Ein typischer Tag im Leben der Biking Baboons Teil 2

Du hast noch nicht Teil 1 über unsere Morgenrituale gelesen? Dann klicke hier.

13:00 Uhr – der Magen knurrt bereits und es wird Zeit ein Plätzchen fürs Mittagessen zu finden, denn Mareile ist nicht sie selbst, wenn sie hungrig ist. Und wenn alle Snickers weg sind, sucht man besser schnurstracks einen Platz. Je weiter wir uns von Deutschland entfernen und je näher der Winter rückt Essen wir mehr in Restaurants. Das hat zwei Gründe:

  1. Es wird so günstig, dass es sich gar nicht lohnt selbst zu kochen. Außerdem ist es auch interessant die lokale Cusine besser kennenzulernen.
  2. Es ist nicht mehr so heiß, dass man den ganzen Mittag sich im Schatten verstecken muss

Wenn wir aber selbst kochen sieht eine typische Mittagspause aus wie folgt:

Es beginnt meistens mit einem Einkauf. Dieser wird manchmal problematisch, wenn beide bereits hungrig sind und man nicht so recht weiß was man kochen soll. Meistens geht Mareile einkaufen und Marius bewacht draußen die Rose Bikes. Mareile ist viel kreativer bei der Auswahl der Produkte und laut einem der Biking Baboons kauft Marius immer quatsch ein den man nicht braucht. Das hält Marius aber für ein GERICHT! höhö

Mittlerweile haben wir einige Essen auf die wir gerne zurückgreifen, wenn man gerade mal keine Zeit oder Lust hat kreativ einzukaufen:

  • All time classic: Pasta mit Pesto gepimpt mit Zwiebeln, Knobi und Thunfisch
  • Gemüsepfanne (was es im Laden gibt) mit Nudeln, Reis oder Couscous
  • Salat mit Thunfisch oder Chicken, Bohnen, Mais etc. (Danke für die neue Kreation Walter!)
  • Chilli con Carne in Wraps
  • Curry
  • Geschnetzeltes
  • Ortlieb Leftover: manchmal muss man seine Packtaschen ausleeren, da sich dort oft Schätze befinden, die man seit Wochen mit sich herumträgt und komplett vergessen hat.
lecker lecker lecker

Wenn es keinen Supermarkt gibt, haben wir immer eine Notration Spaghetti mit Tomatensauce dabei. Auch Gewürze, Essig und Öl sind immer on board. Wir sind sicher keine Ernährungsfreaks, versuchen aber trotzdem gesund zu Essen. Das klappt auch wirklich sehr gut. Um ehrlich zu sein viel besser als damals in Deutschland.

Ebenfalls sehr wichtig ist die Wahl eines guten Lunch Spots: Ein idealer Platz verfügt über reichlich Schatten, eine Wasserquelle (zur Erfrischung, Geschirr abspülen und Trinkwasser) und Ruhe, also abseits von der Straße. Wenn beide d’accord mit einem Spot sind, wird zuerst alles herausgekramt und aufgebaut: Hängematte, Stühle, Kocher und Küchenutensilien. Auch hier kochen wir, wenn möglich, mit dem Hobo. Übrigens so oft, dass wir unsere 1 L Benzinflasche das erste Mal in der Türkei auffüllen mussten.

Meistens kocht Marius, da Feuer definitiv mehr sein Element ist, ob mit dem Hobo oder Primus. Mareile schnibbelt fleißig und dann wird reingehauen. Wieder ganz nach der guten alten Regel: Mittags wie ein Kaiser, oder wie ging der Spruch? Fahrradfahren und die frische Luft (gell, Markus?) macht einfach so hungrig.

Natürlich wird hungrig meistens viel zu viel gekocht und entweder haben wir noch einiges übrig oder der Bauch spannt so sehr, dass man für die nächste halbe Stunde KO ist. Eigentlich versuchen wir auch so zu kochen, dass es für zwei Mahlzeiten reicht und man einmal alles nur aufwärmen muss. In der Realität funktioniert das aber sehr selten.

Danach ist erstmal Siesta angesagt. Hier hat jeder etwas Zeit für sich. Es wird viel geschlafen, gelesen, geschrieben, Musik gehört und Afrikaans gelernt. Lekker lekker!

Mareile freut sich über einen wichtigen Sieg beim Schnicken um die Hängematte.

In einer Traumpause machen wir dann noch Noras Yogasession, Svens Workout und überprüfen die Bikes ob diese (auch) eine Schraube locker haben, in der Realität passiert das aber leider nicht ganz so regelmäßig.

15:30 Uhr (bzw. wenn es etwas abkühlt und je nachdem wann es dunkel wird) – Es wird weitergeradelt mit dem gleichen Rhythmus wie morgens.

17:00 Uhr (bzw. Einbruch der Dunkelheit) – Mareile wird nervös wenn die Sonne langsam untergeht und hält bereits Ausschau nach einem gut versteckten Übernachtungsplätzchen. Bei der Suche des Platzes gelten wieder sehr ähnliche Regeln wie bei beim Spot für die Mittagspause. Das aufgebaute Zelt darf man nicht so einfach erspähen. Vor allem nicht von der Straße aus. Im Idealfall kommt man mit dem Auto auch gar nicht erst bis zum Zelt. Auch der Boden ist jetzt wichtiger, denn dieser sollte möglichst flach und ohne Steine, Wurzeln etc. sein (was in der Realität gar nicht so einfach ist), da wir keine Luft Isomatten haben, sondern lediglich sehr dünne Schaumstoff Isomatten, weil:

  1. sie keine Löcher von Dornen bekommen können
  2. man sie auch draußen hinwerfen und nutzen kann
  3. man sie nicht jeden Abend aufblasen- und am Morgen wieder zusammenfalten muss
  4. wir keine Prinzessinnen auf der Erbse sind, die auf 7-10 cm dicken Matten nächtigen müssen (Marius schon, er kämpft schon seit Monaten und wird sich wohl doch noch eine LuMa bestellen)

Es ist außerdem auch wichtig möglichst weit weg von der nächsten Stadt zu sein, weil

  • weniger Hunde und Idioten (hatten mit beidem schon Erfahrungen die einem den Schlaf raubten)
  • weniger Lärm (Aktuell: Moscheen in der Türkei sind wirklich ein Thema – 5 mal am Tag ertönt der Ruf zum Gebet)
  • weniger Licht und somit schönere Sternenhimmel
Gutes Beispiel eines Wildcamps: Wasser, Schatten, keine Menschen/Straße…

Wenn es dann doch in einer Stadt oder in einem Dorf sein muss sprechen wir Leute an ob wir nicht im Garten zelten können. Oft sehen die Menschen einem die Not auch an und man wird eingeladen. Natürlich gönnen wir uns auch immer wieder mal ein Hostel, da die Isomatte dann doch nicht ganz (bzw. überhaupt nicht) an eine richtige Matratze rankommt. Außerdem ist es auch notwendig mal Pause zu machen, Klamotten zu waschen und mit anderen zu reden als nur mit seinem Baboon in crime.

