wir wenigstens eine Base mit gutem WLAN. Caro versuchte herauszufinden wie sie nach Deutschland kommt, Mareile und ich haben sämtliche Workaways und soziale Projekte kontaktiert um ein paar Monate sinnvoll in Kenia zu überbrücken. Leider ohne Erfolg. Bereits damals war es allen schon zu heiß neue Leute in die engeren Kreise aufzunehmen. Die Angst war zu groß, dass wir die Kinder, Dorfbewohner, Mitarbeiter etc. anstecken könnten.

Auch Caro hörte lange nichts, bis eines Dienstagmorgens eine E-Mail ins Postfach flatterte: Zu hoher Wahrscheinlichkeit wird ein Flieger am nächsten Tag Kenia verlassen. Wir waren noch über 300 km von Nairobi entfernt und es war gleich klar, dass es etwas eng wird diese Strecke an einem Tag zu radeln (die zwei Mädels hätten es locker gepackt, ich habe aber geschwächelt). Also trampten wir eine halbe Ewigkeit ehe wir es schafften einen Bus anzuhalten. Wir haben ja schon einige Male getrampt und es war immer super easy aber mit der Zuspitzung von Corona nahmen die Menschen Abstand von uns, da wir Europäer als Überbringer des Virus galten. Trotzdem hatten wir die beste Busfahrt auf unserem Trip bisher, da auch in Kenia strenge Corona Abstandsregelungen erlassen wurden. Abstand und Angst bedeutete mehr Platz für uns! Wir waren überglücklich, dass wir es bei Zeit nach Nairobi schaffen werden und bereits am nächsten Tag in einem Flieger nach Deutschland sitzen werden.

Pustekuchen! Die Stimmung war gleich wieder im Keller als wir endlich eine Dame der Botschaft erreichten: Der Flug wird am Mittwoch nicht gehen, eventuell am Donnerstag oder Freitag, dann aber sicher von Mombasa. Mombasa?! Vielleicht war es unser Fehler anzunehmen, dass ein Flug von der Hauptstadt Nairobi gehen wird, aber von Mombasa war wiederum auch nie die Rede. Dort waren jedenfalls die meisten der 1000 zurückgebliebenen deutschen und deswegen würde auch von dort der Flieger gehen. Mombasa, die Touristadt an der Küste. Nochmals 500 weitere Kilometer für uns. Jiha!

Der Stress ging also weiter. Noch eine Busfahrt wo man zuerst alle Räder halb auseinander bauen musste, dass man sie irgendwie verstaut kriegt und Stunden (wirklich!) über die Preise streitet was nun die Mitnahme der Räder extra kosten soll. All das nachdem man in der Nacht in Nairobi ankam (never again!) und erstmal noch ein Hotel mit zwei Frauen und 3 Rädern finden musste. Aber natürlich haben wir es dann auch nach Mombasa geschafft. Der Flug ging trotzdem nicht. Aber he hey, think positive (versucht Mareile zumindest immer dem negativen Schwaben beizubringen): Wir sind endlich am Meer! Oder auch nicht, der Strand ist nämlich auch bereits, dank Corona, geschlossen.

Immerhin haben wir nach ein paar Nächten in Mombasa das letzte offene Hostel und somit auch ein paar andere Traveler gefunden. Am Pool und der Bar lies es sich also erstmal ganz gut leben, während in Deutschland die Leute leicht durchgedreht sind. Es vergingen die Tage und man wusste einfach nicht wie oder wann es weitergeht. Von Mareile und mir war Zeit aber leider der größte Gegner, da wir ja immer noch weiterfahren wollten. Afrika war ja generell etwas hinter Europa mit dem Virus, aber dann kamen auch in Kenia immer mehr Maßnahmen: Der Flugverkehr wurde eingestellt und ab 19 Uhr gab es jeden Abend einen Lockdown. Die Leute wurden also in den ersten Tagen wortwörtlich in ihre Häuser geprügelt. Auch das Verhalten der Locals gegenüber uns wurde nicht besser. Auf dem Weg zum Einkauf wurde ich aus einem Minibus mit Desinfektionsmittel angespritzt. Außerdem wurden alle Grenzen rund um Kenia geschlossen.

Es war also auch zu spät um weiterzuradeln, um doch noch möglichst schnell nach Namibia zu kommen. Der Gedanke auf der Garbade Farm Onduno den Lockdown zu verbringen war eigentlich viel attraktiver als in Deutschland eingesperrt in einer kleinen Wohnung zu sein. Da aber Namibia die Grenzen ebenfalls geschlossen hatte, konnten wir, bzw. ich ohne namibischen Pass, gar nicht mehr ins Land einreisen. Also selbst ein Flug von Kenia nach Namibia war nicht mehr möglich. Sollten wir es also doch mit dem Rad bzw. Trampen versuchen und uns doch an den Grenzen vorbei mogeln? In Afrika sind die Regeln ja nicht immer schwarz-weiß… doch wie reagieren die Menschen auf uns wenn das Virus richtig ausbricht? Was machen wir, wenn wir an einer der drei letzten Grenzen scheitern? Was passiert wenn die anderen Traveller vom Hostel weg sind? Wie lange gibt es keine Flüge mehr? Was ist wenn einer von uns stürzt und die Krankenhäuser überfüllt sind? All diese Fragen trieben uns immer mehr zu dem Entschluss, dass ein Rückflug, leider Gottes, das Sinnvollste ist. Vor 2 Monaten wusste man ja noch viel weniger als wir es heute tun. Und selbst jetzt ist es noch fragwürdig wann eine solche Weiterreise möglich wäre.

Trotzdem wollten wir einfach nicht aufgeben und konnten uns auch nicht für eine Heimreise direkt entscheiden. Also ließen wir die BRD entscheiden. Gibt es einen Rückholflug für uns UND unsere Räder (Das konnte uns keiner bestätigen – zumal andere Radreisende ihre Räder im Abflugland hinterlassen mussten), dann fliegen wir back home. Wie diese Geschichte ausgeht wisst ihr ja mittlerweile alle, aber wir bibberten weiter bis hin zur Abgabe unseres Gepäcks am Flughafen:

  • Zuerst bekam nur Caro ein Ticket (wahrscheinlich, weil wir uns gar nicht mehr auf allen drei Listen registrieren konnten), nach etlichen Anrufen und Gesprächen konnten wir aber doch noch nachrücken.
  • dann wurde ich im Taxi mit den drei Fahrradkartons 500m vor dem Flughafen von der Polizei angehalten (Bestechungsversuch Numero uno), da das Auto nicht geeignet sei um drei Boxen zu transportieren (?!). Es handelte sich um einen normalen Transportwagen wo die hinteren Sitze umgeklappt waren. Die Mädels nahmen ein extra Taxi. Wir sollten aber nun zur Polizeistation fahren und dort umladen. Das war zeitlich alels unmöglich und das wusste die freundliche schnepfen Beamtin. Irgendwann ließen sie uns gehen, der Taxifahrer meinte aber, dass sie auf Swahili geklärt hätten, dass er sie beim Zurückfahren schmiert. Ob der Taxifahrer mit der Polizei unter einer Decke steckte…? Wir gaben ihm ein Trink- bzw. Schmiergeld für später.
  • Da der Flugverkehr in Kenia komplett gesperrt war, war der Flughafen auch geschlossen. Man durfte erst rein, nachdem ein deutscher Soldat den Namen von einer Liste vorgelesen hat. Puuuh, wir bekamen einen Zettel für den Recall (und das ganz ohne Bestechung)!
  • Beim zweiten Bestechungsversuch drohte der Security Scannertyp alle drei Kartons zu öffnen. Er flüsterte mir hinter seinem Mundschutz zu, dass ich ihm 100 USD dafür geben soll. Als ich es laut wiederholte, warum er denn nun 100 USD von mir wollte, winkten sie uns durch.
  • Zu guter Letzt, versuchte es der Herr am Check in auch noch. Ein Karton hatte 3 kg Übergewicht, die anderen zwei Räder lagen unter dem Limit. Wieder wurden die magischen 100 US Schmierungs-Dollar veranschlagt. Ich bin schon gar nicht mehr mit zum Schalter – die Nerven lagen blank. Aber die Mädels haben sich schön aus der Situation herausgeflirtet und sind dann einfach weggelaufen. Der gute Mann war so durch den Wind, dass er sein Schmiergeld komplett vergessen hatte.

Aber egal, wir haben es natürlich wieder geschafft. „Siehst du, es klappt doch immer alles irgendwie“, sagt Mareile jedes Mal. ABER MEINE NERVEN!!!! Es wird zwar immer besser, aber manchmal wünschte ich mir, ich hätte etwas mehr von dem afrikanischen „komm i heut net, komm i morga“.

Haben mittlerweile sogar ein Zimmerchen in einer WG gefunden und sind jetzt auf Jobsuche. Wir planen also erstmal nicht die Reise zu beenden. Das wäre zum einen etwas witzlos (in der Weltgeschichte umherfliegen, wenn man eigentlich ökofreundlich radeln möchte) und zum anderen wissen wir ja immer noch nicht wann dies überhaupt möglich wäre. Wir halten euch aber auf dem Laufenden!

PS: Für alle Schwaben die jetzt denken „ha so ein Flug umsonschd, hat doch au ebbes!“ Nix da! 800 EUR haben wir pro Person geblecht. Normalerweise kostet ein Flug zwischen 300 und 400 EUR…

PPS: Eine ordentliche Welcome Back Party wird auf jeden Fall nachgeholt!

PPPS: …und eine besser geschriebene Story kommt das nächste mal auch, tschuldi!

Corona Virus in Afrika – Heimkehr der Biking Baboons?

Was ist denn in Europa los, wir haben gehört, dass da irgend so eine Art Grippe Virus rumkursiert. Ist das etwas Ernstes und wisst ihr dazu eventuell mehr? Passt ja auf, dass ihr euch nicht den Katzaschnupfa holt!

Spaß beiseite, natürlich kriegen auch wir in Kenia täglich mit was bei euch da oben so abgeht. Und mittlerweile hat der gute alte Covid uns auch schon erreicht: Wir hatten noch richtig Glück Äthiopien rechtzeitig zu verlassen um nach Kenia reinzukommen, denn 3 Tage später haben sie die Grenzen dicht gemacht. Uns wurde beim Grenzübertritt bereits Fieber gemessen. Caro hatte 27 Grad, Mareile und ich lagen knapp über 30. Puuuh Glück gehabt, dass wir keine erhöhte Temperatur hatten.

Jetzt sind wir im gelobten Land, müssen hier aber vorerst bleiben. Tanzania (unser nächstes Land) hat die Grenzen nämlich auch bereits geschlossen. Jetzt sitzen wir hier zwar fest, es gibt aber definitiv schlechtere Orte an denen man sich gerade aufhalten kann. Da wären zum Beispiel Italien, Frankreich und eigentlich das ganze restliche Europa.

In Kenia gibt es mittlerweile auch schon 6 Corona Cases, jedoch wurden bisher auch nur gute 100 Menschen getestet. Die tatsächliche Zahl ist also wohl etwas höher. Wir haben viele Nachrichten bekommen, dass die medizinische Versorgung hier eine Katastrophe wird und wir schnellst möglichst das Land verlassen sollen. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher ob ein privates Krankenhaus in Nairobi nicht etwas besser ausgestattet ist, als die Zelte die in Italien gerade aufgebaut werden. Aber vor dem Virus haben wir eigentlich keine wirkliche Angst. Wir gehören ja auch nicht zu der gefährdeten Gruppe.

Was uns dagegen aber etwas Sorgen bereitet sind die Reaktionen der Locals. Sorge 1: Unser neuer Spitzname hier ist ‚Corona’. Bisher ist das alles (meistens) noch salopp im Spaß gesagt. Wir husten zwei Mal oder schreien „Ebola!“ zurück und alle lachen. Was geschieht aber, wenn der Virus wirklich ausbricht, Menschen anfangen zu sterben und Panik bekommen? UPDATE 19.03.2020: BBC hat soeben das erste Todesopfer in Kenya gemeldet. Jemand wurde, aufgrund von Angst vor Corona, zu Tode verprügelt. Hier der Link. Nicht so gut!

Die zweite Sorge ist die Dauer der Grenzschließungen. Vier Wochen lässt es sich in Kenia auf jedenfall gut aushalten, was ist aber wenn das Ganze Monate dauert und dann doch gar keine Flüge mehr das Land verlassen und wir festsitzen? Cast Away. Biking Baboons allein in Kenia.

Natürlich könnten wir jetzt, wie die meisten anderen Reisenden, einfach direkt den nächsten Flug von Nairobi nach Hause nehmen. Die Bundesregierung hat jetzt ja auch 50 Mio. Euro locker gemacht um alle 100.000 Deutschen, die sich im Ausland befinden, zurückzuholen. Doch dann landen wir im Horror Szenario, Sorge Numero 3: Wir müssen zu Papa/Mama/Oma ziehen, finden keinen Job und befinden uns womöglich noch im Lockdown. Wenn wir nicht an diesem Virus sterben, dann, weil uns die Decke auf den Kopf fällt oder es Mord und Totschlag gibt. Aber Jo(hannes) hat gerade ein paar Kästen mit seiner WG eingekauft (ich nenne keine Zahl (35!!!), weil mir das keiner glaubt) und uns eingeladen bei ihm zu hausen. Klingt eigentlich auch verlockend.

Auch wenn das Angebot sehr verlockend klingt, haben wir uns trotzdem entschieden vorerst die Füße still zu halten und abzuwarten was jetzt noch in den nächsten Tagen bzw. Wochen auf uns zukommt. Wir fahren morgen in Richtung Nairobi weiter und genießen das Wildcampen und den Sonnenschein (Spaß, es ist so unfassbar heiß und schwül. Das hält kein Mensch aus). Ich hoffe, dass man in wenigen Tagen schon wieder um einiges schlauer ist und man sich ganz umsonst den Kopf zerbrochen hat. Drückt uns die Däumchen, da wir wirklich nicht unser Adventure abbrechen wollen!!! Und vielen vielen Dank für die ganzen Nachrichten. Auch wenn das sicher nicht das war was ihr hören wolltet, ist es trotzdem schön zu wissen, dass ihr euch um uns sorgt. Wir passen auch gut auf uns auf. Versprochen! One love.

Fasnet in Äthiopien

Narri Narro, jetzt isch soweit, in Äthiopien isch koi Narre Zeit. Wahrscheinlich wird dieser Beitrag der am wenigsten gelesene, da alle Rottenburger Leser entweder total zerstört noch im Bett liegen oder schon wieder „uff dr Gass“ sind. Für die Leser die nur ‚Bahnhof’ in den letzten zwei Sätzen verstanden haben: Meine Heimatstadt Rottenburg ist eine schwäbisch-alemannische Fasnets (=Fastnacht/Fasching) Hochburg und dort steppt jedes Jahr in der fünften Jahreszeit der Bär.

Es ist bereits meine zweite Fasnet die ich verpasse und während dieser Zeit ist das Heimweh wohl am allergrößten. Irgendwie verrückt: Früher lag man zu dieser Uhrzeit komatös im Hexenwagen, heute liest man sich über irgendwelche ETFs und Aktienfonds ein. Macht Reisen etwas alt und spießig? Egal, ich bin mir ganz sicher, dass der eine oder andere eine Halbe für mich mit zischt und meine Räucherhexen ihren Besen schwingen werden. Hoffentlich dann nächstes Jahr wieder, iatz isch halt so!

Aber nun weg von Rottenburg und ab nach Äthiopien bzw. zuerst Südafrika. Wir haben unsere Radreise für zwei Wochen unterbrochen, da eine sehr gute Freundin von Mareile in Kapstadt geheiratet hat. Als Bridesmaid durfte sie da natürlich nicht fehlen. Also verbrachten wir die letzten 14 Tage in Südafrika, solange Caro auf die Räder in Äthiopien aufgepasst hat. Wir hatten eine unglaublich schöne Zeit in der Zivilisation: warme Dusche, ein weiches Bett und eine große Küche mit vollem Kühlschrank. Hört sich für euch nach Standard an, war für uns aber der reinste Luxus und wir haben jede Sekunde davon genossen. Zuerst mussten wir natürlich erstmal shoppen gehen, damit wir nicht zu arg in der Zivilisation auffallen: Ich bekam 3 Paar Unterhosen, ein T-Shirt und eine kurze Hose. Und auch Mareile wurde fündig. So sehr wir das einfache Leben on the road lieben, so sehr haben wir auch den Luxus genossen. Meinen Anzug konnte zum Glück eine Freundin aus Deutschland mitbringen, da er aber schon eine Weile bei Oma lag, hatte er ein paar Mottenlöcher, ist aber keinem aufgefallen!

In Deutschland war ich für den Großteil unseres sozialen Lebens verantwortlich. In Südafrika habe ich mich mal so richtig zurückgelehnt und ließ Mareile planen. So konnte sie ihre ganzen Mädels (auch mal gerne ohne mich) sehen und mir die Freunde vorstellen, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe. Neben der Hochzeit war ein besonderes Highlight einige Tage mit den Schwiegereltern zu verbringen (schleim schleim – Das musste ich jetzt so schreiben, Thodo und Anka schauen hier auch ab und zu vorbei. Liebe Grüße ihr zwei!). Die Hochzeit selbst war natürlich wunderschön. Sie fand auf einer riesen großen Farm von Freitag bis Sonntag statt. Auch ohne den Druck alles anschauen zu müssen, weil wir 1. Beide die Stadt kennen und 2. Sicher bald wieder dort sein werden, war sehr entspannend!

Zivilisierte Hochzeits Baboons

Der Abschied fiel uns tatsächlich recht schwer. Gar nicht weil man sich wieder so an den Luxus gewöhnt hat, sondern eher, weil man wusste in welche Sch****e man zurückkehrt. Vor allem weil jetzt die wohl schlimmsten 700 km des Landes uns bevorstehen. Wer unseren Instapost dazu gelesen hat, weiß, dass Äthiopien nicht gerade unser Lieblingsland ist. Und natürlich ging es im Ranzhostel auch gleich weiter wie es aufgehört hat: Kein Strom und Wasser nach einem 24h Flug (der Schwabe hat 12h Aufenthalt in Nairobi gebucht). Am nächsten Tag gab es dann wieder Strom und meistens Wasser, aber das Elend hatte kein Ende: Als ich aufwachte und mir ins Gesicht fasste, konnte ich meine eigene Visage nicht wiedererkennen. Vor allem rund um die Augen und Nase war alles angeschwollen. Mit etwas blauer Farbe wäre ich als Avatar Einsatzbereit für die Fasnet gewesen.

„Halb so schlimm, morgen ist das wieder weg und wir fahren endlich los!“. Tatsächlich war am nächsten morgen auch fast alles abgeschwollen… zumindest bei den Augen. Am zweiten Tag war meine komplette Oberlippe zugeschwollen. Also gut, noch ein weiterer Rest Day im schlimmsten Hostel in dem wir bisher hausten (Es gibt keine Alternative). Bed Bugs habe ich noch keine gefunden aber da muss irgendetwas in meiner Matratze wohnen, dass nachts so nen richtigen Mari Heißhunger kriegt… Aber man soll ja immer positiv denken (zumindest sagt mir Mareile immer so nen Quatsch): Jetzt kann ich hier nochmal ein paar Zeilen für euch Schnapsleichen schreiben und vielleicht geht es morgen dann endlich weiter… Wenn dann nicht die Ohren anschwellen. A Glückseelige wünsch i eich!

Wo? Wo? Wo warn wir Silvester?!

Ich wette, dass ihr das noch nirgends bisher gelesen habt: HAPPY NEW YEAR EVERYBODY!!!! Notiz an mich selbst: Vermeide die sozialen Medien zwischen dem 24. Dezember und 3. Januar. Ich kann keine Bäume, fröhliche Familien und Neujahrsglückwünsche mehr sehen. Egal, nächstes Jahr dann!

Uns hat sehr oft die Frage erreicht, wo und wie wir denn eigentlich Weihnachten und Silvester (Wo? Wo? Wo wart ihr Silvester?!) gefeiert haben. Na dann haltet euch mal fest!

Damit nicht wieder ein Roman entsteht haken wir Weihnachten kurz und knackig (Nachtrag: hat natürlich wieder nicht geklappt) ab: Wir waren schon seit einigen Tagen beim amerikanischen Botschafter namens Lee in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Zu ihm kamen wir über einen Warmshowers Host in Kairo. Außerdem hat er unser Paket von Rose empfangen, damit wir den kaputten Freilauf tauschen konnten. Eigentlich hatten wir vor, Weihnachten längst wieder on the road zu sein, da wir schon eine knappe Woche in Lees Schloss uns eingenistet haben und uns das schlechte Gewissen geplagt hat. Wir verstanden uns aber wirklich super und er lud uns ein Weihnachten nochmals dazubleiben. Das ließen wir uns natürlich nicht nehmen.

Er musste selbst viel arbeiten, war also die meiste Zeit außer Haus. Wir kochten an vielen Abenden und aßen zusammen oder schlürften einen (oder auch ein paar mehr) Cocktails, wofür er wirklich ein Händchen hatte! Wir probierten uns durch die ganzen Klassiker durch wie Cosmopolitan, Manhattan, Martini… Ach übrigens, Alkohol ist ja eigentlich illegal in Sudan, aber wenn man bei der Botschaft arbeitet (oder der Gast solch einer Person ist) genießt man doch ein paar Vorteile. An einem Morgen hat er ein Stück Schwarzwälder Speck auf den Frühstückstisch gezaubert. Uns sind schier die Augen geplatzt. Schweinefleisch haben wir eine sehr sehr lange Zeit nirgends mehr gesehen. Lee hatte dazu ein genialer Kommentar und sagte, dass die Botschaft ja sicherstellen muss, dass die Botschafter auch in das Land kommen und bleiben wollen.