Viele Fragen wie wir das mit dem Waschen eigentlich machen. Auf unserer bisherigen Strecke waren wir sehr verwöhnt, da wir immer an der Küste waren und abends (und morgens) ins Meer springen konnten. Seit der Türkei sieht das etwas anders aus. Deswegen füllen wir vor dem Schlafspot immer alle unsere Trinkflaschen und manchmal sogar einen 10l Wassersack auf, sodass man am abend auf jedenfall nochmals eine kleine Dusche haben kann. Pro Baboon ist eine Flasche erlaubt, was auch mehr als genug ist (zu ganz harten Zeiten haben wir uns auch schon eine Flasche geteilt bzw. nur einen Waschlappen gebraucht). Es gibt nämlich nichts Schlimmeres als dreckig und klebrig in den Schlafsack zu schlüpfen. Die Abende wo wir ohne Dusche ins Bett mussten kann man an einer Hand abzählen.

auch in der Türkei hat man manchmal Glück, auch wenn es zapfenkalt war.

18:00 Uhr Wieder knurrt der Magen. Es ist Zeit zu vespern wie ein Kaiser. Bis Kroatien war das einen Traum für den Schwaben, denn beim Lidl gab es immer Laugenweckle! Jetzt läuft es meistens auf Weißbrot mit Tomate, Paprika, Wurst, Käse und einen Aufstrich hinaus. Zum Nachtisch gibt es ein Nutellabrot.

19: 00 Uhr Das Zelt wird erst beim Einbruch der Dunkelheit aufgebaut, sodass wir möglichst wenig Aufsehen erregen. Und sobald es steht, verkriechen wir uns auch immer schnell darin, denn es wird kalt, die Mosuqitoplage kommt wieder und man ist auch wirklich platt.

20:00 Uhr Das Licht wird ausgeknipst und wir lesen noch. Manchmal schauen wir einen Film/Serie auf dem Handy. Danke Netflix Offline!

21:30 Uhr Und wieder geht ein Tag zu Ende und am nächsten Morgen grüßt das Murmeltier. Wer jetzt immer noch denkt, dass es uns langweilig wird in unserem Urlaub, der kann gerne mal 3 Wochen mit uns Ferien machen. Wer traut sich?

Ein typischer Tag im Leben der Biking Baboons Teil 1

Wir sind jetzt bereits seit 4 Monaten und über 4000 km unterwegs mit dem Fahrrad und uns erreicht sehr oft diese eine Frage: Was macht ihr eigentlich den lieben langen Tag in eurem Urlaub? Urlaub… wenn wir das schon hören. Mareile verdreht die Augen und berichtigt, dass das doch ein Adventure ist und uns nicht viel Zeit bleibt um die Füße hochzulegen. Aber was wir tatsächlich täglich machen, haben wir versucht hier darzustellen.

So richtig konnten wir uns diese Frage vor der Reise auch nicht beantworten, da man täglich nicht mehr als 5 Stunden auf dem Sattel sitzt. Und lasst es mich gleich vorab sagen: Nein, wir popeln nicht den Rest des Tages in der Nase. Deswegen haben wir versucht einen typischen Radtag zusammenzufassen. Die Zeiten sind natürlich nur für eine ungefähre Timeline für euch. Wer uns, bzw. vor allem Mareile, kennt weiß, dass ein solcher Zeitplan im Leben nicht funktionieren würde:

An diesem morgen kam Mareile etwas früher raus als sonst, da wir einige Besucher hatten…

7:30 Uhr – der Wecker klingelt. Guten morgen Marius! Mareile drückt nochmals den imaginären Snooze Button. Dieser wird so lange gedrückt, bis die Dame einen Kaffee in ihren Händen hält. Ohne die braune Wunderbrühe geht nämlich gar nichts. Wenn es schnell gehen muss, weil es z.B. ein sehr heißer Tag wird und wir die Morgenstunden nutzen möchten, kocht Marius das Wasser mit dem Primus Omnifuel Benzinkocher (aka Optimus Prime). Wenn es auch ein paar Minuten länger dauern kann, man keine 90 km vor sich hat und es Feuerholz gibt, ist der Hobo Stove seine erste Wahl.

Für die, die es nicht kennen: Hobo Stoves sind sehr simple, meist selbst gebaute, Kocher die aussehen wie die Kamine um Grillkohle schneller anzuzünden. Anstatt Kohle nimmt man kleine Holzscheite (die man vorher sammelt), macht ein Feuerchen und stellt den Topf oben in die Flammen. Marius und sein Dad haben ihren Hobo Stove aus einem Ikea Ording (Besteckabtropfbehälter) gemacht: Öffnung gesägt um Feuer nachzulegen, Füße dran geschraubt und fertig ist der Hobo!

Hier sieht man den Hobo direkt im Einsatz. Auf dem Bild haben wir ihn einfach direkt ins Feuer vom Vorabend gestellt.

Hört sich cool an? Ist es auch! Zumindest wenn man ein kleiner Feuerteufel ist wie Marius. Hexafuhr, Hexafuhr!

8:00 Uhr Wir sind zum Glück beide große Frühstücker, also fahren wir jeden Morgen auch ganz nach dem Motto: Morgens wie ein Kaiser! Unser Breakfast at Tiffanys findet, je nach Mosquitolage, draußen oder noch im Zelt statt. Unsere Frühstückskonstante sind Haferflocken. Bei den ‚add ons’ kann man sich so richtig ausspinnen:

Gewisses Mischmaterial haben wir immer dabei. Wichtig ist, dass es haltbar ist: Rosinen und sämtliche andere getrocknete Früchte, Chia Samen, Sesam Körner, verschiedene Nüsse, Kürbiskörner… Wenn wir Glück und Lust haben gehen wir am Abend zu vor noch zu einem (Super)Markt und kaufen dort frisches Obst ein. Oft fährt man auch an Obstbäumen vorbei (wo wir natürlich nicht klauen) oder kriegt etwas von den Menschen geschenkt.