Aber zurück zu Weihnachten: Lee musste zu einem Work Event und würde später zu uns stoßen. Stattdessen luden wir eine sudanesische Freundin (Amel) von ihm ein, die uns bereits etwas durch Khartum geführt hat. Meine zwei Mädels wollten unbedingt ein besonderes Essen an Weihnachten machen. Etwas typisch schwäbisches. Nicht nur weil es Weihnachten war, sondern weil wir uns nochmal bei Lee bedanken wollten und Amel auch etwas aus unserer Kultur zeigen wollten. Es ist nur gar nicht so einfach einzukaufen im Sudan. Selbst in der Hauptstadt gibt es keinen klassischen Supermarkt wie wir das so kennen. Es musste also etwas sein, was man machen kann mit verfügbaren Zutaten. So kam Mareile auf die grandiose Idee Kässpätzle zu machen. Witzigerweise spricht Lee perfektes deutsch (warum eigentlich Lee? Ich weiß es tatsächlich nicht mehr. Melde dich doch mal bei uns!) und liebt das (schwäbische) Essen. Er hatte tatsächlich eine Spätzlesreibe in Südkorea bei seinem letzten Arbeitsaufenthalt gekauft (er wechselt alle 2 Jahre das Land).

Weil es Weihnachten war und die Mädels sowieso schon zu Küchenfeen mutiert sind, fingen die zwei auch noch an zu backen. Plätzle und Spätzle (ja, ich weiß, dass das ‚Bredle’ und ed ‚Plätzle’ heißt, das reimt sich aber leider nicht so gut). Und so feierten wir Heiligabend mit Spätzle, vielen Cocktails und einer streng muslimischen (aber sehr offenen) Amel.

Ursprünglich wollten wir ja eigentlich mit unseren englischen Biking Buddies feiern, aber Lucy musste leider schon wieder ins Krankenhaus. Bei denen ist wirklich der Wurm drin. Zuerst ein Unfall mit einem fießen Cut am Knie und zwei Wochen später eine üble Lebensmittelvergiftung. Besucht haben wir sie natürlich trotzdem und sie hatten wirklich Glück mit dem Krankenzimmer. Das komplette Krankenhaus war voll also gab es ein Upgrade in die Royal Suite 4. Das ist kein Witz, das Zimmer hieß wirklich so. Und das zu Recht. Fast besser als bei unserem Botschafter! Ihnen ging es also den Umständen entsprechend auch sehr gut. Und unfassbar, aber wahr, der englische Father Christmas war bei ihnen und hat 3 stinkende Radsocken von James für die Biking Baboons gefüllt. So süß die Beiden, wir haben doch noch Weihnachtsgeschenke bekommen!!!: Puddingpulver, Kakaopulver, Gummibärchen, Orangen… all die guten Dinge die man als Radfahrer im Sudan eben braucht. Woher der Weihnachtsmann das nur wusste… Wir brachten selbstverständlich auch ein paar Bredle und Spätzle, aber die Freude hielt sich komischerweise in Grenzen, wenn man seit einer Woche Dünnpfiff hat. Dabei hätten wir noch ein paar Groschen aus der Reisekasse übrig gehabt um uns gegenseitig reichlich zu beschenken, denn der Sudan war wirklich günstig: 400 USD für 3 Personen in einem Monat. Das ist Rekordtief! Leider war es ein Rekordhoch bei dem Visumspreis: 150 USD pro Person. Aber wer weiß, vielleicht bringt uns der äthiopische Weihnachtsmann nochmal etwas. Denn hier wird am 7. Januar äthiopisch-ortodoxes Weihanchten gefeiert.

Aber nun zu Silvester! Es war immer der Plan am 31.12 spätestens Sudan zu verlassen, damit wir wenigstens mit einem Bierchen in Äthiopien auf das neue Jahr anstoßen können. Der ist gestorben als wir für Heiligabend bei Lee verlängert haben: Zu viele Kilometer in zu wenigen Tagen. Zumindest mit dem Fahrrad. Die Straße war aber voll mit geisteskranken Busfahrern und unglaublich eng, dass wir uns nach dem dritten Nahtoderlebnis entschieden für einen Teil zu trampen. Das Problem war nämlich, dass es keinen Seitenstreifen gab und die Straße rechts 20 bis manchmal 40 cm runter in den Sand ging. Man sah seinen Tod also im Rückspiegel auf sich zukommen und hatte nowhere to go. Meistens hupten sie wie wild, manche kamen nur mit einem Dauerdüüüüüü angebraust. Wenn kein Gegenverkehr kam war das auch kein Problem, da die meisten einen schönen Bogen um uns machten. Wenn aber zusätzlich ein Bus entgegenkam, musste der schwächste aus dem Weg gehen, denn an Bremsen denken die Bus- und Truckfahrer hier nicht. Dreimal dürft ihr raten wer also schauen musste wie er am besten, ohne Unfall, von dieser Straße sich verkrümelt.

Die Fahrt auf dem Truck war jedoch auch nicht viel besser, vor allem, weil man nun die Kontrolle selbst gar nicht mehr in der Hand hatte und man nun Passagier auf dem Helltruck war. Wir sind ein paar Minuten auf der Pritsche aufgestanden, aber das konnte man sich nicht anschauen. Die Jungs scheren aus um zu überholen obwohl ein genauso Kranker auf der Gegenspur uns entgegenkommt. Egal, Augen zu und durch (dachten wir und der Truckfahrer)!

Auch wenn das sich jetzt anhört als wären wir alles per Anhalter gefahren, sind wir wirklich auch noch viel selbst bis zur Grenze gestrampelt. Wir haben richtig gekämpft, weil wir es unbedingt schaffen wollten. Da ging es auch nicht mehr um das Bier, sondern nur noch um den puren Ehrgeiz. Hahahaha Ich lach mich gerade schlapp wie ich das schreibe, weil ich weiß, dass Nils hier wieder durchdreht und sich so viele Sorgen macht, dass wir nicht so ehrgeizig und lebensmüde unterwegs sein sollen. Keine Angst Papa Bär, wir haben das schon noch im Griff, ich muss doch auch etwas in den Geschichten übertreiben, sonst liest sich das lang nicht so gut ;).

Long story short: Wir kamen am 31.12.2019 um 17 Uhr an der Grenze an!!! Wir haben es tatsächlich geschafft! Nur doof wenn die Grenze um 16 Uhr schließt. Nicht euer fucking ernst?! Der Beamte (mein Jahrgang) kam gerade raus und schloss ab. Aber wir sind ja schon eine Weile in Afrika (und Mareile kann das sowieso sehr gut) und haben gelernt, dass Regeln und Gesetze immer dehnbar sind. Also legten wir los. Bla bla bla, unser Freund feiert Geburtstag in Äthiopien heute wir müssen da hin bla bla bla. Wir hatten ihn irgendwann fast so weit, jedoch sagte er dann, dass die äthiopischen Kollegen noch eine Stunde früher nach Hause gehen und wir dann im Niemandsland wären, was uns ja auch nichts gebracht hätte. Als Mareile dann irgendwann mit der Wahrheit rauskam und ihm erklärte, dass wir einfach nur ein Bier für Neujahr trinken wollen, wurde er zu unserem besten Freund: „But you can drink beer here with me!“ „Wie bitte was?!“. Er käme in 2h und organisiert uns was. Wow, was für eine Legende. Wieder mussten wir uns erinnern, dass wir in Afrika sind und das nicht das erste leere Versprechen gewesen wäre. Aber wie gesagt, er war unser Kumpel und hat wohl einfach nur ein paar europäische Saufkompanen gesucht, da das bei den anderen muslimischen Soldatenkollegen nicht so gut ankäme. Da er seinen Job los wäre und weiß Allah was noch, wenn er erwischt werden würde, hackte er seinen Masterplan aus:

Wir kamen gerade zurück vom Essen vom Markt zu unseren Zelten (wir campten direkt in der Grenzstation wo alle Grenzsoldaten schliefen, aßen und beteten) und er stand schon da und kam auf uns zugeschlichen. Er überzeugte uns, dass wir zu viert in unserem 3 Mann Zelt ‚feierten’. Leicht Awkward mit einem wildfremden Soldaten der kaum Englisch spricht und nicht wollte, dass wir ein Licht im Zelt anmachten. Aber scheißegal, der gute Mann hat uns Bier und Schnaps organisiert und wollte uns unbedingt einladen. Wer sich jetzt einen kühlen Sixer und einen eiskalten 360 Vodka vorstellt, den muss ich leider enttäuschen. Ich war es auch ein bisschen, aber man nimmt was man kriegt. Er musste beides umfüllen, damit es keiner sieht. Also gab es lauwarmes Bier und Spiritus aus zwei alten Plastik Wasserflaschen. Alles kein Problem, aber warum wir das Bier auch über diese komischen Minieierbecher trinken mussten, habe ich wirklich nicht verstanden (siehe Instagram Post, das Internet ist hier viel zu schlecht um irgendwelche Bilder einzufügen). Ich habe ihm dann ein Bild von einem Maßkrug gezeigt, da machte er große Augen. Aber egal, es war wie früher auf Klassenfahrt. Heimlich in München sich einen Hinter die Binde kippen und ja nicht von Herrn Preyer erwischt werden!

Ab und zu riefen ihn seine Kollegen auch und liefen direkt am Zelt vorbei (keine Ahnung warum ihn keiner sah, weil 1. das Regencover nicht drüber gespannt war und 2. er immer lauter wurde, da er bei jedem Shot, wo wir Bier getrunken haben, er lieber seinen widerlichen Schnappes sich reingezogen hat. Sein Plan war glaube ich auch, dass wir die komplette Literflasche Waschbenzin in unserem Zelt vernichten. Und mit WIR meine ich ihn. Er wollte ums Verrecken nicht nach draußen gehen, auch nicht als sich das Zelt auf 1000 Grad aufgeheizt hat… bei 4 trinkenden Menschen im leicht warmen Sudan. Irgendwann haben wir ihn zum draußen Rauchen überzeugt (er wollte auch im Zelt qualmen) und wir konnten die Sauna verlassen. Die Frage war nur wo die Party nun hin verlegt wird (es war übrigens ca. 18 Uhr und der Kollege schon voll wie eine Badewanne). Wir mussten ihn also weg von seinen Kollegen kriegen. Dann hatte er die Idee, dass wir einfach nach Äthiopien gehen. Nicht weil er da trinken darf, da er auch noch dort ein sudanesischer Muslim ist, sondern weil seine Kollegen ihn dort nicht sehen und dort ein Acker hinter einer Reihe von Bäumen ist. Und dort ging es dann gleich wie im Zelt weiter, nur dieses Mal unter den Sternen auf seiner Herzchen Picknickdecke. Für ihn gabs seinen Fusel und wir tranken das Bier leer. Ab und zu zwang er mich zu einer Männerrunde, aber irgendwann hat er auch das nicht mehr so ganz geblickt und ich konnte mit Bier weitermachen.

Nach der dreiviertel Flasche hat er dann endlich ein Spuckerle gemacht. Überrascht war keiner, aber eher froh. Wir konnten nach Hause ins Zelt gehen. Es war schon witzig, so ist es nicht, aber der halbe Liter Schnaps hat weder sein Englisch noch sein Gedächtnis verbessert. Und nach dem fünften Mal erzählen, dass man aus dem Süden von Deutschland kommt, war es irgendwann doch nervig. Auch, dass er bei Caro im Zelt nächtigen wollte, war nicht die feine sudanesische Art.