Seit der Türkei sind wir richtig verwöhnt. Hier gibt es an jeder Ecke Joghurt. Dort kaufen wir täglich 750 g für 80 Cent, den wir am nächsten Morgen wegschlabbern. So kann man sich sogar das Abwaschen der Teller sparen, da alles direkt in den Joghurt geschnibbelt wird und wir den Eimer dann zu zweit angreifen.

Vor der Türkei haben wir die Haferflocken oft am Abend zuvor in Wasser eingeweicht, sodass man am nächsten Morgen eine richtig schöne Pampe hat. Diese kann man dann kalt Essen oder nochmal schnell aufwärmen. Und wenn man dazu noch Honig, Zimt und/oder Erdnussbutter hinzumischt hat man nicht nur ein gesundes und reichhaltiges Frühstück, sondern auch ein sehr abwechslungsreiches Festmahl. Wir lieben es!

Ein klassisches Haferflocken Frühstück mit Haferflocken.

Dann wird geschnickt (Schere, Stein, Papier) wer abwaschen muss. Schnicken ist übrigens die zweite Konstante. Nicht nur vom Frühstück, sondern von unserem Leben. Es wird um jeden Hennenfurz geschnickt: wer kriegt welchen Göffel (einer ist viel unbequemer an der Hand), wer darf in die Hängematte, wer schläft auf der unbequemeren Seite im Zelt..  

Während dem Frühstück wird besprochen wie weit man heute fahren möchte und ungefähr geschaut wo man am abend landet. Jedoch nicht zu genau, so viel haben wir mittlerweile gelernt: ein konkretes Ziel macht keinen Sinn bei uns, da jeden Tag so viel Unvorhersehbares passiert, dass es sowieso ganz anders kommt als ursprünglich geplant (aber dazu später mehr).

Dieses „in den Tag rein leben“ und morgens nicht zu wissen wo man abends landet, muss man erst mal lernen. Unser ganzes Leben werden wir darauf getrimmt, dass man immer unter Strom steht und 110% abliefert. Ob in der Schule, Uni oder später beim Job. Wir treffen oft andere Radfahrer die noch nicht so lange unterwegs sind und kaum Zeit für einen kurzen Smalltalk haben weil sie denken, dass sie weiter müssen. Aber wohin denn und warum? Schließlich nimmt man sich solch eine Auszeit um diesen Leistungsdruck, für eine Weile, loszuwerden. So denken wir zumindest. In der Realität ist es oft aber gar nicht so einfach, dieses Gefühl, dass man jetzt ‚dies und das’ machen MUSS, abzulegen. Wir möchten uns auch gar nicht als irgendwelche Lebens/Rad-Profis darstellen, sondern haben auch noch, nach wie vor, damit zu kämpfen.

Den ganzen Müll vom Abendessen und Frühstück sammeln wir immer in einer Tüte. Wir schleppen ihn dann mit bis zum nächsten Mülleimer. Es ist wirklich verrückt, wenn man täglich sieht wie viel Müll man eigentlich produziert. Und das obwohl wir sehr darauf achten und es z.B. geschafft haben bis 3500 km keine Wasserflasche zu kaufen. Außerdem kann man sagen: je weiter man sich von Deutschland entfernt, desto schlechter wird die Müllsituation und das Bewusstsein/Verständnis der Menschen für den Müll… leider.

Uncool!

Es wurde nicht nur einmal Müll direkt vor uns aus dem Autofenster geworfen. Man sieht und riecht auch etliche (brennende) Müllhalden wo Leute mitten in der Landschaft ihren Abfall hinkippen und ihn verbrennen. Oft sind auch unsere Wildcamp Spots verschmutzt. Wir räumen jedes Mal etwas auf und nehmen ein paar Tüten mit, aber damit wird das Problem natürlich nicht gelöst. Wir glauben, dass man dagegen nur mit Bildung und einer entsprechenden Gesetzgebung entgegenwirken kann.

8:30 Uhr – Die Sonne treibt uns bereits den Schweiß auf die Stirn und wir packen alles zusammen. Im Zeltauf- und –abbau sind wir mittlerweile Profis. Die ersten Tage waren, vor allem für Marius, nicht einfach. Das Tohuwabohu am Morgen war too much to handle und er wusste gar nicht mehr wo vorne und hinten ist. System overload. Mittlerweile hat aber alles seinen Platz und kommt in die jeweilige beschriftete Radtasche, sodass man es auch abends wieder findet. Zumindest fast immer, gell Mareile? So gefällt das dem strukturierten Schwaben.

9:00 Uhr – Unsere 50 kg Panzer ‚Elfie’ und ‚Kemal’ sind gepackt und endlich geht der Radfahr Spaß los! Andauernd werden wir nach einem Schnitt gefragt. Das ist sehr schwer zu sagen, da es hier einige beeinflussende Faktoren gibt: Wie ist der Straßenbelag: Schotterpiste oder Rennstrecke? Geht es hoch und runter oder fährt man auf der schnurgeraden Autobahn. Große Straßen versuchen wir zu meiden, da sie nicht nur stinklangweilig sind, sondern man auch keine Interaktion mit den Locals hat (außer, dass man andauernd angehupt wird). Trotzdem sind sie manchmal sehr praktisch, wenn man Strecke machen möchte.

Der Wind ist eigentlich kein Faktor, da dieser eh IMMER von vorne kommt… 😉 Wenn dieser besonders stark ist wechseln wir uns alle 5 km ab, sodass man sich immer wieder im Windschatten etwas ausruhen kann. Aber da ihr eh nur einen Schnitt hören wollt: 12-20 km/h.

Ansonsten quatschen wir sehr viel, vor allem darüber wie es sein wird, wenn wir an unserem Ziel ankommen (nur darüber nachzudenken gibt uns Gänsehaut), aber auch sehr viel über unsere Pläne was wir nach der Reise machen und wie das Leben in der Zukunft ausschaut. Da kommen oft die verrücktesten Plände und Ideen raus. Wir sind so gespannt was wir dann tatsächlich in ein paar Jahren treiben. Bei großen Straßen pushen uns Marius legendäre Playlist und Podcasts wie Fest und Flauschig durch den Tag.