Aber egal, es war trotzdem ein besonderes Silvester, dass es so nie wieder geben wird und wir auch nicht so schnell vergessen werden. Warum?

  1. Wir haben es doch noch nach Äthiopien geschafft und unser Bierchen bekommen.
  2. Wir haben in Zwei Ländern gefeiert
  3. Wir haben an zwei verschiedenen Datums gefeiert: 31.12.2019 und 21.04.2012. Äthiopien hat ein anderes Datum als wir, kein scheiß! Der äthiopische Kalender ist eine Variante des koptischen Kalenders und läuft unserem gregorianischen Kalender 7 Jahre und 8 Monate hinterher. So, jetzt habt ihr auch noch was von mir gelernt.
  4. Wir waren so nüchtern wie noch nie am Jahresende, können uns an alles erinnern und hatten keinen Kater am 1. Januar 2020 (Lieg aber seit dem 2. Januar flach mit Typhus und Amöben Parasiten – vielleicht war das die Strafe des Saufgottes)

Ihn sahen wir an dem Abend auch nicht mehr. Aber seine Kollegen luden uns noch zum zweiten Abendessen ein (es war mittlerweile 22:00 Uhr) und es gab eine Art Lammgulasch, gekocht auf offenem Feuer. Den Eimer teilten wir uns dann zu acht. Sau lecker wars! Im Sudan wird immer gemeinschaftlich aus einem Topf gegessen. Jeder packt dann mit seinem Brot sich etwas heraus und dann wird laut abgeschmatzt. Einer konnte wirklich gutes Englisch und wir unterhielten uns noch etwas. Hitler war natürlich mal wieder ein Thema (jeder einzelne Ägypter, Sudanese, Jordanier… den wir trafen ist großer Fan von dem kleinen Mann mit Quadratbart) aber egal, die Connections waren für den nächsten Morgen sehr wichtig (so easy war unser Aus- und Einreiseprozess noch nie!).

Um 23:00 Uhr als sie den Generator direkt neben unserem Zelt ausschalteten fielen wir todmüde auf unsere Isomatten und schlummerten in das neue Jahr bzw. den 22.04.2012 hinein.

SO viel zu uns. Und was habt ihr so getrieben?

Hurra, Hurra, das Schwesterherz ist da!

Hoppla, da verging wohl etwas Zeit ohne, dass Marius einen Blogbeitrag verfasst hat. Entschuldigen werde ich mich aber nicht, da es dem Einen oder Anderen sicher aufgefallen ist, dass die Posts auf Instagram und Facebook dafür länger und detaillierter geworden sind. Habe also den heißesten und neuesten Scheiß immer sofort veröffentlicht! So habt ihr nichts verpasst. Außerdem schulden wir ja auch niemandem etwas! Naja außer Lucas Mom, Beate, die uns mit dem geilsten Chilly Salz der Welt täglich versorgt. Ich pimpe jede Mahlzeit damit und es wertet jedes Essen mit mindestens einem Stern auf. Für die Mädels ist es noch etwas scharf, aber sie lieben den Geschmack auch, machen aber jedes Mal zu viel davon drauf und verbrennen sich ihre Göschle. Vielen vielen Dank nochmals liebe Beate, ein paar Hundefotos schicke ich dir, wie vereinbart, bald! 😉

Aber wenn wir schon dabei sind, müssen wir uns natürlich auch bei allen anderen bedanken die uns schon ein, zwei oder fünf Bier gespendet haben. Vielen Dank ihr wunderschönen Menschen, ihr haltet uns auf Kurs! Wer keine Ahnung hat von was ich spreche, sollte schleunigst hier klicken um uns ebenfalls ein Bierchen zu zahlen. Noch viel wichtiger als uns mit Alk zu versorgen (Wir sind gerade im Sudan wo Alkohol sowieso illegal ist), ist es die Kiddies von Pro Namibian Children zu supporten. Wir haben bereits, ebenfalls dank euch, 3.000 EUR an Spendengelder gesammelt. Da wir aber pro geradelten Kilometer gerne 1 EUR sammeln möchten (und bereits fast 6.000 km gefahren sind) sind wir ‚etwas’ hinter unser Ziel geraten. Also los: Spenden, spenden, spenden! In der Vorweihnachtszeit hat doch schließlich sowieso jeder ein offenes Herz und lockeres Portemonnaie 😉

Wer nun kein Instagram oder Facebook hat, was erklärt warum er sich mein Geschwafel hier durchliest, bekommt hier ein schnelles Update zu unserem Trip: Wir sind mittlerweile fast 6.000 km geradelt und waren bereits in 14 Ländern. Aktuell sind wir im Sudan und LIEBEN es. Zum einen liegt es sicher daran, dass wir in Ägypten eine ziemliche scheiß Zeit hatten (dazu später vielleicht mehr), zum anderen sind die Menschen hier aber auch wirklich unheimlich freundlich und welcoming. Man muss hier außerdem nicht bei 500% des eigentlichen Preises anfangen zu verhandeln, sondern kriegt meistens sofort den ehrlichen und fairen Preis. Oft kommt man beim Früchtekauf (ja Mama, wir ernähren uns ganz gesund!) ins Gespräch und die Leute wollen dann unser Geld gar nicht mehr annehmen. Außerdem wird man auch nicht von den Verkäufern gejagt und zu Tode belabert, was in den anderen Ländern unheimlich genervt hat. Am schlimmsten ist es wenn die Verkäufer einen bereits auf deutsch ansprechen. Auch das war in Ägypten SEHR anstrengend. Wenn einen die Kutscher, mit ihren abgemagerten Pferden, einem eine Kutschfahrt anschwatzen wollen, wir aber sowieso auf unseren Rädern sind und das einfach nicht möglich ist, kann man schon auch mal den Glauben an die Menschheit verlieren. Vor allem, weil sie nicht lockerlassen und so oft nachhaken bis man sie anschreien muss „NEIN, ICH WILL NIRGENDS HIN MIT DEINEM GAUL. ICH HABE MEINEN EIGENEN DRAHTESEL!!!“

Wir haben jetzt auch unseren Baby Baboon, Caro dabei. Falls sich hier einer außerhalb des Freundes- und Familienkreises verirrt hat: Caro ist meine 2 Jahre jüngere Schwester. Sie ist ne ziemlich coole Socke, da sie noch nie irgendwo backpacken war und sich jetzt dachte „ach dann radel ich halt mal durch Afrika“. Hut ab! Sie ist gerade mit dem Studium fertig und auch sie dachte sich „wenn nicht jetzt, wann dann?!“. Sie schlägt sich auch wirklich sehr gut! Nicht nur was die gefahrenen Kilometer angeht, sondern auch was das Wildcampen und vermeintliche Stresssituationen angeht: Vom Diskutieren mit der ägyptischen Polizei bis hin zum Verhandeln am Obststand nach 80 geradelten Kilometern. In den ersten Tagen gab es bei meinen zwei Mädels ein paar Zickereien, das haben wir aber alles überwunden und gemeistert. Mittlerweile sind wir schon seit einem Monat als Team unterwegs und wachsen von Tag zu Tag immer enger zusammen. Es läuft also!

Ansonsten läuft eigentlich auch alles. Ah, ne da war noch etwas… Mareiles Freilauf hat den Geist aufgegeben. Ein DHL Express Paket ist gerade auf dem Weg (Vielen vielen Dank Rose für die tolle Unterstützung und Zusammenarbeit) in die Hauptsadt vom Sudan: Khartoum. Es liegt jedoch schon seit 3 Tagen in Bahrain (bei Saudi-Arabien) herum. Ist jetzt nicht gerade der direkte Weg von Deutschland nach Sudan, aber wir müssen mit der Notreparatur auch noch 500 km bis zur Hauptstadt fahren, Inshallah (Wenn Gott es so will)! Dort wird es zu einem US-Botschafter geschickt, den wir über unseren Warmshower Host Andy aus Cairo kennengelernt haben. Bitte betet für uns, dass Elfie (Mareiles Rad) das alles noch packt!

‚Inshallah’ und ein Aufruf zum Beten… heieiei! Ich wurde schon angesteckt von den ganzen Gläubigen hier. Der Sudan ist das am strengsten muslimisch geprägte Land durch das wir fahren werden. Danach geht es wieder zurück ins Christentum. Vorallem die Mädels freuen sich auf eine neue Religion. Sie können dann nicht nur wieder T-Shirts und kurze Hosen tragen, sondern werden hoffentlich auch wieder bei Gesprächen angeschaut. Sagen wir mal ganz vorsichtig: Wir sind mit der Rolle der Frau im Islam nicht so ganz d’accord. Und wenn Mareile einen Mann etwas fragt, der bei der Antwort aber nur mich anschaut und mit mir spricht, kann das sie schon mal auf die Palme treiben… auch verständlich…

Schon irgendwie witzig, wie uns die Religion auf der Reise begleitet:

Vom Christentum, zu den Orthodoxen Christen (Griechenland) zum Islam (Albanien und Türkei) durch das gelobte Land (Israel) und wieder zurück zum Islam (Jordanien, Ägypten, Sudan). Und natürlich sind alle sehr überzeugt von ihrer eigenen Religion. Was die anderen glauben und denken ist ja Humbuck! Der größte Religionsclash fand in Jerusalem statt. Wir waren während einem der höchsten jüdischen Feiertage (Sukkot) dort. Natürlich war die Stadt voll mit Juden. Auch die ganz streng gläubigen Orthodoxen, mit Löckchen und Hüten, waren da. Für sie etwas ganz Besonderes, da sie fast ausschließlich nur an den hohen Feiertagen reisen dürfen. Natürlich waren auch viele Christen und Muslime dort. Eine sehr verrückte Erfahrung. Es verlief alles friedlich, jedoch war trotzdem eine gewisse Spannung in der Luft. Ein ganz mulmiges Gefühl bekamen wir als wir Jesus Kreuzmarsch mit Mönchen und vielen anderen Touristen gegangen sind: Die Straßen sind sehr eng und wir hielten immer wieder an wo die Mönche ein paar Dinge erzählten (der einzige schwarze Mönch trug den Ghettoblaster, äh Lautsprecher, was ich als sehr funny fand). Als sich ein sehr großer Moslem mit seiner Entourage durch die Menge schob und dabei „Allahu Akbar!“ (Gott ist der größte) schrie, knisterte es in der Luft. Eine falsche Reaktion von einem der Christen und die Situation wäre sicher gekippt. Zum Glück blieben alle Pilger ganz cool und liesen ihren Gefühlen erst freien Lauf als sie das Grab von Jesu sahen und komplett durchdrehten (Ich weiß, dass es nicht das Grab von Jesus ist, jedoch sah es aus wie ein Sarg. Mein Internet ist hier leider viel zu schlecht es zu googlen…richtige fake news verbreite ich hier): Sie brachten Tütenweise Rosenkränze, Kerzen, Bibeln… um diese zu segnen. Manche verharrten über 20 Minuten auf dem ‚Grab’ und es gab immer wieder Zankereien, dass andere nun auch mal dran sind. Ein wirklich kurioses Schauspiel.