…auf dem besten Weg klatschnass zu werden…

An Bergen regt man sich auf über das ganze Gepäck auf. Man grübelt was man alles nach Hause schicken wird, doch geht es wieder bergab hat man schnell alles vergessen und genießt die Abfahrt. Abfahrten sind sowieso das Allerschönste: Man quält sich kilometerlang den Berg hinauf bis man endlich die Spitze sieht (oft denkt man es ist die Spitze, aber dann geht es nochmal um eine Kurve noch weiter hoch) und es nur noch ganz nach Svens Motto geht: „Laufa lau!“, was so viel heißt wie: „fass ja nicht deine Bremsen an, leg dich in die Kurven und lass es krachen!“

Pausen machen wir ca. alle 20 km. Das ist davon abhängig wo es Wasser gibt (Kaffees, Bars, Friedhöfe, Moscheen, Flüsse) um unsere 2 Trinkflaschen wieder aufzufüllen und wie anstrengend die letzten Kilometer waren. Ab und zu gibt es auch eine kalte Cola oder ein Eis. Wenn keine Tanke in der Nähe ist muss auch die gesunde Variante ausreichen: Nüsse und einen Apfel.

Viele Pausen sind jedoch unvorhersehbar: In der Türkei werden wir täglich zu etlichen Chais (Tee) eingeladen, in Griechenland war es Kaffee oder Pfirsiche und in Italien Espressi. Natürlich kommt man dann auch ins Gespräch mit den Leuten. Viele sind interessiert an unseren Rädern und dem Trip, einige haben ebenfalls sehr verrückte Geschichten zu erzählen. Solche Stopps können also zwischen 10 Minuten und einem Tag dauern, da man mit nach Hause zum Essen- oder sogar Schlafen eingeladen wird. Genau wegen solchen Aufeinandertreffen lieben wir unseren Trip, können die Tage aber auch nicht genauestens durchplanen.

Ein viel sinnloserer Zeitkiller ist WLAN. Unsere Reise hat sich sehr verändert, seit wir nicht mehr in der EU sind und ständig Internet haben. Wir haben uns auch bewusst dazu entschieden keine Simkarten in den jeweiligen Ländern zu kaufen um dieser ständigen Erreichbarkeit etwas zu entfliehen. Trotzdem ist in einem Cafe mit WLAN dann erstmal Funkstille, da jeder seine ganzen Whatsapps, Facebook und Instagram checkt. Es ist schon etwas krank, aber manchmal freut man sich richtig darauf mal wieder im World Wide Web sinnlos umherzusurfen. Aber trotzdem muss es sein, denn sonst könnte man solche Posts und Bilder nicht veröffentlichen. Außerdem möchte man ja auch schnell Zuhause Bescheid geben, dass man noch lebt. Oft wird auch die Route nochmals umgeplant, da man noch Spots findet an denen man vorbeifahren möchte oder eine Alternativroute geplant wo man weniger Höhenmeter vor sich hat. Aber das ist Mareiles Spezialgebiet.

Dir hat der erste Teil gefallen? Dann klicke hier für Teil 2.

How to get to Africa without flying

Hello people! I am trying to write this blogpost in English, just so it will reach out to more people that can help us, or we can help them once we find a solution (will keep you posted). This is more of an informative blog and not like my normal stories.

If you don’t want to read the whole text and only find out about the different opportunities to cross to Africa, just scroll all the way down.

Just to quickly get everyone on the same page: We are cycling from Germany to Namibia (18.000 km) and are trying to find a way how to get to Africa without taking an aeroplane. We are in Istanbul, Turkey right now and it turned out that this little crossing to Africa is much more difficult than we ever imagined. Why is there no simple ferry to Egypt? I guess that would be to easy then…

Little Detour…

We have found a handful of people that have made it without flying by cycling around Syria or Iraq. These guys cycled through Iran and Saudi Arabia. This would mean another 5000 km on top at least. Although this is not the main problem, it is not possible for Mareile to get a visa in Saudi Arabia. Women are not allowed to do sports in public. Pretty crazy, I know, but therefore not an option for us. UPDATE 27.09.19: Saudi Arabia is now offering tourist visas. Does that also mean that women are allowed to cycle through the country…?

Everyone else basically flew. I even talked to a guy that has gone around the world with his bicycle for the last 8 years. He jumped on an aeroplane for the first time to get to Africa. Not the best prospects, but we do not give up that easily.

Social Media actually helping

How did we find info’s from different cyclists? At first we found many guys on Instagram with common hashtags like: #bikeafrica or #cycleafrica. Then we started asking them some questions and this is how we heard of the ‘Cairo to Cape Cycle Club’ Whatsapp group. There are more than 200 cyclists in it, that have either travelled through Africa with their bicycles or are currently doing it. Many have been really helpful with our questions and suggested/ discussed the different options for the cross. Just message us if you want to become a part of the group.

Ferry

No, there is no ferry to Egypt… (that’s what many people suggest when we tell them about our dilemma, like „oooooh thanks for that good idea, we haven’t thought of that one!“ :D). There is one ferry from Mersin, Turkey to Lebanon. But this would mean that we would have to cross through Syria, as the borders between Lebanon and Israel are closed at the moment. We are trying to find out more about the situation in Syria, as we get closer. The opinions could not be more different: Some guys say that it is insane to go to Syria, as it is still a war zone. Others say that it is much better and we could cross it in a couple of days. But don’t get me wrong: we are not on a suicide mission 🙂 UPDATE 27.09.19: the ferry between Turkey and Lebanon is no longer running.

Cruise- and freighter companies

I also contacted many cruise- and freighter companies. It seems like it is too much effort and paperwork for big cruise ships to take you across the Mediterranean because none of them would take us. It was very similar with freighter ships. Although I did find one company (www.cruisecyprus.com) that would take us from Italy to Israel. Unfortunately, we have passed Italy already and so far I cannot convince Mareile to cycle back again.…

Hitchhiking Sailing boats

I am constantly checking websites like www.findacrew.net. These kind of homepages connect matching boat and crew members all over the world. You can enter your planned trip (e.g. from Cyprus to Israel) and look for people that help you out on the boat and in return you can travel with them across the water.

Maybe we are lucky because especially in summertime a lot of Israelis sail from Israel to Cypress and back. There are also two Facebook groups for sailors from Israel where I have posted our story. We would have to find someone that likes our project and wants to help us out crossing the Mediterranean Sea. From Israel we could then cycle to Egypt! According to some other cyclists our chances would even be greater if we take a ferry to Cypress (only to south Cypress, as they are at war with the north) and try our luck on site at the harbours. And let’s be honest: Which old sailor could resist Mareile? 😉 UPDATE 27.09.19: The best times to look for a sailing boat from Cyprus to Israel is in summertime.

So now we will have to decide what we are going to do… At the end of the day if it does not work out, we will always be able to fly… We will keep you posted about our plans and how it went! Hold your thumbs for us!