Oops, da bin ich kurz etwas abgeschweift, aber die Gedanken dazu schossen mir schon lange im Kopf herum. Ansonsten geht es uns aber wirklich gut. Wir radeln seit einer Weile mit einem Pärchen aus England, die gerade auf ihrem Honeymoon auf der gleichen Route sind. Die beiden sind eigentlich viel schneller als wir und wir hatten uns auch schon verabschiedet, jedoch stürzte Lucy und hat sich einen tiefen Cut unterhalb der Kniescheibe zugezogen. Alles halb so schlimm, aber jetzt heißt es erstmal Pause für die Beiden und Vorsprung für uns! Beim Radeln sollte man halt einfach keine Fotos schießen, was wir natürlich NIE machen! Mal schauen wann sie uns wieder einholen. Hoffentlich klappt es mit ihnen Weihnachten zusammen zu feiern! Vielleicht hilft uns das um etwas mehr in eine weihnachtliche Stimmung zu kommen, denn in Glühweinlaune sind wir überhaupt nicht. Wird auch schwierig bei 32 Grad in der Wüste. Euch allen trotzdem schöne Feiertage, ich versuche mich wie immer schon bald zu melden, aber ihr wisst ja wie das meistens klappt. Mareiles Eltern sagen aber immer „wenn man nichts von den Kindern hört, weiß man, dass es ihnen gut geht“ und genauso solltet ihr das auch sehen! Bis bald ihr lieben! :*

Ein typischer Tag im Leben der Biking Baboons Teil 2

Du hast noch nicht Teil 1 über unsere Morgenrituale gelesen? Dann klicke hier.

13:00 Uhr – der Magen knurrt bereits und es wird Zeit ein Plätzchen fürs Mittagessen zu finden, denn Mareile ist nicht sie selbst, wenn sie hungrig ist. Und wenn alle Snickers weg sind, sucht man besser schnurstracks einen Platz. Je weiter wir uns von Deutschland entfernen und je näher der Winter rückt Essen wir mehr in Restaurants. Das hat zwei Gründe:

  1. Es wird so günstig, dass es sich gar nicht lohnt selbst zu kochen. Außerdem ist es auch interessant die lokale Cusine besser kennenzulernen.
  2. Es ist nicht mehr so heiß, dass man den ganzen Mittag sich im Schatten verstecken muss

Wenn wir aber selbst kochen sieht eine typische Mittagspause aus wie folgt:

Es beginnt meistens mit einem Einkauf. Dieser wird manchmal problematisch, wenn beide bereits hungrig sind und man nicht so recht weiß was man kochen soll. Meistens geht Mareile einkaufen und Marius bewacht draußen die Rose Bikes. Mareile ist viel kreativer bei der Auswahl der Produkte und laut einem der Biking Baboons kauft Marius immer quatsch ein den man nicht braucht. Das hält Marius aber für ein GERICHT! höhö

Mittlerweile haben wir einige Essen auf die wir gerne zurückgreifen, wenn man gerade mal keine Zeit oder Lust hat kreativ einzukaufen:

  • All time classic: Pasta mit Pesto gepimpt mit Zwiebeln, Knobi und Thunfisch
  • Gemüsepfanne (was es im Laden gibt) mit Nudeln, Reis oder Couscous
  • Salat mit Thunfisch oder Chicken, Bohnen, Mais etc. (Danke für die neue Kreation Walter!)
  • Chilli con Carne in Wraps
  • Curry
  • Geschnetzeltes
  • Ortlieb Leftover: manchmal muss man seine Packtaschen ausleeren, da sich dort oft Schätze befinden, die man seit Wochen mit sich herumträgt und komplett vergessen hat.
lecker lecker lecker

Wenn es keinen Supermarkt gibt, haben wir immer eine Notration Spaghetti mit Tomatensauce dabei. Auch Gewürze, Essig und Öl sind immer on board. Wir sind sicher keine Ernährungsfreaks, versuchen aber trotzdem gesund zu Essen. Das klappt auch wirklich sehr gut. Um ehrlich zu sein viel besser als damals in Deutschland.

Ebenfalls sehr wichtig ist die Wahl eines guten Lunch Spots: Ein idealer Platz verfügt über reichlich Schatten, eine Wasserquelle (zur Erfrischung, Geschirr abspülen und Trinkwasser) und Ruhe, also abseits von der Straße. Wenn beide d’accord mit einem Spot sind, wird zuerst alles herausgekramt und aufgebaut: Hängematte, Stühle, Kocher und Küchenutensilien. Auch hier kochen wir, wenn möglich, mit dem Hobo. Übrigens so oft, dass wir unsere 1 L Benzinflasche das erste Mal in der Türkei auffüllen mussten.

Meistens kocht Marius, da Feuer definitiv mehr sein Element ist, ob mit dem Hobo oder Primus. Mareile schnibbelt fleißig und dann wird reingehauen. Wieder ganz nach der guten alten Regel: Mittags wie ein Kaiser, oder wie ging der Spruch? Fahrradfahren und die frische Luft (gell, Markus?) macht einfach so hungrig.

Natürlich wird hungrig meistens viel zu viel gekocht und entweder haben wir noch einiges übrig oder der Bauch spannt so sehr, dass man für die nächste halbe Stunde KO ist. Eigentlich versuchen wir auch so zu kochen, dass es für zwei Mahlzeiten reicht und man einmal alles nur aufwärmen muss. In der Realität funktioniert das aber sehr selten.

Danach ist erstmal Siesta angesagt. Hier hat jeder etwas Zeit für sich. Es wird viel geschlafen, gelesen, geschrieben, Musik gehört und Afrikaans gelernt. Lekker lekker!

Mareile freut sich über einen wichtigen Sieg beim Schnicken um die Hängematte.

In einer Traumpause machen wir dann noch Noras Yogasession, Svens Workout und überprüfen die Bikes ob diese (auch) eine Schraube locker haben, in der Realität passiert das aber leider nicht ganz so regelmäßig.

15:30 Uhr (bzw. wenn es etwas abkühlt und je nachdem wann es dunkel wird) – Es wird weitergeradelt mit dem gleichen Rhythmus wie morgens.

17:00 Uhr (bzw. Einbruch der Dunkelheit) – Mareile wird nervös wenn die Sonne langsam untergeht und hält bereits Ausschau nach einem gut versteckten Übernachtungsplätzchen. Bei der Suche des Platzes gelten wieder sehr ähnliche Regeln wie bei beim Spot für die Mittagspause. Das aufgebaute Zelt darf man nicht so einfach erspähen. Vor allem nicht von der Straße aus. Im Idealfall kommt man mit dem Auto auch gar nicht erst bis zum Zelt. Auch der Boden ist jetzt wichtiger, denn dieser sollte möglichst flach und ohne Steine, Wurzeln etc. sein (was in der Realität gar nicht so einfach ist), da wir keine Luft Isomatten haben, sondern lediglich sehr dünne Schaumstoff Isomatten, weil:

  1. sie keine Löcher von Dornen bekommen können
  2. man sie auch draußen hinwerfen und nutzen kann
  3. man sie nicht jeden Abend aufblasen- und am Morgen wieder zusammenfalten muss
  4. wir keine Prinzessinnen auf der Erbse sind, die auf 7-10 cm dicken Matten nächtigen müssen (Marius schon, er kämpft schon seit Monaten und wird sich wohl doch noch eine LuMa bestellen)

Es ist außerdem auch wichtig möglichst weit weg von der nächsten Stadt zu sein, weil

  • weniger Hunde und Idioten (hatten mit beidem schon Erfahrungen die einem den Schlaf raubten)
  • weniger Lärm (Aktuell: Moscheen in der Türkei sind wirklich ein Thema – 5 mal am Tag ertönt der Ruf zum Gebet)
  • weniger Licht und somit schönere Sternenhimmel
Gutes Beispiel eines Wildcamps: Wasser, Schatten, keine Menschen/Straße…

Wenn es dann doch in einer Stadt oder in einem Dorf sein muss sprechen wir Leute an ob wir nicht im Garten zelten können. Oft sehen die Menschen einem die Not auch an und man wird eingeladen. Natürlich gönnen wir uns auch immer wieder mal ein Hostel, da die Isomatte dann doch nicht ganz (bzw. überhaupt nicht) an eine richtige Matratze rankommt. Außerdem ist es auch notwendig mal Pause zu machen, Klamotten zu waschen und mit anderen zu reden als nur mit seinem Baboon in crime.

Viele Fragen wie wir das mit dem Waschen eigentlich machen. Auf unserer bisherigen Strecke waren wir sehr verwöhnt, da wir immer an der Küste waren und abends (und morgens) ins Meer springen konnten. Seit der Türkei sieht das etwas anders aus. Deswegen füllen wir vor dem Schlafspot immer alle unsere Trinkflaschen und manchmal sogar einen 10l Wassersack auf, sodass man am abend auf jedenfall nochmals eine kleine Dusche haben kann. Pro Baboon ist eine Flasche erlaubt, was auch mehr als genug ist (zu ganz harten Zeiten haben wir uns auch schon eine Flasche geteilt bzw. nur einen Waschlappen gebraucht). Es gibt nämlich nichts Schlimmeres als dreckig und klebrig in den Schlafsack zu schlüpfen. Die Abende wo wir ohne Dusche ins Bett mussten kann man an einer Hand abzählen.

auch in der Türkei hat man manchmal Glück, auch wenn es zapfenkalt war.

18:00 Uhr Wieder knurrt der Magen. Es ist Zeit zu vespern wie ein Kaiser. Bis Kroatien war das einen Traum für den Schwaben, denn beim Lidl gab es immer Laugenweckle! Jetzt läuft es meistens auf Weißbrot mit Tomate, Paprika, Wurst, Käse und einen Aufstrich hinaus. Zum Nachtisch gibt es ein Nutellabrot.

19: 00 Uhr Das Zelt wird erst beim Einbruch der Dunkelheit aufgebaut, sodass wir möglichst wenig Aufsehen erregen. Und sobald es steht, verkriechen wir uns auch immer schnell darin, denn es wird kalt, die Mosuqitoplage kommt wieder und man ist auch wirklich platt.

20:00 Uhr Das Licht wird ausgeknipst und wir lesen noch. Manchmal schauen wir einen Film/Serie auf dem Handy. Danke Netflix Offline!

21:30 Uhr Und wieder geht ein Tag zu Ende und am nächsten Morgen grüßt das Murmeltier. Wer jetzt immer noch denkt, dass es uns langweilig wird in unserem Urlaub, der kann gerne mal 3 Wochen mit uns Ferien machen. Wer traut sich?

Ein typischer Tag im Leben der Biking Baboons Teil 1

Wir sind jetzt bereits seit 4 Monaten und über 4000 km unterwegs mit dem Fahrrad und uns erreicht sehr oft diese eine Frage: Was macht ihr eigentlich den lieben langen Tag in eurem Urlaub? Urlaub… wenn wir das schon hören. Mareile verdreht die Augen und berichtigt, dass das doch ein Adventure ist und uns nicht viel Zeit bleibt um die Füße hochzulegen. Aber was wir tatsächlich täglich machen, haben wir versucht hier darzustellen.