If you can help us out or know of any other ideas/routes, please let us know 🙂

Sad News…

UPDATE 27.09.19: we have decided to fly. With the ferry to Lebanon not operating anymore and summertime ending (to hitch a sailing boat ride to Israel) we ran out of possibilities. We are really sad not to make it to Namibia without flying, but on the other hand also very happy that we finally made a decision. We can now look ahead again and our journey will continue! Tel Aviv, here we come! Why Israel? Because it was the cheapest flight (110 EUR p.P including the bike) and we wanted to float in the dead sea. We hope that it will become easier in the future. Maybe one day we can catch up this part and do it with the bicycles!

SUMMARY for the lazy ones 😉

  • Cycle around the Mediterranean Sea: through Iraq and Saudi Arabia (Caution! Only possible for men, as women don’t get a visa for cycling) UPDATE 27.09.19: There are now tourist visas issued for Saudi Arabia, maybe it is also possible for women as well.
  • Take a ferry from Mersin (Turkey) to Lebanon and then take the risk to cross through the south of Syria (border between Lebanon and Israel are unfortunately currently closed.) UPDATE 27.09.19: the ferry between Turkey and Lebanon is no longer running.
  • Take a ferry to south Cypress (not north, as they are at war) and try to hitchhike a boat from there to Egypt or Israel at the harbours in Cypress (best time: summer)
  • Check websites like www.findacrew.com to hitchhike a boat
  • Post in sailing groups on facebook and find someone that likes your project
  • Get new info from the ‘Cairo to Cape Cycle Club’ Whatsapp group (message us if you want to join)
  • Contact cruise- and freighter ships:
    • What I found out: take a freighter cruise from Salerno, Italy to Aschdod, Israel (info@cruisecyprus.com)

Mareile und Marius allein zu Haus – Horror Nacht Numero 1

Vielleicht hat der Eine oder Andere schon die Zusammenfassung unserer Grusel Wusel Nacht auf Instagram gelesen (Achtung: Spoiler Alarm!). Wenn dich aber die ganze Geschichte detailliert interessiert, solltest du jetzt aufmerksam weiterlesen.

Wir hatten unsere bisher beste Mittagspause in Trieste, Italien: Direkt am Meer auf einer Bank im Schatten. Das sind übrigens immer die 3 essentiellen Bestandteilen einer guten Mittagspause: Bank (mit Tisch bevorzugt), Schatten und Wasserquelle.

In Trieste war selbst die Wassertemperatur wirklich perfekt. Wir wollten auch gar nicht weiter, da es nicht nur bollig heiß war, sondern wir wussten, dass es direkt nach Trieste 30 km bis Slowenien nur den Berg hinaufgeht. Da bleibt man dann doch lieber am Beach.

Gegen halb 6 haben wir uns dann doch irgendwann aufgerafft und sind mit großem Sonnenhut losgeradelt. Schnell war klar, dass wir die 30 km niemals mehr schaffen werden. Es gab an den Steilhängen aber auch nirgends eine Möglichkeit sein Zelt aufzuschlagen. Abgesehen davon ging uns das Wasser aus und wir waren moeg (Afrikaans für ‚müde’, bin gerade fleißig am Lernen, aber das ist nochmal eine andere Geschichte).

Letztendlich kam dann doch noch eine Einbuchtung in Form eines Parkplatzes. Uns war beiden sofort klar, dass es dieser Spot für die Nacht wird, egal ob es nun Schatten und Wasser gibt. Vom Parkplatz führte ein kleiner Trampelpfad etwas den Berg hinunter. Und siehe da, eine Aussichtsplattform mit einer geisteskranken Aussicht über ein Tal, auf Trieste und das Meer. Wahnsinn!

Über Maps.Me fanden wir heraus, dass ein paar hundert Meter weiter oben ein Restaurant ist. Die Wasserquelle, und somit die gute Stimmung war also auch gesichert. Der Deal war also: Mareile baut das Zelt auf, solange ich zur Restaurant Oase radle. Natürlich bin ich ohne die schweren Taschen gefahren und dann war man auch ruckzuck den Berg oben. Ohne Taschen zu fahren fühlt sich immer an als hätte man einen extra E-Bike Motor unter dem Hintern. Auf einmal geht alles so einfach.

Wir saßen dann auf der Mauer der Aussichtsplatte mit dem romantischsten Candle Light Dinner das man sich vorstellen kann. Naja, eigentlich war es eher ein Candle Light (Dank Antischnaken Kerze) Vesper. Und da der Essenspackesel (Wer das wohl ist…?) keine extra Kilos den Berg hinauf schleppen wollte fiel es auch etwas sporadisch aus: Brot, Paprika Aufstrich, Thunfisch und Peanutbutter. Trotzdem soooo lekker!

Während dem Essen beobachteten wir ein beeindruckendes Gewitter, das vom Meer über Trieste zog und dann“100%ig vor uns nach rechts abbiegt“, das behauptete Wetterfrosch Marius zumindest. Komischerweise folgte der laute Donner immer schneller nach den mächtigen hellen Blitzen, die sich wie Wurzeln über den Himmel erstreckten. Ab 22 Uhr fing es an zu tröpfeln und war klar, dass wir eine kleine Dusche bekommen werden. Aus kleiner Dusche wurde ein Monsunregen mit Wassertropfen so groß wie Äpfel. Mareile hat sogar ihre Hand in den Regen gehalten um sich zu vergewissern, dass es keine Hagelkörner sind. Wir mussten uns im Zelt anschreien (was wir sonst natürlich nie tun) so laut hat es geprasselt.

Dann kam der Wind. Der Wind, der Wind das himmlische Kind. Auch bis heute macht dieser Satz für mich keinen Sinn, weil er für uns eher das böse Baby aus der Hölle war. Ich dachte wirklich, dass wir bald mit samt dem Zelt eine Runde übers Tal fliegen. Da man keine Heringe im Betonboden befestigen kann, fingen wir an das Überzelt auf jeder Seite durch die Eingänge festzuhalten. Ich schrie dann a la Forest Gump bzw. Lieutenant Dan „Ist das wirklich alles?!“  in der Hoffnung so etwas Humor in die leicht angespannte Situation zu bringen. Die Hosen hatte ich aber auch voll (das darf ich Mareile aber nie sagen, da sie sonst noch mehr Angst hat… so der Deal) und das war nicht das letzte Mal an diesem Abend. Wenigstens konnten wir etwas Strom sparen, da die Blitze unser Zelt dauerhaft erleuchtet haben. Der Schwabe denkt quadratisch, praktisch, gut!