So richtig konnten wir uns diese Frage vor der Reise auch nicht beantworten, da man täglich nicht mehr als 5 Stunden auf dem Sattel sitzt. Und lasst es mich gleich vorab sagen: Nein, wir popeln nicht den Rest des Tages in der Nase. Deswegen haben wir versucht einen typischen Radtag zusammenzufassen. Die Zeiten sind natürlich nur für eine ungefähre Timeline für euch. Wer uns, bzw. vor allem Mareile, kennt weiß, dass ein solcher Zeitplan im Leben nicht funktionieren würde:

An diesem morgen kam Mareile etwas früher raus als sonst, da wir einige Besucher hatten…

7:30 Uhr – der Wecker klingelt. Guten morgen Marius! Mareile drückt nochmals den imaginären Snooze Button. Dieser wird so lange gedrückt, bis die Dame einen Kaffee in ihren Händen hält. Ohne die braune Wunderbrühe geht nämlich gar nichts. Wenn es schnell gehen muss, weil es z.B. ein sehr heißer Tag wird und wir die Morgenstunden nutzen möchten, kocht Marius das Wasser mit dem Primus Omnifuel Benzinkocher (aka Optimus Prime). Wenn es auch ein paar Minuten länger dauern kann, man keine 90 km vor sich hat und es Feuerholz gibt, ist der Hobo Stove seine erste Wahl.

Für die, die es nicht kennen: Hobo Stoves sind sehr simple, meist selbst gebaute, Kocher die aussehen wie die Kamine um Grillkohle schneller anzuzünden. Anstatt Kohle nimmt man kleine Holzscheite (die man vorher sammelt), macht ein Feuerchen und stellt den Topf oben in die Flammen. Marius und sein Dad haben ihren Hobo Stove aus einem Ikea Ording (Besteckabtropfbehälter) gemacht: Öffnung gesägt um Feuer nachzulegen, Füße dran geschraubt und fertig ist der Hobo!

Hier sieht man den Hobo direkt im Einsatz. Auf dem Bild haben wir ihn einfach direkt ins Feuer vom Vorabend gestellt.

Hört sich cool an? Ist es auch! Zumindest wenn man ein kleiner Feuerteufel ist wie Marius. Hexafuhr, Hexafuhr!

8:00 Uhr Wir sind zum Glück beide große Frühstücker, also fahren wir jeden Morgen auch ganz nach dem Motto: Morgens wie ein Kaiser! Unser Breakfast at Tiffanys findet, je nach Mosquitolage, draußen oder noch im Zelt statt. Unsere Frühstückskonstante sind Haferflocken. Bei den ‚add ons’ kann man sich so richtig ausspinnen:

Gewisses Mischmaterial haben wir immer dabei. Wichtig ist, dass es haltbar ist: Rosinen und sämtliche andere getrocknete Früchte, Chia Samen, Sesam Körner, verschiedene Nüsse, Kürbiskörner… Wenn wir Glück und Lust haben gehen wir am Abend zu vor noch zu einem (Super)Markt und kaufen dort frisches Obst ein. Oft fährt man auch an Obstbäumen vorbei (wo wir natürlich nicht klauen) oder kriegt etwas von den Menschen geschenkt.

Seit der Türkei sind wir richtig verwöhnt. Hier gibt es an jeder Ecke Joghurt. Dort kaufen wir täglich 750 g für 80 Cent, den wir am nächsten Morgen wegschlabbern. So kann man sich sogar das Abwaschen der Teller sparen, da alles direkt in den Joghurt geschnibbelt wird und wir den Eimer dann zu zweit angreifen.

Vor der Türkei haben wir die Haferflocken oft am Abend zuvor in Wasser eingeweicht, sodass man am nächsten Morgen eine richtig schöne Pampe hat. Diese kann man dann kalt Essen oder nochmal schnell aufwärmen. Und wenn man dazu noch Honig, Zimt und/oder Erdnussbutter hinzumischt hat man nicht nur ein gesundes und reichhaltiges Frühstück, sondern auch ein sehr abwechslungsreiches Festmahl. Wir lieben es!

Ein klassisches Haferflocken Frühstück mit Haferflocken.

Dann wird geschnickt (Schere, Stein, Papier) wer abwaschen muss. Schnicken ist übrigens die zweite Konstante. Nicht nur vom Frühstück, sondern von unserem Leben. Es wird um jeden Hennenfurz geschnickt: wer kriegt welchen Göffel (einer ist viel unbequemer an der Hand), wer darf in die Hängematte, wer schläft auf der unbequemeren Seite im Zelt..  

Während dem Frühstück wird besprochen wie weit man heute fahren möchte und ungefähr geschaut wo man am abend landet. Jedoch nicht zu genau, so viel haben wir mittlerweile gelernt: ein konkretes Ziel macht keinen Sinn bei uns, da jeden Tag so viel Unvorhersehbares passiert, dass es sowieso ganz anders kommt als ursprünglich geplant (aber dazu später mehr).

Dieses „in den Tag rein leben“ und morgens nicht zu wissen wo man abends landet, muss man erst mal lernen. Unser ganzes Leben werden wir darauf getrimmt, dass man immer unter Strom steht und 110% abliefert. Ob in der Schule, Uni oder später beim Job. Wir treffen oft andere Radfahrer die noch nicht so lange unterwegs sind und kaum Zeit für einen kurzen Smalltalk haben weil sie denken, dass sie weiter müssen. Aber wohin denn und warum? Schließlich nimmt man sich solch eine Auszeit um diesen Leistungsdruck, für eine Weile, loszuwerden. So denken wir zumindest. In der Realität ist es oft aber gar nicht so einfach, dieses Gefühl, dass man jetzt ‚dies und das’ machen MUSS, abzulegen. Wir möchten uns auch gar nicht als irgendwelche Lebens/Rad-Profis darstellen, sondern haben auch noch, nach wie vor, damit zu kämpfen.

Den ganzen Müll vom Abendessen und Frühstück sammeln wir immer in einer Tüte. Wir schleppen ihn dann mit bis zum nächsten Mülleimer. Es ist wirklich verrückt, wenn man täglich sieht wie viel Müll man eigentlich produziert. Und das obwohl wir sehr darauf achten und es z.B. geschafft haben bis 3500 km keine Wasserflasche zu kaufen. Außerdem kann man sagen: je weiter man sich von Deutschland entfernt, desto schlechter wird die Müllsituation und das Bewusstsein/Verständnis der Menschen für den Müll… leider.

Uncool!

Es wurde nicht nur einmal Müll direkt vor uns aus dem Autofenster geworfen. Man sieht und riecht auch etliche (brennende) Müllhalden wo Leute mitten in der Landschaft ihren Abfall hinkippen und ihn verbrennen. Oft sind auch unsere Wildcamp Spots verschmutzt. Wir räumen jedes Mal etwas auf und nehmen ein paar Tüten mit, aber damit wird das Problem natürlich nicht gelöst. Wir glauben, dass man dagegen nur mit Bildung und einer entsprechenden Gesetzgebung entgegenwirken kann.

8:30 Uhr – Die Sonne treibt uns bereits den Schweiß auf die Stirn und wir packen alles zusammen. Im Zeltauf- und –abbau sind wir mittlerweile Profis. Die ersten Tage waren, vor allem für Marius, nicht einfach. Das Tohuwabohu am Morgen war too much to handle und er wusste gar nicht mehr wo vorne und hinten ist. System overload. Mittlerweile hat aber alles seinen Platz und kommt in die jeweilige beschriftete Radtasche, sodass man es auch abends wieder findet. Zumindest fast immer, gell Mareile? So gefällt das dem strukturierten Schwaben.

9:00 Uhr – Unsere 50 kg Panzer ‚Elfie’ und ‚Kemal’ sind gepackt und endlich geht der Radfahr Spaß los! Andauernd werden wir nach einem Schnitt gefragt. Das ist sehr schwer zu sagen, da es hier einige beeinflussende Faktoren gibt: Wie ist der Straßenbelag: Schotterpiste oder Rennstrecke? Geht es hoch und runter oder fährt man auf der schnurgeraden Autobahn. Große Straßen versuchen wir zu meiden, da sie nicht nur stinklangweilig sind, sondern man auch keine Interaktion mit den Locals hat (außer, dass man andauernd angehupt wird). Trotzdem sind sie manchmal sehr praktisch, wenn man Strecke machen möchte.

Der Wind ist eigentlich kein Faktor, da dieser eh IMMER von vorne kommt… 😉 Wenn dieser besonders stark ist wechseln wir uns alle 5 km ab, sodass man sich immer wieder im Windschatten etwas ausruhen kann. Aber da ihr eh nur einen Schnitt hören wollt: 12-20 km/h.

Ansonsten quatschen wir sehr viel, vor allem darüber wie es sein wird, wenn wir an unserem Ziel ankommen (nur darüber nachzudenken gibt uns Gänsehaut), aber auch sehr viel über unsere Pläne was wir nach der Reise machen und wie das Leben in der Zukunft ausschaut. Da kommen oft die verrücktesten Plände und Ideen raus. Wir sind so gespannt was wir dann tatsächlich in ein paar Jahren treiben. Bei großen Straßen pushen uns Marius legendäre Playlist und Podcasts wie Fest und Flauschig durch den Tag.

…auf dem besten Weg klatschnass zu werden…

An Bergen regt man sich auf über das ganze Gepäck auf. Man grübelt was man alles nach Hause schicken wird, doch geht es wieder bergab hat man schnell alles vergessen und genießt die Abfahrt. Abfahrten sind sowieso das Allerschönste: Man quält sich kilometerlang den Berg hinauf bis man endlich die Spitze sieht (oft denkt man es ist die Spitze, aber dann geht es nochmal um eine Kurve noch weiter hoch) und es nur noch ganz nach Svens Motto geht: „Laufa lau!“, was so viel heißt wie: „fass ja nicht deine Bremsen an, leg dich in die Kurven und lass es krachen!“

Pausen machen wir ca. alle 20 km. Das ist davon abhängig wo es Wasser gibt (Kaffees, Bars, Friedhöfe, Moscheen, Flüsse) um unsere 2 Trinkflaschen wieder aufzufüllen und wie anstrengend die letzten Kilometer waren. Ab und zu gibt es auch eine kalte Cola oder ein Eis. Wenn keine Tanke in der Nähe ist muss auch die gesunde Variante ausreichen: Nüsse und einen Apfel.

Viele Pausen sind jedoch unvorhersehbar: In der Türkei werden wir täglich zu etlichen Chais (Tee) eingeladen, in Griechenland war es Kaffee oder Pfirsiche und in Italien Espressi. Natürlich kommt man dann auch ins Gespräch mit den Leuten. Viele sind interessiert an unseren Rädern und dem Trip, einige haben ebenfalls sehr verrückte Geschichten zu erzählen. Solche Stopps können also zwischen 10 Minuten und einem Tag dauern, da man mit nach Hause zum Essen- oder sogar Schlafen eingeladen wird. Genau wegen solchen Aufeinandertreffen lieben wir unseren Trip, können die Tage aber auch nicht genauestens durchplanen.