Nach einer langen halben Stunde war der schlimmste Teil aber auch vorbei. Ich hatte mit Nils G. schonmal so eine Nacht im Zelt, nur war es damals ein Sandsturm in der Sahara. Ich wünschte ich hätte in der Nacht mit Mareile auch eine Flasche Vodka gehabt, dann wäre das Ganze etwas entspannter verlaufen.

Um ca. 24 Uhr sind wir dann endlich eingepennt. Um 1 Uhr wache ich aber wieder auf und Mareile sitzt im Zelt und schaut nach draußen „Da ist jemand, Mari!“, flüstert sie. Och nee, nicht schon wieder! In den ersten Wochen hatte sie öfters das Gefühl, jemanden zu hören, aber es war nie jemand zu sehen. Da sie jetzt aber immer gut schläft, entschloss ich mich auch nachzuschauen und tatsächlich war dort jemand, bzw. sogar 2 Gestalten. Na Klasse, best night eveeeeer! Und was tun wir nun? Ich beobachtete die 2 zunächst leise. Der Eine hatte eine ganz dunkle Laterne, der andere nur ein Handylicht. Wahrscheinlich wollten sie nur die Aussicht genießen und ein Bierchen trinken, aber als der eine dann einmal ums Zelt schlich war es doch etwas komisch. Schließlich waren neben unseren Rädern alle Packtaschen draußen. Wir habe nimmer nur eine Tasche mit unseren Pässen und dem Elektrogedöns im Zelt.

Mareile hat in der Zwischenzeit Taschenlampe und Pfefferspray rausgeholt. Im Zelt bzw. vom Zelt heraus zu sprühen, ist sicher keine gute Idee und noch gab es ja auch keinen Grund. Also entschloss ich mich meinen Mann zu stehen und mit der Taschenlampe rauszugehen. Mit einem möglichst lauten und tiefen „Hellloooo?!“ begrüßte ich die zwei Schatten, jedoch wurde ich nicht so herzlich empfangen. Die Zwei sind links vom Weg in die Büsche geflüchtet. Ich blieb dann etwas draußen und habe unsere Räder mit zwei anderen Schlössern zusätzlich abgesichert und alle Packtaschen vors Zelt gelegt. „Die sollen nur nochmal kommen und uns den Schlaf rauben…“, dachte ich mir… nicht. Sondern eher „Oh Gott, was ist, wenn die nochmal kommen, unsere Sachen klauen, uns ermorden und unsere Leichen schänden?!“. Aufgetaucht sind die Zwei leider nicht mehr, doch wir wussten, dass sie noch irgendwo sind. Schließlich stand ihr Auto noch da. Eine maximal beschissene Situation.

Schlafen konnten wir dann natürlich auch nicht mehr so richtig. Ich würde es eher dösen nennen. Zumindest bis ca. 3 Uhr. Dann kam wieder ein Auto. Ist das eigentlich euer ernst?! Dieses Mal war aber gleich klar, dass es nicht die gleichen Gauner sind, sondern irgendwelche laute und betrunkene Jugendliche. Als sie singend und lachend in Richtung Zelt liefen, kamen die klassischen Witze auf italienisch „Policia, Policia!“. Die Party Polizei ist angekommen. Sie haben sich auch nicht weiter an den zwei Schlafenden im Zelt gestört, sondern eiskalt ihr Ding durchgezogen: Singen, lachen, saufen und eine Hip Hop Zigarette nach der anderen rauchen.

Also zog ich mich noch einmal an und entschloss mich dazuzugesellen. Schlafen war bei dem Lautstärkepegel eh keine Option mehr. Die Begrüßung war dieses Mal viel herzlicher und alle fünf waren an unserer Biking Baboons Story interessiert. Ein Bier wurde mir auch gleich in die Hand gedrückt. Eigentlich waren die fünf Slowenen auf dem Weg zu einer Dorfparty, die aber aufgrund eines verrückten Sturmes (siehe oben) wortwörtlich abgeblasen wurde. Irgendwann fing es dann an hell zu werden. Ich trank mein Bierchen aus, verabschiedete mich von den fünfen und war sowas von nicht bereit für einen 30 km Bergaufstieg. 20 Minuten später klopften die Jungs ans Zelt und machten endlich auch die Biege. Viel Schlaf blieb aber nicht übrig. Wenigstens konnte Mareile etwas schlafen, da sie sich bei der Partymeute keine Sorgen mehr machte. Aber bereits 2h später jagte uns die heiße Sonne und volle Blase bereits wieder aus dem Zelt. Ich habe Mareile abends beim Vesper schon gesagt, dass wir diesen Ort so schnell nicht vergessen werden. Da sprach ich eigentlich nur von dem krassen Gewitter, das eigentlich an uns vorbeiziehen sollte. Dass die Nacht aber noch so wild werden würde, hat zu dem Zeitpunkt sicher keiner vermutet. Davon erzählen wir sicher noch unseren Enkeln.

Unsere ersten (fast) 1000 km!

14:47 Uhr 27.06.19 797 km

20 km hinter Cortina, Italien

Es ist eine der heißesten Wochen, die es gefühlt wohl jemals gab in Europa. Wir machen unsere tägliche lange Mittagpause, die eigentlich, aufgrund der Temperaturen, erst für Afrika geplant war. Aber zwischen 13 und 17 Uhr hält man es gerade wirklich nicht auf der Straße aus. Wir haben ein schönes Schattenplätzchen an einem Wald mit Bach gefunden, es gibt also genug Holz um ein kleines Feuer zu machen um Nudeln zu kochen. Was will man(n) mehr?!

Es ist unglaublich aber wir sind tatsächlich schon seit über 3 Wochen unterwegs und mittlerweile schon in Land numero 3: Italia. Für mich fängt es trotzdem erst jetzt an sich wie das Ausland anzufühlen, da bisher überall noch deutsch geplappert wurde und es nicht so richtig wie fremde Länder angefühlt hat. Meine Deutschlandflagge hinten am Rad macht den Ansturm von Gleichsprachlern auch nicht besser: „Sind Se auch deutscher?!“

Aber wenn wir gerade schon dabei sind: Es ist wirklich faszinierend wie wir auf andere Menschen wirken mit unseren vollbepackten Rädern. So viele Leute kommen auf uns zu und möchten wissen wo es hingeht und von woher man kommt. Wie man so eine Reise plant und wie das nun mit dem Job funktioniert. Da kann ein kurzer Halt bei einem Brunnen, um die Wasserflaschen aufzufüllen, schnell zu einem halbstündigen Interview mit den verschiedensten Menschen entwicklen. So muss sich wohl ein Filmstar fühlen. Richtige VIPs!