Ein viel sinnloserer Zeitkiller ist WLAN. Unsere Reise hat sich sehr verändert, seit wir nicht mehr in der EU sind und ständig Internet haben. Wir haben uns auch bewusst dazu entschieden keine Simkarten in den jeweiligen Ländern zu kaufen um dieser ständigen Erreichbarkeit etwas zu entfliehen. Trotzdem ist in einem Cafe mit WLAN dann erstmal Funkstille, da jeder seine ganzen Whatsapps, Facebook und Instagram checkt. Es ist schon etwas krank, aber manchmal freut man sich richtig darauf mal wieder im World Wide Web sinnlos umherzusurfen. Aber trotzdem muss es sein, denn sonst könnte man solche Posts und Bilder nicht veröffentlichen. Außerdem möchte man ja auch schnell Zuhause Bescheid geben, dass man noch lebt. Oft wird auch die Route nochmals umgeplant, da man noch Spots findet an denen man vorbeifahren möchte oder eine Alternativroute geplant wo man weniger Höhenmeter vor sich hat. Aber das ist Mareiles Spezialgebiet.

Dir hat der erste Teil gefallen? Dann klicke hier für Teil 2.

Mareile und Marius allein zu Haus – Horror Nacht Numero 1

Vielleicht hat der Eine oder Andere schon die Zusammenfassung unserer Grusel Wusel Nacht auf Instagram gelesen (Achtung: Spoiler Alarm!). Wenn dich aber die ganze Geschichte detailliert interessiert, solltest du jetzt aufmerksam weiterlesen.

Wir hatten unsere bisher beste Mittagspause in Trieste, Italien: Direkt am Meer auf einer Bank im Schatten. Das sind übrigens immer die 3 essentiellen Bestandteilen einer guten Mittagspause: Bank (mit Tisch bevorzugt), Schatten und Wasserquelle.

In Trieste war selbst die Wassertemperatur wirklich perfekt. Wir wollten auch gar nicht weiter, da es nicht nur bollig heiß war, sondern wir wussten, dass es direkt nach Trieste 30 km bis Slowenien nur den Berg hinaufgeht. Da bleibt man dann doch lieber am Beach.

Gegen halb 6 haben wir uns dann doch irgendwann aufgerafft und sind mit großem Sonnenhut losgeradelt. Schnell war klar, dass wir die 30 km niemals mehr schaffen werden. Es gab an den Steilhängen aber auch nirgends eine Möglichkeit sein Zelt aufzuschlagen. Abgesehen davon ging uns das Wasser aus und wir waren moeg (Afrikaans für ‚müde’, bin gerade fleißig am Lernen, aber das ist nochmal eine andere Geschichte).

Letztendlich kam dann doch noch eine Einbuchtung in Form eines Parkplatzes. Uns war beiden sofort klar, dass es dieser Spot für die Nacht wird, egal ob es nun Schatten und Wasser gibt. Vom Parkplatz führte ein kleiner Trampelpfad etwas den Berg hinunter. Und siehe da, eine Aussichtsplattform mit einer geisteskranken Aussicht über ein Tal, auf Trieste und das Meer. Wahnsinn!

Über Maps.Me fanden wir heraus, dass ein paar hundert Meter weiter oben ein Restaurant ist. Die Wasserquelle, und somit die gute Stimmung war also auch gesichert. Der Deal war also: Mareile baut das Zelt auf, solange ich zur Restaurant Oase radle. Natürlich bin ich ohne die schweren Taschen gefahren und dann war man auch ruckzuck den Berg oben. Ohne Taschen zu fahren fühlt sich immer an als hätte man einen extra E-Bike Motor unter dem Hintern. Auf einmal geht alles so einfach.

Wir saßen dann auf der Mauer der Aussichtsplatte mit dem romantischsten Candle Light Dinner das man sich vorstellen kann. Naja, eigentlich war es eher ein Candle Light (Dank Antischnaken Kerze) Vesper. Und da der Essenspackesel (Wer das wohl ist…?) keine extra Kilos den Berg hinauf schleppen wollte fiel es auch etwas sporadisch aus: Brot, Paprika Aufstrich, Thunfisch und Peanutbutter. Trotzdem soooo lekker!

Während dem Essen beobachteten wir ein beeindruckendes Gewitter, das vom Meer über Trieste zog und dann“100%ig vor uns nach rechts abbiegt“, das behauptete Wetterfrosch Marius zumindest. Komischerweise folgte der laute Donner immer schneller nach den mächtigen hellen Blitzen, die sich wie Wurzeln über den Himmel erstreckten. Ab 22 Uhr fing es an zu tröpfeln und war klar, dass wir eine kleine Dusche bekommen werden. Aus kleiner Dusche wurde ein Monsunregen mit Wassertropfen so groß wie Äpfel. Mareile hat sogar ihre Hand in den Regen gehalten um sich zu vergewissern, dass es keine Hagelkörner sind. Wir mussten uns im Zelt anschreien (was wir sonst natürlich nie tun) so laut hat es geprasselt.

Dann kam der Wind. Der Wind, der Wind das himmlische Kind. Auch bis heute macht dieser Satz für mich keinen Sinn, weil er für uns eher das böse Baby aus der Hölle war. Ich dachte wirklich, dass wir bald mit samt dem Zelt eine Runde übers Tal fliegen. Da man keine Heringe im Betonboden befestigen kann, fingen wir an das Überzelt auf jeder Seite durch die Eingänge festzuhalten. Ich schrie dann a la Forest Gump bzw. Lieutenant Dan „Ist das wirklich alles?!“  in der Hoffnung so etwas Humor in die leicht angespannte Situation zu bringen. Die Hosen hatte ich aber auch voll (das darf ich Mareile aber nie sagen, da sie sonst noch mehr Angst hat… so der Deal) und das war nicht das letzte Mal an diesem Abend. Wenigstens konnten wir etwas Strom sparen, da die Blitze unser Zelt dauerhaft erleuchtet haben. Der Schwabe denkt quadratisch, praktisch, gut!

Nach einer langen halben Stunde war der schlimmste Teil aber auch vorbei. Ich hatte mit Nils G. schonmal so eine Nacht im Zelt, nur war es damals ein Sandsturm in der Sahara. Ich wünschte ich hätte in der Nacht mit Mareile auch eine Flasche Vodka gehabt, dann wäre das Ganze etwas entspannter verlaufen.

Um ca. 24 Uhr sind wir dann endlich eingepennt. Um 1 Uhr wache ich aber wieder auf und Mareile sitzt im Zelt und schaut nach draußen „Da ist jemand, Mari!“, flüstert sie. Och nee, nicht schon wieder! In den ersten Wochen hatte sie öfters das Gefühl, jemanden zu hören, aber es war nie jemand zu sehen. Da sie jetzt aber immer gut schläft, entschloss ich mich auch nachzuschauen und tatsächlich war dort jemand, bzw. sogar 2 Gestalten. Na Klasse, best night eveeeeer! Und was tun wir nun? Ich beobachtete die 2 zunächst leise. Der Eine hatte eine ganz dunkle Laterne, der andere nur ein Handylicht. Wahrscheinlich wollten sie nur die Aussicht genießen und ein Bierchen trinken, aber als der eine dann einmal ums Zelt schlich war es doch etwas komisch. Schließlich waren neben unseren Rädern alle Packtaschen draußen. Wir habe nimmer nur eine Tasche mit unseren Pässen und dem Elektrogedöns im Zelt.

Mareile hat in der Zwischenzeit Taschenlampe und Pfefferspray rausgeholt. Im Zelt bzw. vom Zelt heraus zu sprühen, ist sicher keine gute Idee und noch gab es ja auch keinen Grund. Also entschloss ich mich meinen Mann zu stehen und mit der Taschenlampe rauszugehen. Mit einem möglichst lauten und tiefen „Hellloooo?!“ begrüßte ich die zwei Schatten, jedoch wurde ich nicht so herzlich empfangen. Die Zwei sind links vom Weg in die Büsche geflüchtet. Ich blieb dann etwas draußen und habe unsere Räder mit zwei anderen Schlössern zusätzlich abgesichert und alle Packtaschen vors Zelt gelegt. „Die sollen nur nochmal kommen und uns den Schlaf rauben…“, dachte ich mir… nicht. Sondern eher „Oh Gott, was ist, wenn die nochmal kommen, unsere Sachen klauen, uns ermorden und unsere Leichen schänden?!“. Aufgetaucht sind die Zwei leider nicht mehr, doch wir wussten, dass sie noch irgendwo sind. Schließlich stand ihr Auto noch da. Eine maximal beschissene Situation.

Schlafen konnten wir dann natürlich auch nicht mehr so richtig. Ich würde es eher dösen nennen. Zumindest bis ca. 3 Uhr. Dann kam wieder ein Auto. Ist das eigentlich euer ernst?! Dieses Mal war aber gleich klar, dass es nicht die gleichen Gauner sind, sondern irgendwelche laute und betrunkene Jugendliche. Als sie singend und lachend in Richtung Zelt liefen, kamen die klassischen Witze auf italienisch „Policia, Policia!“. Die Party Polizei ist angekommen. Sie haben sich auch nicht weiter an den zwei Schlafenden im Zelt gestört, sondern eiskalt ihr Ding durchgezogen: Singen, lachen, saufen und eine Hip Hop Zigarette nach der anderen rauchen.

Also zog ich mich noch einmal an und entschloss mich dazuzugesellen. Schlafen war bei dem Lautstärkepegel eh keine Option mehr. Die Begrüßung war dieses Mal viel herzlicher und alle fünf waren an unserer Biking Baboons Story interessiert. Ein Bier wurde mir auch gleich in die Hand gedrückt. Eigentlich waren die fünf Slowenen auf dem Weg zu einer Dorfparty, die aber aufgrund eines verrückten Sturmes (siehe oben) wortwörtlich abgeblasen wurde. Irgendwann fing es dann an hell zu werden. Ich trank mein Bierchen aus, verabschiedete mich von den fünfen und war sowas von nicht bereit für einen 30 km Bergaufstieg. 20 Minuten später klopften die Jungs ans Zelt und machten endlich auch die Biege. Viel Schlaf blieb aber nicht übrig. Wenigstens konnte Mareile etwas schlafen, da sie sich bei der Partymeute keine Sorgen mehr machte. Aber bereits 2h später jagte uns die heiße Sonne und volle Blase bereits wieder aus dem Zelt. Ich habe Mareile abends beim Vesper schon gesagt, dass wir diesen Ort so schnell nicht vergessen werden. Da sprach ich eigentlich nur von dem krassen Gewitter, das eigentlich an uns vorbeiziehen sollte. Dass die Nacht aber noch so wild werden würde, hat zu dem Zeitpunkt sicher keiner vermutet. Davon erzählen wir sicher noch unseren Enkeln.

Unsere ersten (fast) 1000 km!