Die meist gefragteste Frage ist wahrscheinlich wie wir das denn mit dem Aufladen des Elektromotors machen… „Elektromotor…? Ach das, ne ne, das ist unser Pinion Getriebe das uns wartungsfrei bis nach Namibia begleiten wird!“ Die ersten knappen 800 km hält es auch, was es verspricht, genau wie der Rest des Rose Rades. Vielen Dank nochmal an Rose und Pinion für das Sponsoring, wir sind immer noch überglücklich!

Für mich war von Anfang an klar, dass Deutschland, Österreich und die restlichen westeuropäischen Länder relativ unspektakulär werden. Fehlanzeige! Doch bevor wir zu den ganzen Storys kommen, rudern wir mal etwas zurück zu unserem aller ersten Radtag in Richtung Namibia.

Wer uns kennt, weiß, dass es mit der Pünktlichkeit immer nicht so ganz klappt. So ging es uns auch an unserem Abreisetag: Montag 04.06.2019. Da wir am Samstag unsere Abschiedsparty hatten (bei der wir übrigens 317 EUR für die Kiddies von Pro Namibian Children eingesammelt haben – vielen Dank nochmals an alle Freunde und Verwandte!), ging am Sonntag danach nicht so viel – es war Kater- statt Packstimmung angesagt. Aber wir sagten uns, dass das alles nicht so schlimm ist, wir hatten schließlich noch den ganzen Montag, da wir, aus gutem Grund und Selbstkenntnis, keine konkrete Abfahrtszeit festgelegt haben. Natürlich dauerte es dann doch nochmal den kompletten Montag mit der Packerei von unserem Equipment (Probepacken, was ist das denn?) und Verstauerei von unserem übrigen Krempel den wir bei Oma lagern.

GENAU in dem Moment als die Bikes komplett beladen waren (Ca. 17 Uhr) fing es an zu regnen. „Das ist jetzt nicht dein ernst da oben oder?!“ Letztendlich warteten wir noch eine halbe Stunde und mein Vater kam auch schon wieder von der Arbeit. Von ihm hatten wir uns eigentlich auch schon verabschiedet und er hatte uns spaßeshalber Mittags noch geschrieben ob er etwas länger bei der Arbeit bleiben muss bis wir das Chaos der letzten 4 Wochen beseitigt hatten. Hätte er mal machen sollen… „surprise surprise, wir sind noch daaaaaaa!“

Aber dann ging es letztendloch doch noch los! 17:30 Uhr, Namibia wir kommen! Meine kleine Schwester Emma und mein Papa begleiteten uns noch ein Stück, machten ein paar Bilder beim Ortsschild und dann fuhren wir in die große weite Welt hinaus… bis Rottenburg (Nächste Stadt von Wendelsheim und 5 km entfernt)! Dort gab es dann auch noch etwas zu erledigen das wir in den 4 Wochen nicht geschafft haben oder vielleicht auch etwas vor uns hergeschoben haben: Opas Grab besuchen.

Für die, die es nicht wissen: Wir waren 8 Monate backpacken in Südamerika vor unserer Radreise und mein Opa starb solange wir on the road waren. Wir verabschiedeten uns zwar damals schon, wohlwissend, dass man sich nicht mehr sehen wird und hatten auch eine wunderschöne Trauerfeier mit großem Feuer direkt am Strand in Kolumbien. Trotzdem war der Besuch beim Grab wirklich nicht einfach. Ich bin mir aber sicher, dass Opa auf uns aufpasst. Wir haben ihm auch einen ‚Biking Baboons’ Sticker am Grab gelassen, den Oma jetzt sogar aufs Kreuz geklebt hat (das habe ich mich nicht getraut).

Danach waren wir quasi eh schon fast bei dem Grundstück von meinem Patenonkel und sind dort noch ‚schnell’ vorbei um sein riesiges Indianer Tippi zu bestaunen. Und dann wurde es auch schon wieder dunkel. Um 22:30 Uhr sind wir dann als Überraschung nochmal zu meiner Mommy gefahren und müssen zugeben, dass wir auch dort genächtigt haben. Nix wars mit Zelten. Was für ein anstrengender erster Tag! Nach 2 Colaweizen fielen wir dann völlig kaputt um 12 Uhr ins Stockbett. By the way war es auch noch der Welt Fahrradtag, das wussten wir natürlich von Anfang an und hatten es über Monate hinweg geplant… nicht.

Jetzt bin ich mal wieder etwas abgeschweift und das schon an Tag 1, wie soll das nur weitergehen?! Dann lasst mich vorerst ein paar Tage überspringen, die alles andere als langweilig waren, und direkt zu unserem ersten großen Meilenstein springen: Alpen- und Dolomitenüberquerung. WIR HABENS GESCHAFFT, BIIIIITCHES!

Schon bei der Planung der Reise hatten wir 2 große Sorgen: Unsere Popöchen und die Alpen. Nach 3 Wochen kann ich sagen, dass wir mit beidem wirklich sehr gut klarkommen! Zuerst aber zu den Alpen: Wir sind den Brennerpass gefahren und ich will nicht sagen, dass es ein Kinderspiel war, aber ich habe es mir persönlich schlimmer vorgestellt. Wir haben es auch ganz gut getimed, da uns mein Vater 3 Tage am Fuße des Brenners in Matrei besucht hat. So hatten wir nicht nur 3 Tage Pause, sondern konnten auch alles Unnötige, was wir zu viel dabeihatten, mit ihm nach Hause schicken. Klickschuhe und Mokkakocher good bye! Jetzt kann Mareile nicht mehr so einfach mitsamt dem Fahrrad umkippen. Blaue Flecken auf nimmer Wiedersehen! Undnein, mein Dad hat uns nicht hochgefahren, das sind wir alles selbst gestrampelt!