14:47 Uhr 27.06.19 797 km

20 km hinter Cortina, Italien

Es ist eine der heißesten Wochen, die es gefühlt wohl jemals gab in Europa. Wir machen unsere tägliche lange Mittagpause, die eigentlich, aufgrund der Temperaturen, erst für Afrika geplant war. Aber zwischen 13 und 17 Uhr hält man es gerade wirklich nicht auf der Straße aus. Wir haben ein schönes Schattenplätzchen an einem Wald mit Bach gefunden, es gibt also genug Holz um ein kleines Feuer zu machen um Nudeln zu kochen. Was will man(n) mehr?!

Es ist unglaublich aber wir sind tatsächlich schon seit über 3 Wochen unterwegs und mittlerweile schon in Land numero 3: Italia. Für mich fängt es trotzdem erst jetzt an sich wie das Ausland anzufühlen, da bisher überall noch deutsch geplappert wurde und es nicht so richtig wie fremde Länder angefühlt hat. Meine Deutschlandflagge hinten am Rad macht den Ansturm von Gleichsprachlern auch nicht besser: „Sind Se auch deutscher?!“

Aber wenn wir gerade schon dabei sind: Es ist wirklich faszinierend wie wir auf andere Menschen wirken mit unseren vollbepackten Rädern. So viele Leute kommen auf uns zu und möchten wissen wo es hingeht und von woher man kommt. Wie man so eine Reise plant und wie das nun mit dem Job funktioniert. Da kann ein kurzer Halt bei einem Brunnen, um die Wasserflaschen aufzufüllen, schnell zu einem halbstündigen Interview mit den verschiedensten Menschen entwicklen. So muss sich wohl ein Filmstar fühlen. Richtige VIPs!

Die meist gefragteste Frage ist wahrscheinlich wie wir das denn mit dem Aufladen des Elektromotors machen… „Elektromotor…? Ach das, ne ne, das ist unser Pinion Getriebe das uns wartungsfrei bis nach Namibia begleiten wird!“ Die ersten knappen 800 km hält es auch, was es verspricht, genau wie der Rest des Rose Rades. Vielen Dank nochmal an Rose und Pinion für das Sponsoring, wir sind immer noch überglücklich!

Für mich war von Anfang an klar, dass Deutschland, Österreich und die restlichen westeuropäischen Länder relativ unspektakulär werden. Fehlanzeige! Doch bevor wir zu den ganzen Storys kommen, rudern wir mal etwas zurück zu unserem aller ersten Radtag in Richtung Namibia.

Wer uns kennt, weiß, dass es mit der Pünktlichkeit immer nicht so ganz klappt. So ging es uns auch an unserem Abreisetag: Montag 04.06.2019. Da wir am Samstag unsere Abschiedsparty hatten (bei der wir übrigens 317 EUR für die Kiddies von Pro Namibian Children eingesammelt haben – vielen Dank nochmals an alle Freunde und Verwandte!), ging am Sonntag danach nicht so viel – es war Kater- statt Packstimmung angesagt. Aber wir sagten uns, dass das alles nicht so schlimm ist, wir hatten schließlich noch den ganzen Montag, da wir, aus gutem Grund und Selbstkenntnis, keine konkrete Abfahrtszeit festgelegt haben. Natürlich dauerte es dann doch nochmal den kompletten Montag mit der Packerei von unserem Equipment (Probepacken, was ist das denn?) und Verstauerei von unserem übrigen Krempel den wir bei Oma lagern.

GENAU in dem Moment als die Bikes komplett beladen waren (Ca. 17 Uhr) fing es an zu regnen. „Das ist jetzt nicht dein ernst da oben oder?!“ Letztendlich warteten wir noch eine halbe Stunde und mein Vater kam auch schon wieder von der Arbeit. Von ihm hatten wir uns eigentlich auch schon verabschiedet und er hatte uns spaßeshalber Mittags noch geschrieben ob er etwas länger bei der Arbeit bleiben muss bis wir das Chaos der letzten 4 Wochen beseitigt hatten. Hätte er mal machen sollen… „surprise surprise, wir sind noch daaaaaaa!“

Aber dann ging es letztendloch doch noch los! 17:30 Uhr, Namibia wir kommen! Meine kleine Schwester Emma und mein Papa begleiteten uns noch ein Stück, machten ein paar Bilder beim Ortsschild und dann fuhren wir in die große weite Welt hinaus… bis Rottenburg (Nächste Stadt von Wendelsheim und 5 km entfernt)! Dort gab es dann auch noch etwas zu erledigen das wir in den 4 Wochen nicht geschafft haben oder vielleicht auch etwas vor uns hergeschoben haben: Opas Grab besuchen.

Für die, die es nicht wissen: Wir waren 8 Monate backpacken in Südamerika vor unserer Radreise und mein Opa starb solange wir on the road waren. Wir verabschiedeten uns zwar damals schon, wohlwissend, dass man sich nicht mehr sehen wird und hatten auch eine wunderschöne Trauerfeier mit großem Feuer direkt am Strand in Kolumbien. Trotzdem war der Besuch beim Grab wirklich nicht einfach. Ich bin mir aber sicher, dass Opa auf uns aufpasst. Wir haben ihm auch einen ‚Biking Baboons’ Sticker am Grab gelassen, den Oma jetzt sogar aufs Kreuz geklebt hat (das habe ich mich nicht getraut).

Danach waren wir quasi eh schon fast bei dem Grundstück von meinem Patenonkel und sind dort noch ‚schnell’ vorbei um sein riesiges Indianer Tippi zu bestaunen. Und dann wurde es auch schon wieder dunkel. Um 22:30 Uhr sind wir dann als Überraschung nochmal zu meiner Mommy gefahren und müssen zugeben, dass wir auch dort genächtigt haben. Nix wars mit Zelten. Was für ein anstrengender erster Tag! Nach 2 Colaweizen fielen wir dann völlig kaputt um 12 Uhr ins Stockbett. By the way war es auch noch der Welt Fahrradtag, das wussten wir natürlich von Anfang an und hatten es über Monate hinweg geplant… nicht.

Jetzt bin ich mal wieder etwas abgeschweift und das schon an Tag 1, wie soll das nur weitergehen?! Dann lasst mich vorerst ein paar Tage überspringen, die alles andere als langweilig waren, und direkt zu unserem ersten großen Meilenstein springen: Alpen- und Dolomitenüberquerung. WIR HABENS GESCHAFFT, BIIIIITCHES!

Schon bei der Planung der Reise hatten wir 2 große Sorgen: Unsere Popöchen und die Alpen. Nach 3 Wochen kann ich sagen, dass wir mit beidem wirklich sehr gut klarkommen! Zuerst aber zu den Alpen: Wir sind den Brennerpass gefahren und ich will nicht sagen, dass es ein Kinderspiel war, aber ich habe es mir persönlich schlimmer vorgestellt. Wir haben es auch ganz gut getimed, da uns mein Vater 3 Tage am Fuße des Brenners in Matrei besucht hat. So hatten wir nicht nur 3 Tage Pause, sondern konnten auch alles Unnötige, was wir zu viel dabeihatten, mit ihm nach Hause schicken. Klickschuhe und Mokkakocher good bye! Jetzt kann Mareile nicht mehr so einfach mitsamt dem Fahrrad umkippen. Blaue Flecken auf nimmer Wiedersehen! Undnein, mein Dad hat uns nicht hochgefahren, das sind wir alles selbst gestrampelt!

Außerdem muss man sagen, dass das Stück direkt nach Innsbruck bis zum Brenner eigentlich fast schlimmer war, da es wirklich super steil den Berg hochging. Den Brenner selbst waren wir in 1,5 Stunden oben, eine nicht so tolle Strecke direkt an der Straße. Wir hatten aber auch wirklich Glück, da es der letzte kühlere Tag war vor der vorher erwähnten Jahrhunderthitze. Sobald man oben und über der Grenze war, war es der Hammer. Hut ab an die Italiener vor ihren Radwegen (Update: zumindest in Südtirol)! Danach ging es auch erstmal eine halbe Ewigkeit den Berg hinab, wo wir auch endlich wieder ein paar der E-Bike Fahrer überholen konnten überhalb der 25 km/h Motor Unterstützung. Es ist ja wirklich toll, dass die Leute, dank E-Bikes, wieder mehr zum Radfahren und an die frische Luft kommen, aber trotzdem haben wir einen kleinen Hass gegen sie entwickelt wenn sie fröhlich und pfeifend im größten Gang an uns den Berg hochschlendern. Im besten Fall feuern sie einen dann noch an mit einem „Allez, auf geht’s!“.

Zurück zu den Bergen: dann kamen ‚nur’ noch die Dolomiten. Viele fragen sich jetzt „Warum denn noch die Dolomiten? Man könnte doch über Bozen fahren und könnte es quasi nur noch rollen lassen?“ Ganz einfache Antwort: Mareile hat sich die schönere- aber auch viel schwierigere Route ausgesucht. Bequem am PC zu Hause ist das immer so einfach, sich das größere Übel auszusuchen. Das kennt jeder wenn man mal wieder den 50 EUR günstigeren-, aber dafür 7h längeren, Flug auswählt. Anstatt wie beim Flug Geld zu sparen, wurden wir dann aber mit unglaublichen Berglandschaften belohnt. Solche Aussichten haben wir beide seltenst gesehen und würden die Route jedem ans Herz legen. Der Radweg ist meistens auch gut ausgeschildert (und das von München bis Venedig).

Oben angekommen, dachten wir dann aber wieder, dass es so schlimm eigentlich gar nicht war. Es ging halt ETLICHE Kilometer bergauf, dafür aber nicht sehr steil. Und nochmals war die Fahrt nach unten ein Highlight und wir sind sogar auf der Straße gefahren, da es schon relativ spät war und man es auf dem Schotter Radweg nicht so richtig laufen lassen konnte. Unten in Cortina angekommen belohnten wir uns dann mit Vino Blanco, 2 Pizzen und einer Dusche auf dem Campingplatz.

Erst am nächsten Morgen haben wir bemerkt wie zerstört unsere Körper sind und, dass die letzten Tage doch etwas anstrengend waren. Wir haben uns den ganzen Tag kaum bewegt, bzw. kaum bewegen können und mussten noch um einen weiteren Tag am Campingplatz verlängern. Aber es waren auch fast 4000 Höhenmeter und das alles untrainiert. Schließlich ist das Mareiles erstes Fahrrad…

An all die rennradelnden Grammzähler die sich jetzt ins Fäustchen lachen über die paar Bergkilometer: Wir tauschen gerne mal unsere 50kg Panzer (ohne Essen und Trinken) für einen Tag und dann reden wir nochmal 😉

Update 30.06.2019: Mittlerweile sind wir jetzt übrigens schon bei 939 km und nur noch 30 km vor Venedig! Wir haben uns nochmal ein Bed & Breakfast in Treviso gegönnt um:

1. Den Blog fertig zu schreiben und hochzuladen und
2. Eine waschechte italienische Stadt zu sehen, ohne die 3 Milliarden Touris in Venedig. Und wir lieben es! Unbedingt hingehen! Für meine lieben Schwabenfreunde: Pizza Margherita: 5,50 EUR direkt auf dem Marktplatz!