Außerdem muss man sagen, dass das Stück direkt nach Innsbruck bis zum Brenner eigentlich fast schlimmer war, da es wirklich super steil den Berg hochging. Den Brenner selbst waren wir in 1,5 Stunden oben, eine nicht so tolle Strecke direkt an der Straße. Wir hatten aber auch wirklich Glück, da es der letzte kühlere Tag war vor der vorher erwähnten Jahrhunderthitze. Sobald man oben und über der Grenze war, war es der Hammer. Hut ab an die Italiener vor ihren Radwegen (Update: zumindest in Südtirol)! Danach ging es auch erstmal eine halbe Ewigkeit den Berg hinab, wo wir auch endlich wieder ein paar der E-Bike Fahrer überholen konnten überhalb der 25 km/h Motor Unterstützung. Es ist ja wirklich toll, dass die Leute, dank E-Bikes, wieder mehr zum Radfahren und an die frische Luft kommen, aber trotzdem haben wir einen kleinen Hass gegen sie entwickelt wenn sie fröhlich und pfeifend im größten Gang an uns den Berg hochschlendern. Im besten Fall feuern sie einen dann noch an mit einem „Allez, auf geht’s!“.

Zurück zu den Bergen: dann kamen ‚nur’ noch die Dolomiten. Viele fragen sich jetzt „Warum denn noch die Dolomiten? Man könnte doch über Bozen fahren und könnte es quasi nur noch rollen lassen?“ Ganz einfache Antwort: Mareile hat sich die schönere- aber auch viel schwierigere Route ausgesucht. Bequem am PC zu Hause ist das immer so einfach, sich das größere Übel auszusuchen. Das kennt jeder wenn man mal wieder den 50 EUR günstigeren-, aber dafür 7h längeren, Flug auswählt. Anstatt wie beim Flug Geld zu sparen, wurden wir dann aber mit unglaublichen Berglandschaften belohnt. Solche Aussichten haben wir beide seltenst gesehen und würden die Route jedem ans Herz legen. Der Radweg ist meistens auch gut ausgeschildert (und das von München bis Venedig).

Oben angekommen, dachten wir dann aber wieder, dass es so schlimm eigentlich gar nicht war. Es ging halt ETLICHE Kilometer bergauf, dafür aber nicht sehr steil. Und nochmals war die Fahrt nach unten ein Highlight und wir sind sogar auf der Straße gefahren, da es schon relativ spät war und man es auf dem Schotter Radweg nicht so richtig laufen lassen konnte. Unten in Cortina angekommen belohnten wir uns dann mit Vino Blanco, 2 Pizzen und einer Dusche auf dem Campingplatz.

Erst am nächsten Morgen haben wir bemerkt wie zerstört unsere Körper sind und, dass die letzten Tage doch etwas anstrengend waren. Wir haben uns den ganzen Tag kaum bewegt, bzw. kaum bewegen können und mussten noch um einen weiteren Tag am Campingplatz verlängern. Aber es waren auch fast 4000 Höhenmeter und das alles untrainiert. Schließlich ist das Mareiles erstes Fahrrad…

An all die rennradelnden Grammzähler die sich jetzt ins Fäustchen lachen über die paar Bergkilometer: Wir tauschen gerne mal unsere 50kg Panzer (ohne Essen und Trinken) für einen Tag und dann reden wir nochmal 😉

Update 30.06.2019: Mittlerweile sind wir jetzt übrigens schon bei 939 km und nur noch 30 km vor Venedig! Wir haben uns nochmal ein Bed & Breakfast in Treviso gegönnt um:

1. Den Blog fertig zu schreiben und hochzuladen und
2. Eine waschechte italienische Stadt zu sehen, ohne die 3 Milliarden Touris in Venedig. Und wir lieben es! Unbedingt hingehen! Für meine lieben Schwabenfreunde: Pizza Margherita: 5,50 EUR direkt auf dem Marktplatz!

Biking Baboons Interview bei Stadtkind Stuttgart

Ihr kennt Stadtkind Stuttgart noch nicht? Dann wird’s aber höchste Eisenbahn!

„Von 0711 bis fünf Uhr morgens, von Musik und Kunst bis hin zu Mode: Stadtkind Stuttgart ist deine digitale Homebase für spannende Geschichten aus der Stadt. Wir stellen euch coole Köpfe aus dem Kessel vor, entdecken neue Bars und Kneipen, zeigen die schönsten Ecken Stuttgarts.“

Zwei besonders coole Köpfe aus- und mit dem Kessel wurden von Ina Schäfer interviewt. Wer das wirklich gut geschriebene-, mit vielen Bildern gestaltete Interview noch nicht gelesen hat, kann das hier tun.

Kinderbuchempfehlung über Namibia ‚Feuerfreundschaft‘

Nach unserem Interview im Schwäbischen Tagblatt wurde Carmen Strölin aus Stuttgart auf uns und unser Vorhaben aufmerksam. Sie war 2017 mit ihrer Familie in Namibia und war vor der Reise auf der Suche nach geeigneter Literatur über das Land für ihre Kinder. Da sie hier nicht fündig wurde, entschied sie schnurstracks ein Buch selbst zu schreiben (Buchbeschreibung siehe unten).

Geld für sich verdienen möchte sie aber nicht und so entschied sich Carmen Strölin den Gewinn an den Pro Namibian Children e.V. zu spenden. Eine bockstarke Aktion, wir freuen uns riesig!

Das Buch kann entweder direkt über uns bestellt werden (Mail an: blogomotivetravel@gmail.com), über Namibia Favorites oder bei Amazon. Natürlich ist es besser bei uns per Mail zu bestellen, da der meiste Gewinn ansonsten an Amazon geht und nicht an die Kinder vom Waisenhaus. Bei der Bestellung im Kommentarfeld ‚Biking Baboons‘ erwähnen, sodass wir tracken können ob Bücher durch unseren Blog verkauft werden.

Aber von was handelt das Buch genau?

Im Mittelpunkt des Buchs steht die abenteuerliche Reise des dunkelhäutigen Mädchens Naomi durch ihr Heimatland Namibia. Sie hat die wichtige Aufgabe, ein Amulett von einem Ort zum anderen zu bringen, um auf diese Weise ihrer Familie zu helfen. Begleitet wird Naomi von Lara, einem weißen Touristenmädchen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg. Dabei lernen sie sich selbst und die Kulturen, von denen sie abstammen, immer besser kennen. Doch ihre Freundschaft muss so manches Abenteuer überstehen……

Die spannende Geschichte wird durch Interessantes und Wissenswertes zu Namibias Menschen, wilden Tieren und Kulturen ergänzt.

Buchdaten:

Preis: EUR 10
Paperback Taschenbuch, 156 Seiten, ISBN-13: 9783748149477
Verlag: Books on Demand, Erscheinungsdatum: 25.10.2018, 1.Auflage
Sprache: Deutsch, Umschlag farbig, Innenteil eine farbige Illustration, Text und weitere Illustrationen schwarz-weiß
empfohlenes Alter: 9 – 13 Jahre
Größe: 12,1 x 1,5 x 19,3 cm